Der kleine Hirte und der große Räuber

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Kinderbuch Couch
90%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonDez 2011

Idee

Schenken und beschenkt werden – die Weihnachtsgeschichte plus Rahmenhandlung wird sehr ansprechend und mit viel Tiefgang erzählt.

Bilder

Wunderbare großflächige Bilder in angenehmer Farbwahl illustrieren die Handlung und geben den Figuren eine Persönlichkeit.

Text

Kurze und prägnante Textpassagen schildern stringent und sehr anschaulich den Handlungsverlauf.

[ab 5 Jahren]

Ein kleiner Hirtenjunge und ein großer Räuber begeben sich unbeabsichtigt gemeinsam auf eine große Reise, an deren Ende ihnen ein Wunder widerfährt.

Als ein kleiner Hirte von der Geburt des Gottessohnes erfährt, schnürt er sofort sein Bündel und macht sich auf den Weg nach Bethlehem. Eine Decke, einen Krug Milch, Schinken und Brot möchte er dem göttlichen Kind als Geschenk bringen. Einem großer Räuber, der in der Gegend wohnt, bleiben die Gesänge und die Geschäftigkeit ringsumher nicht verborgen, jedoch kennt er den Anlass nicht. Verbittert darüber, beschließt er, zu rauben, was er rauben kann. So pirscht er sich an den langen Zug der Hirten heran und entdeckt den kleinen Hirten als letzten in der Reihe - ein gefundenes Opfer für ihn. Doch da kommt der kleine Hirte an einem frierenden alten Mann vorbei und schenkt ihm die Decke. Den Krug mit der Milch gibt er kurz darauf einem durstigen Mädchen. Der Räuber wird immer erboster darüber, dass der kleine Hirte alles verschenkt und beschließt, ihn gleich zu überfallen. Doch als er mit einem großen Satz auf ihn zu springt, erwartet der kleine Hirte ihn schon, denn den laut knurrenden Magen des Räubers hatte er schon lange gehört. Also schenkt er ihm den Schinken und das Brot. Doch der Hirte ist etwas traurig, dass er nun mit leeren Händen vor den Gottessohn treten muss, will ihn jedoch auf jeden Fall begrüßen. Er erzählt dem Räuber von seinem Vorhaben und lädt ihn ein, mitzukommen. Dieser denkt sofort daran, dass sicher viele Reiche versammelt sein werden, die er berauben könnte. Also schließt er sich dem kleinen Hirten an. Umso erstaunter ist er, als sie in Bethlehem ankommen und vor einem Stall stehen, in dem in einer Krippe mit nur ein bisschen Stroh das göttliche Kind liegt. Da schämt der Räuber sich, dass er diesem Kind Brot und Schinken weg gegessen hat. Und als Maria den Räuber anlächelt, ist er ganz verwirrt - denn das alles gehört sich doch nicht für einen Räuber! Und als Maria ihm mitteilt, dass er doch ein großer Hirte sein könnte, da ist dem Räuber klar, was er ab nun kein großer Räuber mehr ist.

Bereits 1984 erschien die Erzählung "Der kleine Hirte und der große Räuber" von Lene Mayer-Skumanz und wurde seitdem nicht nur vielfach gelesen, sondern auch häufig als Theaterstück mit einer etwas anderen Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Nun wurde die immer noch aktuelle Erzählung passend zur Weihnachtszeit vom Sauerländer-Verlag neu aufgelegt und dafür von Constanze von Kitzing neu illustriert.

Die darin erzählte Geschichte von der Wandlung eines bösen Räubers hin zu einem guten Hirten, allein durch die Begegnung mit Gottes Sohn, steht dabei exemplarisch für die vielen Geschichten über göttliche Taten und Begegnungen. Jedoch können gerade Kinder durch die Wahl eines Räubers als Hauptfigur die Tragweite seiner Veränderung besonders gut nachvollziehen. Denn Räuber sind in der Kinderliteratur allgegenwärtig, angefangen bei den Bremer Stadtmusikanten bis hin zu Räuber Hotzenplotz. Und sie sind klar mit negativen Eigenschaften besetzt: Räuber sind grob und ungehobelt, hauen und prügeln sich und nehmen anderen etwas weg.

Dem gegenüber steht der kleine gutherzige Hirtenjunge, der rein und voller Glauben an das Gute im Menschen loszieht, um Gottes Sohn zu begrüßen und auf dem Weg dorthin gute Taten vollbringt. Das Vertrauen, welches er in das Gute im Menschen hat, spiegelt sich besonders in seiner Begegnung mit dem Räuber wieder: völlig ohne Argwohn tritt er ihm gegenüber und gibt ihm freiwillig, was der Räuber eigentlich zu stehlen beabsichtigt hatte. Als dieses so ungleiche Paar - groß und klein, stark und schmächtig, böse und gutherzig - dann mit völlig unterschiedlichen Absichten in den Stall in Bethlehem tritt, erfahren trotzdem beide gleichermaßen die Größe von Gottes Sohn und kehren reich beschenkt wieder in ihre Heimat zurück. Die kontinuierlich aufgebaute Spannung entlädt sich somit elegant in einem sanften und beruhigenden Ausgang, der jedes Kind mit Vertrauen und Zuversicht in das Leben erfüllt.

Constanze von Kitzing unterlegt dieser poetischen und zeitlosen Erzählung schlichte und zeitgemäße Illustrationen. Große Farbflächen voller Strahlkraft illustrieren den Handlungsfortgang, verstärken die durch den Text erzeugte Atmosphäre und den Charme der Erzählung. Einzig der große Räuber sticht als überwiegend schwarze Farbfläche aus den ansonsten warmen und gedeckten Farben heraus und unterscheidet sich so auch rein äußerlich von den anderen dargestellten Personen. Ebenso zeitgemäß wie die Illustrationen ist auch der Erzählstil: geradlinig und mit viel wörtlicher Rede wird die Handlung stringent entwickelt, ohne die kleinen Zuhörer damit zu überfordern. Lene Mayer-Skumanz liefert immer gerade so viele Informationen, wie für das Verständnis nötig sind und verzichtet auf weitschweifige Erzählbögen. Dennoch wirkt die Geschichte nicht kühl aneinander gereiht, sondern überzeugt durch einen warmherzigen und liebevollen Stil.

Fazit:

Ein wunderbares Buch zur stets aktuellen Thematik Schenken und beschenkt werden, das Kindern die ideellen Werte des Schenkens spielerisch und im Kontext der Weihnachtsgeschichte vor Augen führt.

Claudia Goldammer

 

Der kleine Hirte und der große Räuber

Lene Mayer-Skumanz, Sauerländer

Der kleine Hirte und der große Räuber

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