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Idee

Es gibt kaum Faszinierenderes für Kinder, als das „Vielleicht“ und das „Möglicherweise“. Die Geschichte des Großonkels, die magischen Münzen und einiges, das tricktechnisch machbar ist, machen die Geschichte so glaubwürdig.

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Die schönen, dezenten Tuschezeichnungen zu Beginn eines neuen Kapitels und grafische Unterstützung bei dem Fall stammen von Temujin Doran.

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Die Autorin setzt ihre Worte präzise, aber stets locker und natürlich. Lakonisch und umso unterhaltsamer schildert sie die Ereignisse um den kleinen magischen Detektiv. Aus dem Englischen von Elisa Martins.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2012

Das kann auch nur Erwachsenen einfallen: Ausgerechnet in den Ferien muss Stuart Horten mit seinen Eltern in den langweiligsten Ort der Welt umziehen. Nach Beeton. Die kompletten Sommerferien liegen noch vor ihm, er kennt niemanden und langweilt sich furchtbar. Doch das alte, verlassene Haus und die Geschichte, die sich um seinen verschwundenen Großonkel Kenny ranken, lassen Stuart nicht los. Gebannt folgt er den Rätseln, die sein Onkel vor langer Zeit hinterlassen hat...

Doch seine Nachforschungen bleibt nicht lange unentdeckt. Die Nachbarsmädchen, naseweise und neunmalkluge Drillinge, haben Stuarts Verfolgung bereits aufgenommen. Sie langweilen sich anscheinend ebenso wie Stuart, denn sie schreiben fleißig an ihrer eigenen Zeitung. Da kommt der fremde Junge von Nebenan natürlich wie gerufen. Zunächst ist Stuart mehr als irritiert, als er ein und dasselbe Mädchen gleich an drei verschiedenen Orten entdeckt. Doch es ist vor allem April, die beinahe verzweifelt versucht, mit Stuart Kontakt aufzunehmen um ihm bei seinen Recherchen zu helfen. Und diese Hilfe kann Stuart auch wirklich gebrauchen. Die Hinweise, die sein Großonkel Kenny vor siebzig Jahren hinterlassen hat, führen ihn an die unterschiedlichsten Orte von Beeton. Die Zeit hat allerdings viel verändert und Kenny muss sehr gut kombinieren, um die alten Spuren wieder zu entdecken.

Stuarts Großonkel Kenny war ein Magier, der große Berühmtheit durch seine spektakulären Bühnenapparaturen erlangte. Doch eines Tages verschwindet er zusammen mit seiner Verlobten spurlos - während eines verheerenden Brands in der Fabrik der Familie. Ist Onkel Kenny im Feuer umgekommen?

Acht magische Münzen offenbaren die Hinweise, die in einer alten Waage, in einem Drehkreuz des längst überwucherten Schwimmbades oder in einem Karamellautomaten, der einst im Kino stand, versteckt sind. Doch das größte Geheimnis des kleinen Magiers, des "klitzekleinen Kenny Horten,"- die magische Werkstatt - ist mit keinem dieser Hinweise ausfindig zu machen. Zusammen mit der klugen Detektivin April kommt Stuart endlich weiter - und wie! Es ist auch April, die bemerkt, dass ihnen ständig eine dubiose Zauberkünstlerin auf den Fersen ist. Der Grund liegt auf der Hand: Sie will die magische Werkstatt des verschollenen Magiers mit all den wunderbaren Tricks und Erfindungen für ihre Zwecke nutzen: Niemand sonst vermochte es wie Kenny, die viktorianische Zeit so beeindruckend in seinen Zauberkünsten einzufangen.

April und Stuart versuchen das knifflige Rätsel zu lösen und müssen dabei stets der Verfolgerin einen Schritt voraus sein. Sie lassen sich nachts im Museum einsperren, führen ihre Verfolger in die Irre, indem sie alle Drillinge ausschwärmen lassen und April hängt sich sogar an den Kran der Abbrucharbeiter, die das ehemalige Haus von Onkel Kenny abreißen wollen...

Wird es April und Kenny noch gelingen, alle Hinweise zu finden und zu entschlüsseln, um so die großen Geheimnisse um den großen kleinen Magier zu bewahren?

Lissa Evans sagt in einem Interview mit Michelle Pauli vom Guardian im Juli 2011, dass ihr die Idee gefällt, "Magie mit dem realen Leben zu verbinden - als Kind habe ich solche Geschichten geliebt!" Und genauso ist es auch. Es gibt kaum Faszinierenderes für Kinder, als im normalen Alltag den Funken Magie zu entdecken: Das "Vielleicht" und das "Möglicherweise". Das Geheimnisvolle, die beinahe verschwundene Geschichte des Großonkels, umweht Lissa Evans Erzählung und doch ist vieles tricktechnisch machbar und zu erklären. Daher erscheinen die tatsächlich magischen Ereignisse auch so glaubwürdig.

Lissa Evans erschafft in dem beschaulichen Beeton eine ganz besondere Atmosphäre. Sie ist eine Mischung aus der Nostalgie der viktorianischen Zeit, den alten verwitterten Zeugen einer Stadt aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und den liebenswerten Zeugen, die sich an "damals" noch gut erinnern können. Kenny Horten hinterließ seinem Neffen wichtige Spuren - in der Hoffnung, er möge das Rätsel lösen und sein Erbe antreten - doch der eigentliche Neffe, der Vater von Stuart, hat keinerlei Gespür für derlei magischen Dinge und Hinweise. Anders dessen Sohn Stuart: Ebenso kleinwüchsig wie sein Großonkel, spürt er gleich, dass sich hinter der Zauberdose und den acht Münzen ein großes Geheimnis verbirgt.

Und so ist es auch: Die Maschinen verfügen über magische Fähigkeiten. Doch nur mit den alten Münzen funktioniert diese Magie. Lissa Evans entwickelt eine ganz eigene, nachvollziehbare Logik und stellt dem neugierigen und mutigen Stuart, aus dessen Sicht die Leser dieses Abenteuer miterleben, ein überaus sympathischen Charakter an die Seite: April. Dieser Schachzug von Evans und die ziemlich eigenwilligen Drillinge stellen sich für den Verlauf der Geschichte als sehr wichtig heraus. Sie nimmt sofort Fahrt auf, als April ins Spiel kommt und Stuart bei seinen Ermittlungen hilft. Es sind vor allem die Begegnungen mit den drei Mädchen, die Lissa Evans besonders komisch zu erzählen weiß, ebenso wie sie Stuarts etwas eigenartigen Vater beschreibt, dessen große Leidenschaft Kreuzworträtsel sind und der manchmal auch in ebensolchen Rätseln mit seinem Sohn spricht. Das und die vielen anderen, liebevoll skizzierten und häufig ziemlich skurrilen Nebendarsteller machen einfach Spaß. Einen kleinen "Running Gag" hat Lissa Evans mit dem Assistenten der diebischen Zauberkünstlerin geschaffen. Wo auch immer "Clifford" auftaucht, seine weiße Taube schwebt stets um ihn herum. Da ist es natürlich leicht, seine Verfolger zu entdecken.

Aus der Zusammenarbeit zwischen April und Stuart erwächst eine tolle Freundschaft.
Die Klugheit, mit der April und Stuart die Rätsel entwirren und Zusammenhänge entdecken, erinnert mich ein wenig an "Das Pentomino-Orakel" von Blue Balliett. Auch hier werden kleine Detektive durch eine spannend und raffiniert komponierte Geschichte herausgefordert, die allerdings auch etwas Aufmerksamkeit erfordert. Dadurch, dass Stuart und April aber ständig ihre Gedanken und Ideen austauschen, wird es Lesern ab 10 leicht gemacht, mit den Ereignissen Schritt zu halten.

Lissa Evans erzählt in einer sehr treffenden Sprache. Ihre Worte sind präzise gesetzt, aber wirken niemals bemüht, sondern stets locker und natürlich. Ebenso der trockene Humor der ehemaligen Ärztin und Stand-Up-Comedian: sie schildert ziemlich lakonisch und deswegen umso unterhaltsamer die Ereignisse um den kleinen Detektiv. "Für Kinder witzig zu schreiben funktioniert genauso wie für Erwachsene witzig zu schreiben, nur mit einem kleineren Wortschatz" So die Londoner Autorin zu ihrem ersten Kinderbuch. Das ist ihr gut gelungen und dass sie dabei selbst ihren Spaß hatte, merkt man ihrem Debüt an.

Eigentlich hat Stuarts Abenteuer erst mit der Entdeckung der Zauberwerkstatt begonnen. Und wer unbedingt wissen möchte, wie es mit dem kleinen, mutigen Stuart weitergeht: Der zweite Band erscheint im Frühjahr 2013

Fazit:

Lissa Evans erzählt in ihrem Kinderbuch-Debüt eine Geschichte, die auf ganz besondere Weise verzaubert. Die bildhafte und zugleich humorvolle Erzählweise erschafft eine Atmosphäre, die der Geschichte, zusammen mit rätselhaften den Hinweisen aus der Vergangenheit, einen ganz eigenen Dreh verleiht. So bleiben junge Leser neugierig am Ball, bis auch das letzte Rätsel um die magische Werkstatt gelüftet wird.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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