Luca Puck und der Herr der Ratten

Erschienen: November 2012

Couch-Wertung:

77%
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Um den Herrn der Ratten aufzuhalten muss Luca mehrfach über ihren eigenen Schatten springen und darauf achten, das richtige zu tun; begleitet wird sie von sympathischen Mitstreitern.

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Oftmals weitschweifige Satzkonstruktionen, die verschiedene Situationen detailreich beschreiben. Die kindlich aufbereiteten Hinweisen für anständiges Verhalten wirken an manchen Stellen ein wenig zu aufgesetzt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2012

Luca Puck weiß gar nicht, wie ihr geschieht, als sie eines Nachts ihren Kater Scottie verfolgt. Plötzlich findet sie sich auf dem Friedhof wieder in einer riesigen Katzenversammlung, dessen Anführer scheinbar ihr Scottie ist. Es steht ein großer Krieg zwischen Katzen und Ratten bevor, den ewigen Todfeinden der Katzen. Luca und Scottie müssen das gemeinsam verhindern ...

Luca Puck lebt mit ihrem Vater in Paris, direkt neben dem Friedhof auf dem ihre früh verstorbene Mutter begraben liegt. Außer ihrem Vater und dem Hauskater Scottie hat Luca wenig Kontakt zur Außenwelt und kennt nur einen winzigen Ausschnitt von Frankreichs enormer Hauptstadt, der sich im engen Umkreis der Wohnung befindet. Doch dies ändert sich sehr bald als Lucas Vater am Anfang der Sommerferien für eine Woche beruflich verreist. Schon in der ersten Nacht reißt Scottie aus. Aus Angst, dass er sich verlaufen könnte, folgt ihm Luca über den Vorgarten einer nahegelegenen Villa auf das nächtliche Friedhofsgelände. Auf dem Weg ins Zentrum der Ruhestätte bemerkt Luca fassungslos, dass ihr Kater sprechen kann.

Und dort warten auch weitere Überraschungen auf sie. Luca findet sich auf einer Versammlung von Katzen wieder und stellt fest, dass ihr gemütlicher Stubentiger, auch "ehrenwerter Ta-Miu" genannt, der Anführer der Katzen ist. Sie erfährt eine uralte Geschichte des goldenen Zeitalters, in dem die Katzen eine direkte Verbindung zu den Göttern im Himmel hatten und von den Menschen verehrt wurden. Es war eine Zeit des Lichts und des Glücks. Doch diese Harmonie wurde durch den Herrn der Ratten gestört, der die Geheimnisse der Götter stehlen wollte. Er führte alle Ratten in den Krieg und zerstörte die einstige Idylle.

Die Versammlung tagt nun, weil es Anzeichen dafür gibt, dass ein neuer Herr der Ratten auf dem Vormarsch ist und erneut den Krieg zwischen Ratten und Katzen entfachen will. Um dies zu verhindern, müssen die Katzen die Inschrift entziffern, die auf einer Statue des Herrn der Ratten auf dem Friedhof zu finden ist.

Luca ist sofort bereit ihrem Kater zu helfen und so machen sie sich am nächsten Tag auf in das "Blechviertel", um Bastet, die Katze eines afrikanischen Magiers zu finden, welche die alte Sprache der Inschrift beherrscht. Das Blechviertel heißt so, weil es aus zugigen Blechhütten, in denen viele elternlose Kinder leben, besteht. Diese Kinder müssen täglich auf der Müllkippe nach Brauchbarem suchen. Dort erfahren sie, dass das "Kinderland", der einzig schöne Platz im Viertel, auf Befehl des Präfekten abgerissen werden soll, um einer großen Fabrik Platz zu machen. Außerdem werden Scottie und Luca Zeuge, wie der Magier von dem Pferdemetzger Sanginjoll und seinen drei bulligen Gehilfen entführt wird.

Luca muss nun all ihren Mut zusammennehmen, um den Krieg zu verhindern, den Magier zu befreien und den Präfekten aufzuhalten. Dabei erhält sie jedoch viel Hilfe, sowohl von menschlicher als auch tierischer Seite.

Mit "Luca Puck und der Herr der Ratten" veröffentlichte der mehrfach ausgezeichnete Autor Michael Kleeberg sein erstes Kinderbuch. Die Geschichte handelt von großen Themen wie Krieg, Machtmissbrauch und Gier, aber auch von Freundschaft, Vertrauen und dem Überwinden von Ängsten.

Beim Aufbau der Handlung geht der Autor geschickt vor. Zunächst wird die eher langweilig anmutende Lebenssituation von Luca beschrieben. Doch plötzlich steckt sie mitten in einem Abenteuer mit ständig neuen Handlungssträngen, wie etwa der Schließung des Kinderlandes, der Entführung des Magiers und dem Krieg der Ratten. Luca muss an vielen verschiedenen Stellen gleichzeitig helfen. Nach und nach wird aber ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Geschichten sichtbar und ein Gesamtbild entsteht. Durch verschiedene, überraschende Wendungen wird eine dauerhafte Spannung aufgebaut.

Der Text zeichnet sich durch weitschweifige Satzkonstruktionen aus, die verschiedene Situationen detailreich beschreiben. Er ist gespickt mit kindlich aufbereiteten Hinweisen für anständiges Verhalten. Dabei achtet Michael Kleeberg in seiner Geschichte darauf zu betonen, was richtig und was falsch ist. Wenn Luca und ihre Freunde auf Grund des Abenteuers etwas Verbotenes tun, weisen die Figuren oft selbst darauf hin, dass dieses Verhalten unangebracht ist und sie so etwas unter normalen Umständen nicht tun würden. Dies fördert bei Kindern ein Bewusstsein für Aufrichtigkeit in moralischer Hinsicht, wirkt aber teilweise etwas aufgesetzt.

In einem Interview seinem Verlag erklärt Michael Kleeberg, dass viele seiner Figuren aus seinem privaten Umfeld inspiriert sind. Dadurch erhalten die Charaktere eine persönliche Note und wirken vielschichtig. Die Hauptfigur Luca, zum Beispiel, wird zunächst als sehr ängstliches und einsames Mädchen beschrieben. Doch plötzlich findet sie sich in diesem aufregenden Abenteuer wieder, bei dem sie Seiten an sich entdeckt, die ihr völlig fremd sind und sie positiv überraschen. Oft springt sie über ihren eigenen Schatten, überwindet Ängste und gibt Erwachsenen toughe Antworten. Luca denkt sehr idealistisch und unkompliziert; dadurch erkennt sie als einzige, dass nur die alten Sagen von Ratten und Katzen für den Unmut zwischen den beiden Gattungen verantwortlich sind. So hilft sie als Schlichter bei der Versöhnung zwischen Ratten und Katzen und lernt dabei viele Freunde kennen.

Die "Bösewichte" Sangioll und der Präfekt Morbus de Sarkomi dagegen werden eher eindimensional geschildert. Sie sind skrupellos und gierig und erscheinen beide wie die reine Personifizierung des Bösen. Auf diese Weise wird aber das Spannungsfeld umso deutlicher; gerade junge Leser finden sich mit dieser klaren Unterscheidung zwischen Gut und Böse besser zurecht.

Fazit:

Michael Kleebergs Luca Puck ist ein unterhaltsames Erstlingswerk auf neuem Terrain mit abwechslungsreicher Handlung und aus sympathischen Charakteren.

Anna Fleckenstein

 

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