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Idee

Ein spannendes Urlaubsabenteuer in den Tiefen des Dschungels Guatemalas. In den Hauptrollen: ein Zwillingspaar mit vertauschter Rollenverteilung.

Bilder

Die Illustrationen von Heribert Schulmeyer gliedern sich hervorragend in die Handlung ein. Sie zeigen kindlich anmutende Zeichnungen mit jeweils mit ganz eigener Note für Johns und Leas Sichtweise.

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Überzeugend durch unterschiedliche Sprachstile : Spannender Erzähltext, in dem auch Gefühle gut herausgearbeitet werden, sowie lexikonartige Texte aus den Expeditionstagebüchern der Zwillinge.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Aug 2012

[ab 9 Jahren]

In diesem Jahr verbringen die Zwillinge Lea und John ihre Sommerferien mal ganz anders als sonst. Sie fliegen für zwei Wochen in den Dschungel Guatemalas, um ihre Eltern bei der Arbeit zu beobachten. Lea ist schon ganz begeistert. Aber John kann dem ganzen Vorhaben so gar nichts abgewinnen. Ohne vernünftiges Dach über dem Kopf, mitten unter wilden Tieren zu campen, scheint ihm weniger ein Abenteuer zu sein als glatter Selbstmord. Und ganz so falsch liegt er damit gar nicht...

Die Zwillinge Lea und John wohnen mit ihrer Oma auf einem ungewöhnlichen Bauernhof. Denn hier hausen weder Schweine noch Kühe, sondern Zebras, Antilopen Erdmännchen und südamerikanische Meerschweinchen. Ihr Opa hatte vorgehabt, ein Restaurant mit exotischen Delikatessen zu eröffnen, aber niemand wollte die niedlichen Vierbeiner essen. Die Tiere blieben trotzdem, auch nach seinem Tod.

Die Eltern von John und Lea sind Biologen und den Großteil des Jahres ohne ihre Kinder in den entlegensten Winkeln der Erde unterwegs, um neue Tierarten zu entdecken. Dadurch fühlen sich die Zwillinge oft vernachlässigt und vermissen ihre Eltern. Doch diesen Sommer ist alles anders. Oma taucht eines Tages mit einen Brief in der Hand am Fuße von Leas und Johns geheimen Baumhaus auf. Darin stecken Flugtickets nach Guatemala City, zwei Reisetagebücher und eine Einladung, die Ferien mit den Eltern im Dschungel zu verbringen.

Beide Kinder sind ganz begeistert davon, ihre Eltern endlich wieder zusehen. Doch während sich Lea schon sehr auf den Aufenthalt in Guatemala freut, und erste Eintragungen über das Land in ihrem Expeditionstagebuch macht, ist John von dem Gedanken, sein gemütliches Bett gegen ein moskitoverseuchtes Zelt einzutauschen, gar nicht begeistert. Er liebt die Sicherheit und Ruhe ihres Baumhauses und taucht dort mit seinen Büchern gerne in andere Welten ab, für reale Abenteuer hat er dagegen nicht viel übrig.

Nach ausführlichen Reisevorbereitungen mit Oma und einem langen Flug können John und Lea ihre Eltern in Guatemala City endlich wieder in die Arme schließen. Eine mehrstündige Autofahrt und einen beschwerlichen Fußmarsch durch den Dschungel trennen die Zwillinge noch von ihrem Sommercamp. Von dem kleinen Indiodorf aus suchen die Eltern nun schon seit mehreren Monaten den Orchideensalamander, eine bunt schillernde Exe, um als erste Wissenschaftler ein Foto von ihm zu schießen.

Lea und John leben sich schnell ein, doch die Urlaubsidylle ist bald vorbei, als sie eines Morgens aufwachen und das ganze Lager wie ausgestorben ist. Nur Pablo ist noch da, ein Junge der sich im Urwald auskennt und den Eltern der Zwillinge bei ihrer Arbeit hilft. Gemeinsam mit ihm machen sich Lea und John auf die Suche nach ihren Eltern. Dabei begegnen sie gefährlichen und giftigen Tieren, skrupellosen Goldschürfern, verrückten Mayakultanhängern und erfahren einiges über das Geheimnis des Orchideensalamanders.

In Rüdiger Bertrams Feriengeschichte erlebt man ein spannendes Abenteuer, dass durch unterschiedliche Aspekte der Erzählkunst abwechslungsreich gestaltet wird. Zunächst bringt eine gehörige Portion Exotik eine gewisse Abwechslung zu anderen Kinderbüchern. Und das schon zu Beginn im sicheren Zuhause der Kinder. Das Leben auf einem Bauernhof mit Zebras und Antilopen, das für Lea und John einfach nur Alltag bedeutet, ist für den jungen Leser bereits wie ein spannender Ausflug in den Zoo. Und bald schon steigen die Zwillinge alleine in ein Flugzeug und begeben sich auf eine Reise außerhalb der Zivilisation ins ungewisse und gefährliche Dschungelleben. Hier wird Lust auf fremde Länder, Neues und Unbekanntes geweckt.

Gelungen ist auch das Spiel mit verschiedenen Texttypen. Die eigentliche Handlung ist in klarem Schreibstil verfasst, gespickt mit kindlicher Ironie und einem schönen Spannungsbogen. Als besonderes Element ist der Text durchzogen mit Einträgen aus Leas und Johns Tagebuch, wobei diese Grundverschieden sind. Leas Einträge zeichnen sich durch wissenschaftliche Präzision aus. Ihre Texte sind sachlich und nüchtern und enthalten immer eine Warnung, wann Vorsicht geboten ist. Die entsprechenden Illustrationen haben eine feine Linienführung und sind realitätsnah. Johns Texte dagegen haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Sehr fantasiereich zieht er seine eigenen Schlüsse aus dem Erleben und berichtet von gefährlichen Fabelwesen aus dem Dschungel, wie etwa dem Langschwanzwaffenaffen, dem Gehirnschlürfer oder dem Nachtrattenriesennager. Jede seiner Eintragungen ist mit einem Risikofaktor versehen der zwischen 1 und 5 Totenköpfen zeigt. Seine Zeichnungen sind meist krakelig und sehen gefährlich aus. Die Mischung aus diesen verschiedenen Stilen gibt der Geschichte eine besondere Note und sorgt für abwechslungsreichen Lesespaß.

Der Fluch des Salamanders fällt zusätzlich durch eine ungewöhnliche Verteilung der Geschlechterklischees auf. Lea ist die mutigere von den Zwillingen. Sie ist abenteuerlustig und geht mit wissenschaftlicher Neugier an Unbekanntes heran. John hingegen ist eher der vorsichtige Typ, der Neuem gegenüber skeptisch ist. Diese Rollenverteilung ist sehr amüsant und wird am Ende doch noch einmal verdreht, als der Beschützerinstinkt in John aufkeimt, weil seine Schwester in Gefahr gerät.

Beiden ist jedoch gemein, dass sie ihre Eltern vermissen und sich von ihnen vernachlässigt fühlen. John denkt sich immer wieder wilde Geschichten aus, warum ihre Eltern nicht da sind, weil er nicht akzeptieren kann, dass sie ihre Kinder freiwillig für ein paar blöde Tiere so lange im Stich lassen. Zum Beispiel erzählt er, seine Eltern seien von einer Geheimorganisation entführt worden. Lea versucht vernünftig mit der Situation umzugehen, und argumentiert mit der Wichtigkeit der Wissenschaft. Doch die Einsamkeit und das Gefühl des Verlassenseins kann sie auch nicht wirklich unterdrücken. Der junge Leser, sowohl Jungen als auch Mädchen, können sich hier gut in die Zwillinge hineinversetzen. Doch diese Problematik wird jedoch nicht wirklich gelöst. Denn auch wenn sich die vier auf ihrem gemeinsamen Abenteuer wieder sehr nahe kommen, sind die Eltern doch bald wieder unterwegs auf der Suche nach neuen unbekannten Tierarten.

Abschließend lässt sich festhalten, dass der Fluch des Salamanders mit großer Schrift, vielen Bildern und einer überschaubaren Seitenzahl von 150 Seiten auch für Kinder, die etwas weniger Leseerfahrung haben, sehr gut geeignet ist. Leseratten werden das Buch in kürzester Zeit verschlingen.

Fazit:

Der Fluch des Salamanders ist eine facettenreiche Geschichte mit abenteuerlichen, emotionalen und lehrreichen Aspekten. Durch das Spielen mit unterschiedlichen Elementen entsteht eine abwechslungsreiche und spannende Urlaubserzählung die im Reisegepäck junger Abenteurer nicht fehlen sollte.

Anna Fleckenstein

 

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