Vilja und die Räuber

  • Heyne
  • Erschienen: August 2012
Vilja und die Räuber
Vilja und die Räuber
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Kinderbuch Couch
83%

Kinderbuch-Couch Rezension vonAug 2012

Idee

Viljas Sommerferien mit den Räuberbergs werden zum besten Sommer ihres Lebens! Sie lernt sich selbst und ihre Fähigkeiten besser kennen.

Bilder

Der Einleitungssatz der Kapitel ist mit wichtigen Utensilien der folgenden Seiten umrahmt, um erste Gedankenanstöße zu geben.

Text

aus dem Finnischen von Antje Mortzfeldt; die kindgerechte Sprache lässt das Buch zu einem kurzweiligen Leseerlebnis werden.

Alle Jahre wieder... Vilja muss gar nicht lange überlegen, um zu wissen, was sie in den Sommerferien unternehmen wird: ihrem Papa fällt wie immer nichts Besseres ein als ihre Oma zu besuchen. Gähnend langweiliger Familienurlaub ohne Aussicht auf Spannung und Neues! Doch das ändert sich von einer zur nächsten Sekunde, als das beladene Familienauto von einer Räuberfamilie überfallen und ausgeraubt wird - und Vilja mit zum Diebesgut gehört. Von nun an beginnt für sie der aufregendste (und lehrreichste) Sommer ihres Lebens!

Egal, in welchem Land der Welt man die Kinder befragt, eins steht für alle fest: Ferien sind die schönste Zeit des Jahres!
Auch in Finnland fiebern sie besonders den langen Sommerferien entgegen.
Anders ist es allerdings bei Vilja, die genau weiß, was ihr in jedem folgenden Sommer bevorsteht. Aus den alljährlichen Versprechungen etwas Besonderes zu erleben wird doch wieder nur eine Reise zu Oma folgen. Papa wird seine Gedanken wie immer in seine Arbeit stecken und sich nicht um Abwechselung für die Familie kümmern. Und Mama ist mit dem Haushalt und ihrer pubertierenden Schwester Vanamo ausgelastet, so dass sie sich in diesem Jahr in die Urlaubsplanungen erst gar nicht einmischt. Es kommt also wie es kommen muss: an einem heißen Sommertag sitzen alle vier Familienmitglieder in Papas neuem Auto gezwängt und sind auf dem Weg zu Oma. Der erste Zickenangriff von Vanamo auf der Rückbank lässt nicht lange auf sich warten - und wie üblich hält Mama zu Vanamo, damit sie Ruhe gibt und die Streiterei nicht noch weiter ausartet. Vilja muss wie immer zurückstecken...

Doch genau in dem Moment schlägt der Räuberbus zu. Aus dem Nichts und in Windeseile wird das Familienauto von einer wilden Horde überfallen. Für Widerstand ist keine Zeit, blitzschnell wird der Wagen leer gegrabscht - die Räuber haben es neben alltäglichen Dingen wie Kleidung und der Reiseapotheke hauptsächlich auf Süßigkeiten abgesehen. UND sie rauben Vilja! Alles geht so fix, sie kann sich überhaupt nicht dagegen wehren was mit ihr passiert. Und erst nachdem der erste Schock verdaut ist, kapiert auch ihre Familie, dass sie gar nicht mehr dabei ist. Doch bis dahin ist der Räuberbus schon um zig Straßenwendungen verschwunden. Und für Vilja beginnt eine spannende Zeit und der beste Sommer ihres Lebens!

Vilja merkt schnell, dass sie es hier mit einer cleveren Bande zu tun hat - Widerstand und Flucht sind zwecklos. Und so muss sie sich den Befehlen und der Lebensart der Räuber fügen. Von nun an ist sie Teil der Räuberbergs, das sind Mama Hilda, Vater und Hauptmann der Wilde Karlo, ihre Kinder Hele und Kalle und außerdem Gold-Piet, ein alter Freund Karlos, der sie als Handlanger begleitet. Der Räuberbus ist für sie alle nicht nur Arbeitsfahrzeug für Überfälle, sie hausen auch hier drin. Beim Leben auf diesem engen Raum durchschaut Vilja schnell, wie jeder einzelne der Fünf tickt - und für viele Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten hat sie gute Tipps parat . Sie wird immer mehr Teil der wilden Bande, lernt Tricks und entwickelt einen genialen Plan, mit dem die extrem wichtigen Süßigkeitenvorräte nie zu knapp werden. Es gelingt ihr sogar, sich mit der überheblichen Art und den Zickigkeiten von Räubertochter Hele anzufreunden.

So gefällt Vilja das aufregende Leben als Räuber immer mehr, doch sie weiß, dass sie zum Ende der Sommerferien wieder in ihr altes Leben zurückkehren sollte. Ob ihre Eltern sie wohl gesucht haben? Da ist sie sich nicht sicher, schließlich hat Papa mit seiner Arbeit und Mama mit ihrer Schwester genug um die Ohren, vielleicht haben sie sie gar nicht so sehr vermisst... Doch eins ist sicher: sie werden nicht die alte Vilja zurückbekommen sondern ein Mädchen mit einem eigenen Markenzeichen, das die besten Kniffe gelernt hat um am helllichten Tag Überfälle zu fahren, Messer zu werfen und gemein zu sein. Allzu traurig muss sie über ihre Rückkehr nach Hause aber nicht sein. Der Wilde Karlo hat ihr versprochen, sie im nächsten Sommer auf der Fahrt zu Oma wieder zu rauben - denn die Räuberbergs wissen ihre pfiffige Art zu schätzen...

Siri Kolu hat mit "Vilja und die Räuber" ein unterhaltsames und fantasiereiches Kinderbuch erschaffen. Anders als es der Titel vermuten lässt, steht in diesem Buch nicht das raue Leben einer wilden Herde im Mittelpunkt, es handelt vielmehr von einer skurrilen Räuberfamilie, die aus einer spontanen Idee heraus ein zehnjähriges Mädchen rauben, das von nun an Teil der Bande wird. Für das "Opfer" Vilja führt dieser Überfall zu einer tiefgründigen Veränderung in ihrem Leben.

Die Unterteilung der Geschichte in viele Kapitel, die jeweils mit einem kurzen Einleitungssatz das Wesentliche des kommenden Inhaltes ankündigen, lässt das Buch zu einem gut überschaubaren Leseerlebnis werden und macht neugierig auf das Weiterlesen. Durch einen unvermittelten Einstieg mit dem Satz "In der zweiten Juniwoche wurde ich geklaut." wird der junge Leser sofort an das Hauptereignis des Buches herangeführt und steckt direkt mittendrin im spannenden Leben der Hauptperson Vilja. In Ich-Perspektive geschrieben lernt der Leser zunächst Viljas alltägliches Leben kennen. Vilja schildert dabei ziemlich nüchtern, dass ihr in ihrer Familie eher eine Neben-Rolle zuteil wird. Durch Kolus gute charakterliche Beschreibung und dem kindgerechten Schreibstil wird im weiteren Verlauf des Buches deutlich, dass der Raubüberfall eine schlagartige Wende in ihr Leben bringt. Vilja muss lernen Ängste zu überwinden, sich für Neues zu öffnen und sich zu behaupten. Mit wachsendem Zutrauen der Räuberberg-Familie hat sie außerdem die Chance, eigene Ideen zu verwirklichen und erhält hierfür sogar Anerkennung. Der Raubüberfall war für ihre persönliche Entwicklung somit ein Glücksgriff, um ungeahnte, pfiffige und kluge Fähigkeiten in ihr zu entdecken und ihr Selbstwertgefühl zu stärken.

Auf diese Weise entführt "Vilja und die Räuber" seine jungen Leser in ein wahres Abenteuer, bei dem auch sie selbst so Manches über das eigene Potential und das Zusammenleben mit anderen, manchmal auch nicht so einfachen Charakteren, lernen. Dieses Buch bietet eine perfekte Mischung aus Spannung und Emotionalität und lässt auf baldige neue Werke von Siri Kolu hoffen.

Fazit:

"Vilja und die Räuber" entführt den Leser in eine spannende, überraschende, lustige und vor allem lehrreiche Räuberwelt. Dieses Buch bietet Abenteuer der anderen Art - und vertreibt damit jedem jungen Leser Ferienlangeweile.

Ina Kolöchter

 

Vilja und die Räuber

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