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Humorvolles Geplauder eines selbsternannten Superhelden, der mit so mancher Katastrophe fertig werden muss. Ein kurzweiliges Buch für Jungs.

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Die Cartoons von Jörg Mühle setzen so manchen wirren Gedanken des Superhelden witzig in Szene.

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Die Sprache ist witzig, abwechslungsreich und wirkt authentisch – sehr einfallsreich, wenn es darum geht die Superhelden-Missgeschicke positiv zu umschreiben.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2012

Das "Gehirn", alias Sebastian Traugott von Nervköter, berichtet aus seinem haarsträubenden Alltag und untermauert dies mit aussagekräftigen Cartoons. Von familiären Katastrophen, wie der Besuch von Erbtante Hella, bis hin zum knallharten Kriminalfall, in dem ausgerechnet der stellvertretende Direktor Dr. Knarz verwickelt ist, hat das "Gehirn" so manche Anekdote zu bieten...

Sebastian, das "Gehirn, Barbara "Action-Bärbel" und "Das Chamäleon" Martin, sind "Die unglaublichen Dreieinhalb". Das halbe Mitglied ist der unsichtbare Freund Martins, Dieter "Der Hosenscheißer", der es bei brenzligen Entscheidungen immer mit der Angst zu tun bekommt. Mehr als einen halben Stimmanteil bekommt Dieter nicht, denn "Action-Bärbel" und "Das Gehirn" können Dieter nicht einmal hören, geschweige denn sehen. Mit selbst zusammengestellten Kostümen, aus Sportleggins, Badehosen, Zorro-Masken und Umhängen aus Abendkleidern machen sich die drei auf, ihrer Lehrerin, Frau Daffodil, zu helfen.

Dabei sind die Aufzeichnungen Sebastians natürlich streng geheim. Aber da sein Psychologe es sehr wichtig findet, dass er seine Gedanken sortiert - da er zwar alles behält, was er sieht, aber stets im falschen Zusammenhang bringt - schreibt Sebastian seine total geheimen Erlebnisse auf. Um diese auch eindrucksvoll zu übermitteln, mitsamt allem, was ihm halt so in den Sinn kommt, bebildert er das Ganze mit zahlreichen Cartoons.

Dabei spielt sich das "Drama" auf zwei Ebenen ab, denn zum Einen muss unbedingt Frau Daffodil gerettet werden, die durch die ständigen Diebstähle in ihrer Klasse unter Druck gerät. Besonders unter dem Druck des stellvertretenden Direktors Dr. Knarz, der die Klasse in Physik unterrichtet und die gesamte 6 a hasst. Knarz stellt dabei die Situation so hin, dass Frau Daffodil nicht in der Lage sei, etwas gegen die Diebstähle zu unternehmen. Vor dem Hintergrund, dass eine Lehrerstelle gestrichen werden soll, wissen die dreieinhalb Superhelden, dass sie etwas unternehmen müssen. Denn ein Schulleben ohne ihre Frau Daffodil ist nicht vorstellbar.

Gleichzeitig kündigt sich zu Hause eine wahre Katastrophe an. Tante Hella meldet sich ein Jahr zu früh zu den Feierlichkeiten ihres Geburtstages an - eigentlich wäre seine Familie noch gar nicht dran gewesen. Doch Sebastian weiß: Tante Hella futtert nicht nur Unmengen in sich rein, sie verlangt auch noch eine sehr gute Show zu ihrem Geburtstag.

So muss "Das Gehirn" morgens um fünf Uhr schon die absurdesten Kostüme anprobieren, um bei der großen Vorstellung doch nur als lebendiges Bühnenbild im Hintergrund rumzustehen. Das Hauptquartier -sein Zimmer- muss er auch verlassen und im Arbeitszimmer seiner Mutter nächtigen.

Er zeigt dabei gute Miene zum grausamen Spiel, denn gleichzeitig muss der Dieb in der Schule gestellt werden. Der erste Plan, sich in der Klasse zu verstecken und den Dieb auf frischer Tat zu ertappen, schlägt auf ganzer Linie fehl. Auch das farbige Markieren aller Gegenstände im Klassenraum der 6 a, mitsamt dem Farbeimer über Tür, wird zu einem Desaster. Zudem wurde der arme Klassenhamster "Machmawas" vollkommen umsonst in Tarnfarben eingesprüht. Das einzig Gute: Dr. Knarz bekommt den Farbeimer auf den Kopf, den Sebastian eigentlich rechtzeitig am Morgen entfernen wollte, wäre er nach den anstrengenden Kostümproben nicht wieder eingeschlafen. Mit dem Belauschen der 6 b klappt es da schon besser, denn "Das Chamäleon" ist wirklich so unscheinbar, dass er keinem auffällt, selbst wenn er direkt hinter einem steht. Nach den neugewonnen Informationen steckt sogar Dr. Knarz hinter den Diebstählen und natürlich die üblichen Verdächtigen...

Der in Köln lebende Autor Frank Schmeißer arbeitet bereits seit Jahren als renommierter Drehbuchautor u.a. für "TV Total", Ralf Schmitz oder die "Wochenshow". In seinem Kinderbuch-Debüt "Schurken überall" liefert er Jungs ab 10 Jahren reichlich Unterhaltsames und Schräges. Unterstützt werden die Ereignisse von den Illustrationen aus der Feder von Jörg Mühle, der auf pointierte Weise die Geschehnisse aufs Korn nimmt - auch das, was Sebastian "Das Gehirn" sich in seinem Kopf so ausmalt, und das dürfte den Humor der Zielgruppe natürlich besonders treffen.

Schmeißers Sprache, mit der er Sebastian seine Stimme leiht und in der Ich-Form durch sein turbulent-komisches Leben führt, ist witzig, abwechslungsreich und auf eine fast herausfordende Weise stur. Denn natürlich erkennen die Leser, dass die Ideen, die die drei da ausbrüten, alles andere als zielführend sind. Und so kann man nur staunen, wie die drei fröhlich in das absehbare Desaster schlittern. Sebastian schildert all das mit seinem Superhelden-Jargon und stellt auch die dümmste Panne als dramatischen Rückschlag dar. Manchmal scheint es, als wären Sebastian und seine Superhelden Crew etwas weltfremd. Auch kann man sich durchaus fragen, ob drei ca. 12-jährige Sechstklässler wirklich so chaotisch und naiv sein können. Aber so in ihrem Heldentum versunken, ist es natürlich Ehrensache, die Dinge nicht so ernst zu nehmen. Und immerhin: Es sind "die streng geheimen, ultrawahren Aufzeichnungen" eines selbsternannten Superhelden und nicht das total ehrliche und wahre Tagebuch eines zwölfjährigen Jungen. Dem Spaß tut das auf keinen Fall einen Abbruch, im Gegenteil, denn wie sonst sollte man von solch lustigen Katastrophen erzählen können?

Am Ende lässt unser Held, Sebastian "Das Gehirn", etwas offen, ob sich die Unglaublichen Dreieinhalb auflösen werden. Doch wie wir wissen, gibt es bereits den zweiten Band der dreieinhalb Superhelden. Mit dem Titel "Schurken am Ball" setzt Frank Schmeißer die haarsträubenden Abenteuer fort. Im nächsten Band müssen die Dreieinhalb ein Fußballspiel gegen die größten Schurken überhaupt bestehen - von wegen Freundschaftsspiel!

Fazit:

Mit dem humorvollen Geplauder seines selbsternannten Superhelden weiß Autor Frank Schmeißer Jungs ab 10 Jahren gut zu unterhalten. Dabei treibt er es gerne auf die Spitze, doch sein Held Sebastian alias "Das Gehirn", nimmt sich zum Glück selbst nicht so ernst. Die humorvollen Cartoons von Jörg Mühle zeigen, was sich im Inneren des "Gehirns" so abspielt und zielen direkt auf die Lachmuskeln der anvisierten Zielgruppe.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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