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Idee
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Die tapfere Lila ist sehr klug und hat Humor, aus ihrer Perspektive schildert die Autorin ihre Erlebnisse und Empfindungen in einer vollkommen unvorhersehbaren Situation.

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Die dichte Erzählweise und die klaren, treffenden Worte geben die Eindrücke der Protagonistin gut wieder und stellen so eine Nähe her, die auf Anhieb fesselt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2012

Plötzlich verschwindet Lilas Mutter. Auf abenteuerliche Weise landet Lila in "Feuerland" wo alle gestrandeten Kinder in Banden zusammenleben und um das tägliche Überleben kämpfen. Dabei muss Lila nicht nur erfahren, dass sie eine von vielen Kindern ist sondern auch, dass das alles System hat...

Lila lebt zusammen mit ihrer Mutter. Sie ist schon recht selbständig, denn ihre Mutter arbeitet den ganzen Tag in einer Fabrik, die Rohre herstellt. Eigentlich geht es Lila gut. Doch sie vermisst ihren Vater. Von ihrer Mutter erfährt sie nichts über ihn und so kommt es, dass sie den geheimnisvollen Mann, der sie beobachtet, für ihren Vater hält. Etwa zur gleichen Zeit merkt Lila, dass ihre Mutter immer fahriger und unaufmerksamer wird, doch Lila stellt keinen direkten Zusammenhang zu dem geheimnisvollen Fremden her - noch nicht. Eines Tages ist Lilas Mutter verschwunden. Sie kehrt einfach nicht nach Hause zurück. Lila wartet den ganzen Abend, die ganze Nacht, geht am nächsten Morgen wie gewohnt zur Schule und hofft, dass sich die Sache irgendwie aufklärt. Lilas Lehrerin merkt dem Mädchen an, dass etwas nicht stimmt und dann geht alles ganz schnell. Der Schuldirektor ruft das Jugendamt an und die beiden Beamten nehmen Lila mit. Da sich niemand findet, der Lila aufnehmen will oder kann, soll sie in ein Heim. Doch da taucht plötzlich eine Tante von Lila auf. Lila ist verwirrt, denn bisher wusste sie noch nicht, dass sie überhaupt eine Tante hat! Bella, so der Name der durchsetzungsstarken Person, nimmt Lila mit sich; bevor die Beamten merken, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Bei Bella angekommen, die in einem windschiefen, total verbauten Haus mitten auf dem Land wohnt, erfährt Lila, dass Bella angeblich eine gute Freundin ihrer Mutter ist und dass sie sie gebeten habe, Lila zu sich zu nehmen. Ihre Mutter habe plötzlich verschwinden müssen, so Bellas Erklärungen. Doch irgendetwas stimmt nicht, das spürt Lila sofort. Sie findet das Tiefkühlessen, von dem sie immer müde wird, eklig. Den zwergenhaften Fahrer Bertel, der das Tiefkühlessen bringt, höchst eigenartig und ihre angebliche Tante sehr verdächtig. Was macht Bella im Keller, wo Lila nicht hin darf? Was ist in dem Karton, den sie Bertel heimlich mitgibt? Lila findet heraus, dass Bella Schneekugeln herstellt; sehr schöne, aber auch sehr eigenartige. In einer ist Lila selbst, ihre Mutter und ihr Vater zu sehen.

Um ihre Mutter zu suchen, versteckt sich Lila im Ladebereich des Tiefkühllasters. Sie steigt ausversehen im abgeriegelten Hof eines der vielen Kinderheime aus, die plötzlich wie Pilze aus dem Boden sprießen, und kann sich mit viel Glück wieder in die Freiheit retten. Als sie mit ihrem wenigen Geld, das ihr noch geblieben ist, im Supermarkt etwas zu essen kaufen will, wird sie angefeindet und verdächtigt, eines der streunenden Kinder zu sein, die die Gegend unsicher machen. Lila versteht die Welt nicht mehr.

Snoop, ein Junge aus einer Straßengang, nimmt Lila mit nach "Feuerland" in das Hauptquartier der Kinderbande. "Feuerland", das sind all die verlassenen Randbezirke der Großstädte, wo niemand mehr nach dem Rechten sieht, wo es keinen Strom und kein fließendes Wasser gibt und schon gar keine Heizung. Die Menschen die dort leben, vor allem die Kinder, müssen irgendwie Nahrung finden um zu überleben. Doch anders als die vielen anderen Kinder, die bereits aufgegeben haben, will Lila um jeden Preis ihre Mutter finden. Die Schneekugel, die sie auf ihrer Flucht mitgenommen hat, ist dabei ein wichtiger Hinweis. Auf abenteuerliche Weise gelingt es den Kindern - zusammen mit dem "Gehirn" und mithilfe kluger Manöver - das Überwachungssystem der Polizei zu unterwandern. Doch da erfahren sie, dass Bella verhaftet wurde. Um Lilas Mutter zu finden, müssen sie unbedingt Bella befreien und das verlangt einen perfekt funktionierenden Plan...

Susanne Fischers Kinderroman "Der Aufstand der Kinder" mag sich in einer vielleicht nicht allzu fernen Zukunft abspielen. In einem Staat, in dem es nicht mehr so viel Lebensmittel und Rohstoffe gibt, dass alle gut leben können. Oder, besser gesagt, dass die Reichen weiterhin im Überfluss leben können. Denn genau das, der allgegenwärtige Überfluss, wird in den Zentren der Großstädte vorgespiegelt. Die Wohlhabenden ahnen nichts vom dem gefährlichen Prozess, bei dem immer mehr Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen und in die Randbezirke der Städte verdrängt werden. Die Kinder dieser Menschen werden in die vielen Kinderheime eingesperrt und mit dem ungenießbaren Tiefkühlessen ruhig gestellt.

Susanne Fischer beginnt ihren Roman mit einem recht unbeschwerten Ton. Fast schon erwartet man einen Fantasy-Roman, so wie sie das verwunschene Haus Bellas mit ihren vielen eigenwilligen Tieren beschreibt. Aber dann trifft die Wendung den Leser ebenso unvermittelt wie die Protagonistin selbst. Als Lila sich plötzlich noch nicht einmal mehr am Rand der Gesellschaft wiederfindet, sondern bereits außerhalb, ändert sich der Ton und er wird ernster und nachdenklicher.

Die Welt voller Müll und behelfsmäßiger Unterkünfte, in der nachts draußen die Feuer brennen, damit es nicht ganz finster ist, ist voller Fallstricke und Lila lernt, genau hinzuschauen. Wie echte Widerstandskämpfer kennen die Kinder die Schlupflöcher, die ungefährlichen Aufenthaltsorte und die richtigen Kontaktpersonen. Sie wissen, wie man sich unsichtbar macht, wenn eine Patrouille vorbei kommt und lernen, die Umgebung immer wachsam im Auge zu behalten.

Die genauen politischen Umstände, die zu der massiven Ausgrenzung ganzer Gesellschaftsschichten führt, bleiben in Susanne Fischers Kinderroman vage. Ganz konkret geht es aber um einen Polizeipräsidenten, der mit illegalen Waffenproduktionen die unliebsamen "Feuerländer" loswerden möchte. Die Innenstädte sind abgeriegelt, ebenso sie Wohngebiete der Reichen. Ganz aus der Perspektive von Lila erleben die Leser die Odyssee des Mädchens, das sich unter den vollkommen fremden Lebensbedingungen zurechtfinden muss. Dabei wendet Lilas Verstand einen Trick an, der ihr hilft, keinen tieferen seelischen Schaden zu nehmen. Denn da, wo ihr der Mut fehlt, ergreift eine freche Lila die Initiative und lässt sie auch die schwierigsten Situationen heil überstehen. Nicht immer bekommt Lila das lose Mundwerk dieses Teils in ihr unter Kontrolle. Gleichzeitig ist das auch ein guter erzählerischer Kniff der Autorin, damit es gerade in bedrohlichen Momenten nicht allzu bedrückend für ihre Leser wird. Denn wenn die auf "Krawall gebürstete" Lila laut wird, kommt es meist zu einem schlagfertigen und humorvollen Schlagabtausch - mit sich selbst und ihrem Gegenüber.

Sehr dicht und spannend schildert Susanne Fischer das so andere Leben der Kinder. Dabei achtet sie sehr darauf, auch immer wieder herzliche und komische Begegnungen mit ihren liebenswerten Charakteren einzubringen. Sie versteht es, echten Nervenkitzel aufzubauen und durchbricht gleichzeitig die Anspannung, indem sie die Widersacher ziemlich dumm aussehen lässt. Die detaillierten Betrachtungen und Überlegungen Lilas, die Susanne Fischer im Wechsel mit lebendigen und Dialogen einbringt, können junge Leser ab 10 Jahren gut nachvollziehen.

Fazit:

Susanne Fischers Kinderroman "Der Aufstand der Kinder" hat einen ebenso unerwarteten wie spannenden Verlauf, der seine Leser nicht mehr so schnell loslassen wird. Klug und umsichtig verbindet Susanne Fischer gesellschaftspolitische Zukunftsszenarien mit einem spannenden Abenteuer, in dem junge Widerstandskämpfer die unbestreitbaren Helden sind.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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