Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Lebendige, liebenswerte Charaktere, die in einer ebenso lebendigen und zeitgemäßen Geschichte ihren Weg suchen und finden.

Bilder

Einband und s/w - Illustrationen von Daniel Napp, der sehr treffend die „Highlights“ der Geschichte einfängt.

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Tanya Lieskes Sprache ist abwechslungsreich, feinfühlig und fantasievoll, so dass die auch komlexe Dinge und Gefühle, gut verständlich vermittelt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Aug 2012

Salila und ihre Oma Henriette leben ein ungewöhnliches, aber glückliches Leben. Während die Oma mit "Killerblick" alles im Griff hat und alles reparieren kann, ist Salila Klassenbeste. Auch wenn Salila nur Mehmet zum Freund hat: auf ihrem Hof, in ihrer Kastanie neben Omas kleiner Werkstatt, hat sie alles, was ihr Herz begehrt. Doch dann sollen Oma und Salila plötzlich aus dem Haus ausziehen...

Salila, deren Mutter bei ihrer Geburt starb, lebt bei ihrer Oma Henriette. Die weitgereiste, patente Frau ist mit ihrer Enkeltochter sesshaft geworden und lebt seitdem in der gleichen Wohnung in der auch sie selbst und Salilas Mutter herangewachsen sind. Enkelin und Großmutter sind eine echte kleine Familie. Sie haben keine Geheimnisse voreinander (eigentlich) und sie haben ihren gewohnten Lebensrythmus und ihre Rituale, die sie zusammen glücklich sein lassen. Angefangen von den regelmässigen Touren über Trödelmärkten, wo Oma Dinge zum Reparieren aufkauft und anschließend mit Gewinn wieder verkauft, über ihre Besuche bei Mario - wo es Espresso und Eis gibt - bis hin zu ihrem allabendlichen "Dreierschwatz", bei dem sie Salilas Mama alles erzählen was am Tag so passiert ist.

Doch dann findet Salila durch Zufall einen Brief, der an ihre Großmutter gerichtet ist und der offensichtlich einfach weggeworfen wurde. Aus ihm erfährt sie, dass das Haus in dem die beiden leben, vererbt wurde und nun saniert und anschließend verkauft werden soll. Aus diesem Grund sollen die alten Mieter ausziehen - ein großzügiges Angebot sei ihnen bereits unterbreitet worden, heißt es. Der Verfasser des Briefes erwähnt zudem sein Unverständnis darüber, dass Frau Meister, also Salilas Großmutter, sich noch nicht zu den zahlreichen Anschreiben geäußert hat. Salila versteht das Verhalten ihrer sonst so tatkräftigen Oma nicht. Und während schon die anderen Bewohner des Hauses ausziehen, findet sie zusammen mit ihrem Freund Mehmet den wahren Grund heraus, warum ihre Oma nicht auf die Briefe reagiert: Sie kann weder schreiben noch lesen. Salila schreibt schließlich selbst einen Brief an den "Miethai" - und erzielt damit ein verblüffendes Ergebnis!

Die Autorin Tanya Lieske, die auch als Radiomoderatorin bzw. Literaturkritikerin für den WDR und Deutschlandfunk tätig ist, hat mit "Oma, die Miethaie und ich" eine humorvolle Milieustudie für Kinder geschrieben. Während sich die Miethaie und Großverdiener mit renditeträchtigen Objekten die Taschen noch voller machen wollen, können Mieter, die schon in der dritten Generation in den alten, und sicherlich auch sanierungsbedürften Häusern leben, nur das Nachsehen haben. Sie können sich keine der teuren, sanierten Wohnungen leisten und wenn sie eine ähnlich günstige Wohnung suchen, müssen sie mit erheblichen Einbußen zurechtkommen. Aber ist das ein Stoff für Kinder? Tanya Lieske zeigt mit ihrem humorvollen und zugleich einfühlsamen Buch, dass alles auch ein ganz anderes Ende haben kann - auch wenn dieses zwar sehr wünschenswert aber unrealistisch ist. Schade, dass es nicht mehr von diesen liebenswürdigen Miethaien gibt und dass nicht alle Mieter so patent wie Oma Henriette sind.

Obwohl die Problematik wahrlich nicht aus der Luft gegriffen ist, liegt der Schwerpunkt von Tanya Lieskes Geschichte jedoch auf der Beziehung zwischen Enkelin und Großmutter sowie auf das große Familiengeheimnis: Der Analphabetismus der sonst so starken Frau, die für alles eine Lösung kennt und sich von niemandem einschüchtern lässt.

Diese unkonventionelle Großmutter, die in den 1970ern jung und auf allen Kontinenten unterwegs war, erscheint Salila plötzlich unsicher. Immer wenn es um Geschriebenes geht, wirkt ihre Oma ungewohnt gereizt und fahrig. Nach und nach zählt Salila eins und eins zusammen: Nie hat ihre Großmutter ihre Brille griffbereit, sie hinterlassen einander gezeichnete Nachrichten, ihre Unterschrift ist eher gemalt als geschrieben und sie geht immer zum Gemüsehändler Hakan, um von ihm aus der Zeitung vorgelesen zu bekommen, wo und wann welcher Flohmarkt stattfindet. Auch das Schild an Omas kleiner Werkstatt hat Salila geschrieben.

Einfühlsam erzählt Tanya Lieske von der Annäherung der beiden an ein Geheimnis, das wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen steht. Bis hin zu dem befreienden Moment, da die Suche nach einer neuen Wohnung unausweichlich scheint und Salilas Oma eingesteht, dass sie den ganzen "Papierkram", der nun einmal dazu gehört, nicht erledigen kann.

Detailreich zeichnet Tanya Lieske den Alltag und das Umfeld der beiden. Ihre Charaktere wirken lebendig und sympathisch - selbst die Miethaie. Vor allem Salilas fantasievolle Art, ihre Welt zu sehen, Zusammehänge herzustellen und Geschichten zu erfinden, wird Kinder erreichen. Über diese kreativen Ventile werden viele Gefühle und Sorgen, die Salila umtrieben, gut verständlich vermittelt, ohne dass sie lange erklärt werden müssen. Somit ist das Buch durchgehend kurzweilig und interessant zu lesen. Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war die allzu unkonventionelle Art, wie Oma Henriette den Nutzen von Fahrradhelmen in Frage gestellt hat. Fahrradhelme sind keinesfalls nur etwas für Feiglinge. Aber in einem Punkt gebe ich ihr natürlich Recht: "Nicht stürzen, das ist die Hauptsache, beim Fahrradfahren und auch sonst im Leben."

Fazit:

"Oma, die Miethaie und ich" zeichnet sich durch sein Einfühlungsvermögen und seine klugen Zwischentönen aus. Was Glück bedeutet, Geborgenheit und das Bröckeln der gewohnten Sicherheit, fängt Tanya Lieske sehr treffend ein. Kinder können sich gut in die Protagonistien hineinversetzen und miterleben, wie sie zu einer echten Persönlichkeit heranreift, die auch mal ihrer starken Oma unter die Arme greifen kann.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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