Die Prinzessin bin doch ich

Erschienen: Mai 2005

Couch-Wertung:

88%
Idee
Bilder
Text

Idee

Ein zentrales Thema für viele Erstgeborene wird hier sehr einfühlsam und bildhaft aufbereitet. Die lebendigen und lebensfrohen Charaktere ermöglichen einen direkten Zugang zu der Geschichte.

Bilder

Großflächige Zeichnungen in warmen aber kräftigen Farben vermitteln Wärme und Geborgenheit. Die dargestellten Figuren sind sehr fein herausgearbeitet und wirken sehr lebendig.

Text

Die Sprache ist sehr nah am Kind und viel wörtliche Rede mit typisch kindlicher Wortwahl lässt das Bilderbuch ein „Eigenleben“ entwickeln.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2005

Der Verlag arsedition bietet uns mit dem Buch ";Die Prinzessin bin doch ich"; eine einfühlsam erzählte Geschichte zum Thema Eifersucht unter Geschwistern und was es bedeutet, wenn das ältere Kind plötzlich entthront wird.

Die kleine Ente führt mit ihren Freunden, dem Bär, dem Fisch, dem Hasen und dem Frosch ein wunderschönes Leben. Alles dreht sich um sie, denn sie ist die Prinzessin und der Sonnenschein für all ihre Freunde.

Eines Tages findet der Hase ein Ei und auf einmal ändert sich einiges für die kleine Ente. Die Tiere erklären der Ente, dass aus dem Ei ein Küken schlüpfen wird. Als es endlich so weit ist und das Küken schlüpft, stellt die Ente dem Neuankömmling sofort klar, dass sie der Chef sei und Ente heißt. Das Küken, das den Namen Ente noch nicht aussprechen kann, nennt sie ";Enni";, was die Ente noch wütender macht, als sie es ohnehin schon ist. Auf die Aufforderung hin, man müsse das Küken umtauschen, weil es nicht richtig sprechen könne und auch sonst zu nichts tauge, erklären die anderen Tiere, dass das Küken von jetzt an dazu gehört und für immer bei ihnen bleiben soll.

Für die kleine Ente beginnt eine schwierige Zeit. Keiner kümmert sich mehr um sie und noch dazu wurde von ihr erwartet, dass sie sich um das Küken kümmern solle, statt ";im Weg rumzustehen";. Als ob das nicht genug wäre, setzen die Tiere dem Küken auch noch die Krone auf, die sonst immer die Ente auf ihrem Kopf getragen hatte, denn nun war sie die Prinzessin. Die kleine Ente entschied, dass das Küken verschwinden müsse und war so gemein zu dem kleinen Ding, wie sie es nur sein konnte. Dass der größte Wunsch der kleinen Ente, fliegen zu können, immer noch nicht wahr geworden ist, machte sie noch verzweifelter. Auf die Frage des Kükens nun, was fliegen überhaupt sei, nahm ";Enni"; dem Küken kurzerhand das Kuscheltier weg und warf es in die Luft mit der Erklärung, das sei fliegen. Das Küken war sehr traurig und die kleine Ente konnte das nun auch wieder nicht mit ansehen. Die kleine Ente rannte los um das Kuscheltier zu holen, stolperte, breitete die Flügel aus, um nicht zu fallen und stieg auf einmal in die Luft. Bewundernd schauten alle Tiere zu ihr auf. Das Küken fragte schließlich, ob die beiden nun Freundinnen werden könnten. ";Enni"; sagte, dass dies vielleicht passieren würde und dass sie dem Küken das fliegen zeigen würde, wenn es groß ist. Doch sie überlegte es sich schnell anders, nahm ihre Freundin auf den Rücken und hob mit ihr ab.

Sehr einfühlsam erzählt die Autorin Nele Moost von einem einschneidenden Wendepunkt in dem Leben einer Prinzessin oder eines Prinzen, das alle Kinder bewegt, die plötzlich ";die Großen"; sind. Das Kind, welches bisher immer der ";kleine Prinz"; oder die ";kleine Prinzessin"; war, muss auf einmal verstehen lernen, was es heißt, Liebe und Aufmerksamkeit zu teilen, was es bedeutet, wenn plötzlich ein ";Eindringling"; zum Mittelpunkt wird. Die Autorin versteht es wunderbar die Thematik auf diese Geschichte zu übertragen.

Die kleine Ente ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Dass diese Situation nur solange währt, bis ein kleines Geschwisterkind zur Familie gehört, weiß die Ente (das Kind) nicht und ist mit der neuen Situation völlig überfordert. So ergeht es wohl fast allen Kindern, denen plötzlich ein kleines Geschwisterkind ";vorgesetzt"; wird. Dass kleine Geschwister nicht nur Nachteile mit sich bringen verstehen die ";entthronten Hoheiten"; nicht sofort, denn anfangs überwiegen meist die Nachteile. Erst später können Vorteile gewonnen werden, wie in diesem Bilderbuch so schön an der Schlussszene deutlich wird, als ";Enni"; endlich fliegen kann. Denn das hat sie wohl auch ein bisschen dem Küken zu verdanken.

In diesem Kinderbuch wird bildhaft gezeigt, wie die Krone der Prinzessin an das jüngere Kind weitergegeben wird, dass aber die ";entthronte"; Prinzessin an der neuen Situation wächst. Schließlich kann sie, als ";die Große"; etwas,das das kleine Küken noch nicht kann und sie wieder zu etwas Besonderem macht: Sie kann nun fliegen.

Das Bilderbuch von Nele Moost überzeugt nicht nur durch die Sprache, durch die man sofort einen Zugang zu dem Geschehen finden kann, sondern vor allem durch die Lebensnähe in einer Situation, die für alle Beteiligten nicht so leicht zu bewältigen ist.

Die Autorin beschert uns eine wunderschöne Geschichte, die mit ihrer leichten und humorvollen Sprache nahe am Kind ist.

Die großflächigen Zeichnungen in diesem einfühlsamen Kinderbuch greifen das Geschehen auf und vermitteln die vorherrschende Stimmung. Warme, aber kräftige Farben lassen das Ansehen zum Vergnügen werden. Sehr schön, wie die Illustratorin es versteht, die Hauptdarsteller in diesem Bilderbuch lebendig erscheinen zu lassen.

Passend zu der Geschichte gehört zu dem Kinderbuch ein mit kleinen Perlen besetztes ";Prinzessinenarmband";, das vorne auf dem Cover befestigt ist.

Fazit:

Sehr einfühlsam wird in diesem Bilderbuch ein einschneidendes Erlebnis thematisiert. Fast allen Kindern ergeht es wohl so, wie der kleinen Ente, wenn sie durch ein kleines Geschwisterkind vom Thron gestossen werden. Deshalb ist das Bilderbuch aus dem Verlag arsedition eine schöne Unterstützung, für alle Kinder, die auf einmal ";groß"; sind.

Simone Brinkschulte

Die Prinzessin bin doch ich

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