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Wie die kleinen Schwalben, muss Franny auch lernen Lucas wieder los zu lassen. Wunderschöne Erzählung mit Charakteren, denen man im Verlauf des Buches immer wieder gerne begegnet.

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Hannah Roberts McKinnons Sprache verführt schon mit dem ersten Satz; sie ist intensiv, emotional und so bildreich, dass man sich unversehens auf der kleinen Farm in Oklahoma wiederfindet. Aus dem Amerikanischen von Eva Riekert

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jun 2011

[ab 11 Jahren]

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [06.2011]. Die dreizehnjährige Franny lebt mit ihrer Familie auf einer kleinen Farm und päppelt in Not geratene Tiere auf. Der lange und heiße Sommer in Oklahoma scheint kaum große Überraschungen bereit zu halten. Doch die Dürre ist in diesem Jahr besonders schlimm und die Zahl von Frannys kleinen Patienten wächst von Tag zu Tag. Als eines Tages jedoch neue Nachbarn in das leere Haus nebenan einziehen, ändert sich für Franny alles.

Im Sommer ihres dreizehnten Lebensjahres ahnt Franny die träge Hitze des Sommers bereits voraus. Franny betrachtet ihr Leben und ist zufrieden. Sie wächst heran in einer starken, eigenwilligen Familie, erkennt die guten Absichten - die wie Päckchen manchmal zerdellt beim Empfänger ankommen - und beschreibt den Sommer Oklahomas als "Seelenzustand". Inmitten der Idylle des Familienhofs mit Holzveranda und Schaukel, Mutters wilden Blumen und dem Fluss unterhalb des Gemüsegartens wächst Franny wohlbehütet und dennoch frei auf. Ihre nur ein Jahr ältere Schwester Sidda ist bereits ganz und gar Teenager. Sie ist ständig mit ihren Freundinnen unterwegs, schwärmt für Jungs und ist mit ihrem Outfit beschäftigt. Franny hingegen ist noch ganz Kind und hegt Tag und Nacht Schwalbenküken, Opossumkinder und verletzte Schildkröten. Davon ist Sidda gar nicht angetan, der kleine Bruder Ben aber umso mehr. Die Mutter, eine begabte Künstlerin, unterstützt Franny aus voller Überzeugung.

Großmutter Rae hat im Gegensatz zur liberalen Mutter ganz andere Ansichten und so ist es nicht verwunderlich, dass die beiden Frauen kaum einig sind. Doch man respektiert einander, wobei die Jüngere der beiden starken Frauen recht geschickt zu taktieren weiß - während die Ältere aber durchaus für Überraschungen gut ist. Regelmäßig findet in Frannys Zuhaus das Treffen der "Emsigen Bienen" statt - ältere Damen nähen gemeinsam kunstvolle Flickendecken (auch "Quilt" genannt). Dabei wird eine Menge getratscht und so manche Weisheit ausgetauscht. Doch als der Sommer immer bedrohlichere Ausmaße annimmt und die Dürre die Existenz der Farmer bedroht, zeigen diese sonst so ältlichen Damen ihre verborgene Seite - sie verfügen nicht nur über viel Lebenserfahrung und so manche Macke, sie verstehen auch etwas von echter, alter Magie.

Gerade als sich Franny auf "Wurmpatrouille" für Bens Schildkröten macht, sieht sie, dass ein Lieferwagen zu dem leerstehenden Holzhaus auf dem Nachbargrundstück fährt. Sie begegnet zum ersten Mal Lucas, der mit seiner Mutter Lindy wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheint. Franny und Lucas verstehen sich auf Anhieb. Und auch wenn Sidda den gutaussehenden Jungen gerne für sich erobern würde - was Franny auch auf ziemlich spektakuläre Weise zu torpedieren weiß - hat Lucas nur Augen für Franny. Gemeinsam verpflegen sie die zahlreichen Neuankömmlinge in Frannys Tierstation. Auch die beiden Mütter nähern sich freundschaftlich an, doch irgendetwas scheint mit den neuen Nachbarn nicht zu stimmen. Sie widersprechen einander, wenn man sie nach ihrer Vergangenheit fragt und Lindy möchte nicht, dass ihr Name auf dem Briefkasten steht, den Frannys Mutter so liebevoll aufgemalt hat.

Als plötzlich ein fremder Mann auftaucht und nach Lucas und Lindy fragt, gibt Franny arglos Auskunft. Es dauert nicht lange, da nistet sich der offensichtlich alkoholabhängige und gewaltbereite Vater von Lucas im Haus der beiden ein. Frannys Mutter, die ahnt, dass Mutter und Sohn in Gefahr schweben, bietet ihre Hilfe an; doch Lindy will die Hilfe nicht annehmen. Schließlich eskaliert die Situation, die Streitereien werden heftiger, Franny sieht an Lucas Spuren von Misshandlungen - bis am Ende Lindy und Lucas gar nicht mehr aus dem Haus kommen. Mutig versucht die ganze Familie Parker zu helfen, doch der brutale Mann schüchtert seine Familie derart ein, dass die Angst sie wie eine Mauer umgibt.

Plötzlich verschwindet Lucas spurlos und mit ihm eine Menge Geld aus dem Supermarkt, wo er gejobbt hat. Franny gelingt es durch heimliche Botschaften und Nahrungspakte in Kontakt mit ihm zu bleiben. Sie weiß nicht wo er ist, nur, dass er in der Nähe ist und dass es ihm gut geht.

Eines nachts brennt die Scheune der Parkers. Franny muss ihre Tiere retten, die dort untergebracht sind und begibt sich dabei in höchster Lebensgefahr - wäre da nicht jemand rechtzeitig aus dem Nichts aufgetaucht, der die ganze Zeit über ganz in ihrer Nähe war...

Der Gewissenskonflikt, ob sie ihr Geheimnis den Erwachsenen anvertrauen kann oder sogar muss, wird für Franny letztlich unerträglich. Darf sie den Eltern und der Polizei von ihrem Wissen um das verschwundene Geld offenbaren? Vieles löst Franny selbst, mit manchem, wie mit der Misshandlung Lucas, kommt sie einfach nicht zurecht und spricht am Ende darüber. Für Franny aber, die aus einer durch und durch liebevollen Familie stammt, ist dies alles so unvorstellbar und bisher fern ihrer Vorstellungskraft, dass sie in diesem Sommer zu ersten Mal begreift, wie unberechenbar die Welt außerhalb ihres bisherigen kindlichen Kosmosses ist. Franny muss im Alleingang lernen, wichtige Entscheidungen zu treffen und abzuwägen, welche Geheimnisse bewahrt werden dürfen und welche besser ausgesprochen werden, um die Menschen, die man liebt, zu beschützen. "Wie die Familie hält auch ein guter Freund zu euch, zieht euch in ein Wohnzimmer voller Lachen oder aus den Flammen, die sich über euch durch die Decke fressen. Und wie in Familien gibt es auch Geheimnisse. Ich habe gelernt, dass es Geheimnisse gibt, die man nicht geheim halten darf. Aber es gibt andere, die man ganz leicht bewahren kann und die einfach kostbar sind..."

Hannah Roberts McKinnon erzählt feinfühlig, bildstark und absolut glaubwürdig von dem Reifeprozess Frannys. Nur einen außergewöhnlich heißen Sommer lang soll es dauern, bis Frannys Blick auf die Welt ein ganz anderer wird. Dieser neue Blick auf die Welt wird keinesfalls entzaubert - dafür steht so manches Gute, das die Menschen für einander tun, das geheimnisvolle Wunder, das die sonst so biederen Damen heraufbeschwüöen, ebenso wie die Magie der ersten Liebe - sondern viel komplexer als sie es je zuvor war. Wie der Baum auf dem Quilt der "emsigen Bienen" wächst Franny an Gutem und an weniger Gutem - sie wird ein Stück erwachsener und die Welt wird ein Stück größer. Sie begreift, als Lucas mit seiner Mutter wieder fortzieht, dass auch Loslassenkönnen ein großer Liebesbeweis ist, vielleicht sogar der größte.

Vom ersten Satz an fesselt die junge amerikanische Autorin mit ihrer warmen, emotionalen Sprache, die sich durch eine beeindruckende Beobachtungsgabe und durch ihre intensiven Wortbilder auszeichnet.

In diesem klugen, vielschichtigen Kinderroman, steckt so viel Leben, dass wir unversehens in Frannys Welt geholt werden. Die Atmosphäre dieses außergewöhnlich heißen Sommers ist geradezu greifbar. Die Charaktere sind wunderbar beschrieben, dass jede noch so kleine Randbemerkung und persönliche Eigenheit der Autorin eine Freude ist.

Trotz der dramatischen Ereignisse wie der Verlust einer alten Obstplantage oder der alten Scheune, die vollkommen vom Feuer vernichtet werden, wie natürlich auch die schreckliche Familienkonstellation um Lucas und die Ermittlungen der Polizei zum Diebstahl im Supermarkt, bleibt Hannah Roberts McKinnon ganz auf Augenhöhe der besonnenen, aufrichtigen Protagonistin. Dadurch entsteht eine unaufgeregte, einfühlsame Erzählweise. Wie auch Franny, aus deren Sicht die Geheimnisse eines Sommers konsequent erzählt werden, bleibt die wunderschöne Erzählung von Hannah Roberts McKinnon jederzeit glaubhaft.

Fazit:

Ein wunderschönes, emotionales und vielschichtiges Kinderbuch, das vom ersten Satz an durch seine starken Bilder und liebenswerten Charaktere fesselt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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