Couch-Wertung:

86%
Idee
Bilder
Text

Idee

Eine kluge, einfühlsame Protagonistin, die sich im blauen Haus mit den vielen verschiedenen Menschen ganz geborgen fühlen kann. Sie hört genau hin, versteht die Menschen und sie sieht Dinge, die vielen vielleicht verborgen bleiben.

Bilder

Gerade der humorvolle Zeichenstil von Philip Waechter und seine unverwechselbaren Figuren begleiten das Buch auf sehr leichte und sympathische Weise.

Text

Der ruhige, klare Erzählfluss mit seinen kindlichen Beobachtungen und Freuden nimmt Kinder mit und lässt sie die Dinge ganz auf Augenhöhe miterleben. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer.

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1% 50% 100%

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91%-100%
0 x 81%-90%
0 x 71%-80%
0 x 61%-70%
0 x 51%-60%
0 x 41%-50%
0 x 31%-40%
0 x 21%-30%
0 x 11%-20%
0 x 1%-10%
B:99
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":1,"100":0}
Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jun 2011

[ab 9 Jahren]

Kann eine Entdeckungsreise nur aufregend sein, wenn man die Koffer packt und in ganz weit entfernte Länder reist? Woher weiß man, dass man alles, was direkt vor der eigenen Nase ist, schon entdeckt hat? Vielleicht sollte man doch mal genau hinsehen. Genau das tut Ellika Tomson und schreibt alles in ihrem kleinen Büchlein auf. Ellika Tomson ist die Entdeckerin des blauesten Hauses in der Trompeterstraße.

Ellika soll zwei ganze Seiten über Christoph Kolumbus schreiben - zwei Seiten! Und das schon ganz bald. Ellika hat wirklich miese Laune. Da hat der kluge alte Clifford Karlsson, der im gleichen Haus wie Ellika wohnt und stets da ist, wenn man ihn braucht, eine gute Idee: Sie soll selbst zur Entdeckerin werden und alles in ein kleines Buch, das er - tadaaa - zufällig im Müll gefunden hat, schreiben. Denn "man muss ja nicht unbedingt verreisen, um etwas zu entdecken."

Und so macht sich Ellika auf, das blaue Haus zu erforschen. Die Entdeckungsreise beginnt mit ihrer eigenen Mutter, die, wie ihr gerade auffällt, ganz schön klein ist. Auf der Suche nach der Lärmquelle, die die andern Hausbewohner mit immer demselben Lied traktiert, wird sie bei Mirjam Mandelstein fündig, die wieder einmal einen Weltrekord aufstellen will. Dieses Mal mit der größten Flickendecke der Welt. Dabei stellt Ellika fest, dass Mirjam sehr gut rechnen kann. Bei ihrem Freund Janus gibt es nichts neues; die Eltern streiten sich wieder einmal und Janus flüchtet sich in seine Weltraumfantasiewelt. Er hört Ellika überhaupt nicht zu, als sie ihn für ihre aufregenden Mission zu begeistern versucht.

Auch die älteren Damen im fünften Stock, die nie einer Meinung sind - außer es geht um Karlsson, den beide sehr gerne mögen - streiten gerne. Ellika findet sie aber trotzdem nett und ihr Gezänk findet sie lustig. Und tatsächlich findet sie in dem wohlbekannten Haus in der Trompeterstraße unbekannte Türen. In einer leeren Wohnung lernt sie die neue Mieterin Anna kennen, die ihr Baby mitgebracht hat. Von ihr erfährt Ellika, was aus der vorherigen Bewohnerin geworden ist. Hier wohnte Elsa Colliander, die Königin der Lüfte.

Bei ihrem Besuch von Herrn Svensson, den sie häufiger besucht, um ihm Postkarten seiner Tochter vorzulesen, stellt Ellika fest, dass sie ihm zwar immer die Postkarte vorlesen muss, weil Herr Svensson so schlecht sieht, es aber in der Wohnung aber immer blitzsauber ist. Auf der Karte steht herzlich wenig für den alten Vater. So versucht Ellika, das "Ereignis" möglichst lange auszudehnen. Am Ende findet sie heraus, "dass es bei manchen Menschen einfach ist, tschüss zu sagen, und bei manchen nicht einfach."

Sie bringt die Briefmarke von der Postkarte zu Herrn Alexander P. Koriander und bringt ihn völlig aus seinem wohlgeordneten Konzept, als sie ihm vorschlägt, die Briefmarken doch nach einer ganz anderen, "stacheligen" Logik abzulegen.

Karlsson, der allerhand kaputte Sachen repariert, setzt einem alten Wecker derart zu, dass er in hundert Einzelteile zerspringt. Erst jetzt erfährt man, warum Ellika allein mit ihrer Mutter lebt. Karlsson und Ellika reden darüber, dass Ellikas Vater im Gefängnis ist, weil er ein Autor gestohlen hat. Ellika fragt, ob Karlsson immer noch mit ihrem Vater Schach spielen würde - der bejaht dies. Für Ellika liegt das Gefühl nicht ganz so klar. Sie ist sauer auf ihren Vater und traurig - und irgendwie scheint es, dass der Wecker, der in vielen Einzelteilen da liegt, irgendwie das symbolisiert, was Ellika fühlt. Denn sie entdeckt, dass nicht alles was einmal kaputt geht, repariert werden kann. Aber auch, "dass eine Uhr eine Uhr bleibt, obwohl sie in einem Marmeladenglas liegt. Aber die Zeit, die ist dann stehen geblieben."

Ellika begegnet noch so manchem wahren Individualisten im Haus vom coolsten Typen der Straße bis hin zur Feindin, die doch zur Freundin wird, und findet am Ende sogar einen Schatz: Eine echte Glücksmünze.

Die Neugier, hinter die Türen eines Hauses zu blicken, die Eigenheiten seiner Bewohner zu erfahren, ist wohl für jeden reizvoll - da muss man nicht mehr unbedingt Kind sein. Dafür sogar einen Auftrag zu bekommen, diese Dinge alle entdecken und dokumentieren zu dürfen, ist natürlich eine spannende Sache. Dass die Notizen, die sich Ellika im Laufe der Zeit macht, doch viel zu persönlich sind, als dass sie diese ihrer Lehrerin zeigen will, stellt sie erst im Laufe ihrer Nachforschungen fest.

Sehr treffend, ganz nach kindlicher Art und doch so klug, fasst Asa Lind die Gedanken und Schlüsse von Ellika in nur wenigen Worten zusammen. Beeindruckend, welche Dichte sie erreichen und damit Leser jeden Alters ansprechen. Ihre Vergleiche, die scheinbar zufälligen Ereignisse, wirken wie kleine Spiegel, die zurückwerfen, welche Erkenntnis Ellika gewonnen hat.

Dabei spielt der alte Clifford Karlsson eine besondere Rolle; wie ein heimlicher Regisseur tritt er in der Geschichte auf, gibt ihr die richtige Wendung und weiß so manch Unvorhersehbares schon voraus zu sagen. Oder wie kann es sein, dass er vorher weiß, dass im Keller das Licht ausfällt? Wäre nicht das Licht der Taschenlampe auf genau die Stelle gefallen, wo die Münze in der Wand steckte... er ist es schließlich, der Ellikas Entdeckungsreise anschubst. Der liebenswerte alte Mann, der wie ein dienstbarer Geist immer dann auftritt, wenn die Menschen ihn brauchen, spielt fraglos eine große Rolle.

Vom Timing gut gesetzt und dadurch auf eindrucksvolle Weise eingefügt, ist die Tatsache, dass man erst sehr spät von Ellikas trauriger Familienkonstellation erfährt - erst nachdem sie so manchen der Hausbewohner vorgestellt und seine Eigenheiten in ihrem Entdeckerbuch geschrieben hat, erfahren wir Leser, warum Ellika von den beiden anderen Mädchen so angefeindet wird. Eine schwierige Situation für ein Kind. Asa Lind bringt es wunderbar mit dem Gleichnis des kaputten Weckers auf den Punkt und zeichnet mit ihren feinfühligen Dialogen nach, wie Ellika bei der Sache empfindet.

Insgesamt finde ich die Dialoge von Asa Lind überaus gelungen. Sie zeigen die Offenheit Ellikas, mit der sie ihren Mitmenschen gegenüber tritt und zeigt, dass sie eine sehr gute Zuhörerin ist, die die richtigen Fragen zu stellen weiß. Darüber hinaus scheinen die Dialoge allesamt ein unsichtbares, aber wichtiges Ziel zu verfolgen und meist finden wir am Ende auch den Sinn dieser Begegnung im blauesten Haus auf der Trompeterstraße.

Schließlich wird deutlich, dass das ganze Haus mit all seinen sehr verschiedenen Bewohnern Ellikas zu Hause ist. In ihm findet sie Halt und Geborgenheit, in einer Zeit, da sie darum bangt, dass ihre eigene kleine Familie auseinander zu brechen droht. Kinder werden neugierig an Elllikas Entdeckungen Anteil nehmen und mit ihr gemeinsam neugierig hinter die vielen Türen blicken, die auch ihnen viel Bekanntes aber doch so viel Interessantes zu bieten haben.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die schwedische Autorin über ihre Arbeit sagt: "Alles, was ich getan, gelesen und erlebt habe, alles, was um mich herum geschieht, und alle, die ich getroffen habe, sind von Bedeutung, wenn ich schreibe - man schreibt ja als der Mensch, der man ist." Genau diese Haltung findet sich in ihrem Kinderbuch, das so authentisch und doch so fantasievoll ist, wieder.

Darüber hinaus ist es für Asa Lind wichtig, dass es laut vorgelesen werden kann - dies ist ihr Maßstab für ein gutes Buch. Und genau das erfüllt auch "Ellika Tomson und ihre Entdeckungen im blauen Haus. Ihre Sprache ist klar und auf eine Weise eindeutig, die klar erkennen lässt worum es geht, ohne es direkt beim Namen zu nennen. Der ruhige Erzählfluss mit seinen kindlichen Beobachtungen und Freuden - zum Beispiel auf welche verschiedene Weise man eine Treppe hinauf oder hintergehen kann - nimmt Kinder für sich ein und lässt sie durch Ellikas Perspektive die Dinge ganz auf Augenhöhe miterleben.

Die Illustrationen von Philip Waechter sind in ihrer Charkteristik wieder schlicht und doch so ausdrucksstark. Humorvoll weiß er Eindrücke vom Haus selbst oder die Momentaufnahmen - wo auch Pinguine, Raketen oder kleine schwarze Käfer eine Rolle spielen - von Ellikas Entdeckungsreise einzufangen. Seine Strichzeichnungen begleiten die Erzählung innerhalb des Fließtextes. Vor jedem neuen Kapitel sieht man Ellika mit ihre kleinen Notizbüchlein, mal sinnierend, mal bewundernd, mal auf allen Vieren schreibend. Gerade der humorvolle Zeichenstil von Philip Waechter und seine unverwechselbaren Figuren begleiten das Buch auf sehr leichte und sympathische Weise.

Fazit:

"Ellika Tomson und ihre Entdeckungen im blauen Haus" ist eine spannende Entdeckungsreise durch den Alltag eines Mädchens, das ihren klaren Blick auf eine Hausgemeinschaft zeigt. Mit viel Humor und vielen klugen Beobachtungen ist es ein Buch, das Kindern dazu ermutigt, genauer hinzuschauen und sich ihre ganz eigenen Gedanken über die Welt um sich herum zu machen.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Ellika Tomson und ihre Entdeckungen im blauen Haus

Ellika Tomson und ihre Entdeckungen im blauen Haus

Deine Meinung zu »Ellika Tomson und ihre Entdeckungen im blauen Haus«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.