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Idee

Einfühlsame Schilderung des Familienlebens mit einem autistischen Kind aus der Sicht seines Bruders – gelungene Darstellung ohne übertriebene Emotionalität.

Bilder

Die Bilder ergänzen den Buchinhalt hervorragend und übersetzen ihn in eine eigene und leicht verständliche Bildsprache.

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Kurze Sätze, leicht verständliche Sprache, viele Vergleiche – gelungene Heranführung für Kinder an ein sensibles Thema

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2011

[ab 5 Jahren]

Der Begriff "Autismus" ist wahrscheinlich jedem bekannt. Doch wie gestaltet sich der Alltag in Familien mit autistischen Kindern?

David ist ein ganz besonderer Junge. Das weiß auch sein Bruder, auch wenn er es mit ihm manchmal schwerer hat, als andere Kinder mit ihren Brüdern. Denn David "benimmt sich nicht wie ich oder Mama oder Papa oder alle Menschen, die ich sonst kenne." David ist Autist und er mag es nicht, umarmt zu werden, er mag keinen Lärm, keine Veränderung, spielt nicht mit anderen Kindern, redet manchmal in einer anderen Sprache und kann schrecklich wütend werden. Aber David kann auch gut beobachten und weiß daher als einziger, was den Hund der Nachbarin stört. Oder er kann wunderbar Klavier spielen, einfach so. Ja wirklich, David ist ein ganz besonderer Junge.

Die Zahl der Kinder mit Autismus wächst in den letzten Jahren kontinuierlich an, denn Dank besserer Diagnosemethoden, aufmerksameren Eltern und früheren Kindergartenbesuchen können mehr Fälle früher erkannt werden. Momentan ist eines von 110 Kindern von Autismus betroffen, davon einer von 70 Jungen. Die Ursachen für die angeborene Krankheit sind noch nicht geklärt. Zum derzeitigen medizinischen Stand gilt Autismus als unheilbar, jedoch sind durch Therapien Verhaltensbesserungen erzielbar. Daher ist "Davids Welt. Vom Leben mit Autismus" von Dagmar H. Mueller ein aktuelles Buch, auch wenn es nicht jeden unmittelbar betrifft.

Aus der Sichtweise eines Jungen wird sein Leben mit seinem autistischen Bruder David beschrieben. Dass die Perspektive dabei immer die des "normalen" Bruders bleibt und nicht auf David überwechselt, verdeutlicht dem Leser die Schwierigkeit im Zusammenleben mit einem Autisten. Es gibt keine oder seltene Einblicke in ihre Welt, Gedanken und Gefühle und meist bleibt es für Außenstehende bei dem beschreibenden Beobachten, ohne sich wirklich dem Betroffenen nähern zu können.

Das Buch ist in zwölf einzelne Episoden unterteilt, die jede auf einer Doppelseite Platz finden und verschiedene Gemütszustände prägnant und kindgerecht beschreiben. Die Überschriften geben den Kapitelinhalt wieder, wie beispielsweise: "David und Mama und Papa und ich lernen", "Manchmal ist David traurig", "Was ich mir wünsche", "David spricht eine andere Sprache" oder "David fühlt. Viel!". Dabei steht in den beschreibenden Texten jedoch nie immer nur David im Vordergrund, auch sein Bruder reflektiert sich in seinem Umgang mit ihm und anders herum. David wird somit nicht immer nur als "der Autist" dargestellt, sondern - und dadurch glaubwürdiger - auch als der Bruder, der ab und zu nervt oder lästig sein kann.

Um den abstrakten Begriff "Autismus" kindgerecht zu erklären, lässt die Autorin ihren Protagonisten einfach und leicht verständlich in den einzelnen Kapiteln beschreiben, was dieser Begriff alles umfassen kann, wie z.B. Lärmempfindlichkeit, plötzliche Wutanfälle oder das Zurückgezogensein in sich selbst. Um dem Leser wirklich begreiflich zu machen, was Autismus bedeutet, werden viele anschauliche und bildstarke Vergleiche gezogen, die sich durch das ganze Buch ziehen. David wird von anderen Kindern mit einem Außerirdischen verglichen, Davids Sprache mit einer Fremdsprache, die im Ausland dann doch niemand versteht. Dagmar H. Mueller pauschalisiert dabei jedoch nicht, sondern nimmt David als ein persönliches Beispiel, wie Autismus ausgeprägt sein kann. Im letzten Kapitel wird unter der Überschrift "David ist Autist" abschließend erläutert, dass Autismus angeboren ist, dass Menschen mit Autismus anders sind und niemand etwas dafür kann. Und dass die Menschen nicht nur Autisten sind, sondern immer noch Menschen und David somit für den Erzähler in erster Linie sein Bruder.

Doch nicht nur Zustände werden beschrieben, die Autorin zeigt auch Handlungsmöglichkeiten auf in Form einer Therapie auf. Dabei wird nicht nur David therapiert, die gesamt Familie ist eingebunden und lernt auch seine Sichtweise und Möglichkeiten kennen, um ihn besser verstehen zu lernen. Somit steht auch hier das beiderseitige Aufeinanderzugehen im Vordergrund.

Die Illustrationen von Verena Ballhaus unterstreichen den jeweiligen Episodeninhalt und zeigen auch bildhaft den Lärm des Mixers, des Staubsaugers oder der Espressokanne. Dabei wird David wie aus einer Mauer herausgeschnitten dargestellt, als Person mit einem Overall aus roten Ziegelsteinen. Diese Metapher verbildlicht die Mauer, die David ständig umgibt, die ihm angeboren ist und die ihn anders macht und die er nur mit Hilfe einer Therapie schrittweise durchlässiger machen kann.

Fazit:

Eine sensibel erzählte Geschichte über Autismus, die für mehr Verständnis wirbt und dafür plädiert, hinter einer autistischen Person immer noch den Menschen zu sehen.

Claudia Goldammer

 

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