Couch-Wertung:

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Idee
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Idee

Sehr ausgeprägte, sympathische Charaktere. Ernsthaft und humorvoll zugleich. Eine Wildwest-Geschichte die alles hat, was dazu gehört, aber darüber hinaus noch viel mehr zu bieten hat.

Text

Wieland Freunds unbändige Erzählfreude ist jedem seiner knappen und dennoch bildreichen Sätze anzumerken. Dialoge voller Wortwitz, eingebettet in den genauen Beobachtungen des Protagonisten.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2011

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Kinderbuch des Monats [07.2011]. Der zwölfjährige Dave muss eine Menge Geld bis nach Virginia City zu seinem Bruder Stick bringen. Das ist ein langer Weg für einen Jungen, der mit der Postkutsche unterwegs ist. Und er ist gefährlich. Dave wird eines nachts zusammen mit zwei anderen Reisenden von einem einarmigen Banditen überfallen. Obwohl Dave dabei sogar durch einen Streifschuss verletzt wird, ist er fest entschlossen, den einarmigen Banditen dingfest zu machen...

doch das gelingt ihm letztlich nur mit der Hilfe seiner beiden Reisebegleiter. Miss Penny Dreadful und dem windigen Edmund Curry, der auch etwas wieder gut zu machen hat. Schließlich war er es, aus dessen Waffe sich der Schuss löste, der Dave verletzte. Der Sheriff in Silver City macht ihnen nur wenig Hoffnung, den "Einarmigen" zu finden. Der Dieb schlägt immer genau dann zu, wenn die Postkutsche hohe Summen an Spendengeldern transportiert - das legt wiederum nahe, dass der einarmige Bandit einen Informanten hat. Doch ein Mann, dem ein Arm fehlt, der muss doch irgendwie zu finden sein, denkt Dave ganz richtig und ist zunächst voller Hoffnung. Schließlich muss er um jeden Preis das Geld zurück bekommen. Nicht unbedingt wegen seines Bruders Stick, der darauf wartet, um irgendwelche windigen Geschäfte in den Silberminen abzuwickeln, sondern wegen seiner verstorbenen Eltern, die hart für das Geld gearbeitet haben.

Findig und wortgewandt wie Edmund Curry ist, erhält der selbsternannte Schriftsteller schnell Anstellung bei dem dortigen, etwas traurigen Tageblättchen "Argent News". Als Gegenleistung kommen die drei in den Räumen der Zeitung unter. Als eines Tages der Karfunkel-Stein von Penny Dreadful wieder auftaucht, der ihr während des Überfalls gestohlen wurde, haben die drei Freunde endlich eine heiße Spur. Doch diese führt sie in höchste Gefahr - da heißt es, nicht nur mutig zu sein sondern auch clever. Doch Glück haben die drei auch, oder besser gesagt: Schwein.

Die Rolle des unbekümmerten Edmund Curry, der gerne etwas schwindelt und immer für eine spannende Geschichte gut ist, scheint die eines wahren Schriftstellers zu sein - und fast möchte man glauben, Freund habe sich selbst mit dieser Figur ein wenig in die Geschichte gemogelt. Wie für Wieland Freund typisch, und wohl bestens bekannt aus "Törtel, die Schildkröte aus dem McGrün", erschafft der findige und humorvolle Autor sehr ausgeprägte, sympathische Charaktere. Und wieder einmal sind sie ihm in "Falsches Spiel in Silver City" auf den Punkt gelungen. Genauso mögen es die Jungs: ein sympathischer Luftikus, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen und das Herz am rechten Fleck hat, eine junge, hübsche und fürsorgliche Frau, die stolz und mutig ihren Weg geht und sich auch nicht davor scheut, den Männern klar zu zeigen, wo es lang geht. Dazu noch ein kauziger Chefredakteur, der die schrullige Angewohnheit hat, seinen Melonen-Hut auf den Kopf zu pfropfen, sowie der vom Leben enttäuschte Silbergräber Boggs und nicht zu vergessen der hartgesottene Arzt Silver Citys, der meist zu Unzeiten gerufen wird.

Aus der Erzählerperspektive bleibt Wieland Freund ganz in Daves Gedankenwelt und bei dessen subjektiven Eindrücken. Besonders Jungs, die ab einem gewissen Alter lieber Dinge mit sich selbst ausmachen wollen, statt Schwäche zu zeigen, können Dave in seinem Zwiespalt nur allzu gut verstehen. Freund schildert, welche Konflikte im Inneren des Zwölfjährigen schwelen, bis sich der Junge endlich den beiden erwachsenen Freunden anvertraut. Freilich haben die gleich gemerkt, dass mit der Geschichte etwas nicht stimmt, die Dave ihnen im Sheriff-Büro aufgetischt hat. Doch das behalten die beiden erst für sich, so dass die Leser es erst erfahren, als es auch Dave siedend heiß einfällt und entsprechend abwehrend auf die Hilfsversuche reagiert. Das ist auch etwas, das Wieland Freund sehr gut beherrscht; obwohl er so manches Mal die Dinge ziemlich verschmitzt darstellt, beweist er ein sehr hohes Maß an Einfühlungsvermögen und ein sicheres Gespür dafür, wie seine Darsteller im "wirklichen Leben" agieren würden. Dies erzeugt eine unwiderstehliche Mischung - gerade für Jungs, die mit "Falsches Spiel in Silver City" eine durchweg gelungene Neuerscheinung unter den klassischen Abenteuergeschichten hinzu gewinnen.

Und auch wenn Freund wirklich alle Klischees des Wilden Westens mit seiner Gold- bzw. Silbergräberstimmung bedient, (bestimmt nicht ganz ohne Augenzwinkern) gelingt es ihm, diese auf seine ganz eigene Art zu interpretieren und in Szene zu setzen. Vom Postkutschenraub bis hin zur Saloonprügelei ist wirklich alles dabei, was die Herzen der Jungs höher schlagen lässt, ohne allzu brutal oder abstoßend zu wirken - obwohl Freund keineswegs mit wirklich lebhaften Beschreibungen der manchmal gar nicht appetitlichen Zeitgenossen spart.

Wieland Freunds Schauplätze sind prägnant beschrieben und die Atmosphäre - die dunkle, staubige Postkutsche, die drückende Hitze und die baufälligen Hütten - vermittelt er in kurzen Sätzen, aber mit um so intensiveren Wortbildern. Seine Dialoge voller Wortwitz, und eingebettet in den wunderbar genauen Beobachtungen von Dave, machen die Erzählung erst richtig lebendig. Dabei baut Freund von Anfang an einen raffinierten Spannungsbogen auf. Erst nach und nach erklärt er in kurzen Rückblenden, was den Zwölfjährigen dazu gebracht hat, mit 322 Dollar allein durch die Wüste zu reisen, um schließlich mit dem Postkutschenraub eine echte Verbrecherjagd (natürlich auf Augenhöhe mit seinen Lesern) zu beginnen. Dabei achtet Freund stets darauf, dass die Geschichte glaubhaft bleibt und weiß am Ende doch auf so vielfältige Weise zu überraschen.

Fazit:

Von der ersten Seite an fesselt Wieland Freund seine jungen Leser mit intensiven Momentaufnahmen, Rückblenden und Details, die einfach neugierig machen - und ehe man es sich versieht, steckt man in der herrlichsten Wildwest-Geschichte, die sich ein 10-jähriger Junge aktuell nur wünschen kann.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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