Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
Text

Idee

Familien sind unterschiedlich, doch eines ist klar: Jeder gehört zu einer Familie und die gibt es nur einmal auf der Welt.

Bilder

Quirlige und freche Zeichnungen, die Charakteristik heraus kitzeln ohne stereotypisch zu sein.

Text

Kurze, prägnante Sprechblasen in Comicmanier und längere Textpassagen ohne jegliche Wertung in kindgerechter Sprache.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Feb 2013

[ab 5 Jahren]

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Während konservative Politiker immer noch darüber diskutieren, welche Familienform die "einzig wahre" ist, hat - spätestens mit diesem Bilderbuch - die kunterbunte Patchworkfamilie in den Kinderzimmern unserer Kinder Einzug gehalten. Bereits der Titel des Buches verrät, dass Familie kein starrer Zusammenschluss von Mutter, Vater und Kind ist, sondern unzählige Konstellationen und Eigenheiten gerade das ausmachen, was wir heute unter Familie verstehen...

Nach einem kurzen Ausflug zu den Bienen, den Steinzeitmenschen und der Großfamilie der Jahrhundertwende, landen Alexandra Maxeiner (Autorin) und Anke Kuhl (Illustratorin) direkt in den Wirren heutiger Familienverstrickungen. "Das Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten" lautet der Untertitel des Buchs, das 2011 zu Recht mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Maxeiner und Kuhl geht es um die - mitunter sehr konfusen - Verstrickungen, die sich beim verwandtschaftlichen Beziehungsgeflecht ergeben können und im 21. Jahrhundert durchaus keine Seltenheit mehr sind. Mit kunterbunten beschrifteten Zeichnungen im comicartigen Stil werden die vielfältigen Konstellationen, die Familien bilden können, in sachlichem Ton durchgegangen, von der klassischen Variante über Regenbogen- und Adoptivfamilien bis zum Kinderdorf. Angelegt wie eine Gebrauchsanweisung der modernen Familie werden "Halbmamis", "Zweitväter" oder "Dreiviertelpapas" vorgestellt.

Schnucki, Hase, Püppi. So bunt gemischt unsere Gesellschaft ist, so mannigfach sind auch die Kosenamen, die Eltern für ihre Kinder benutzen. Auch bei der Anrede der Eltern ist von Papi, über Paps bis hin zum antiautoritären "Dieter" alles drin. Die Autorinnen wagen ebenfalls einen Blick über den Tellerrand und so erfährt der Leser, dass man in Schweden die Stiefeltern als "Plastikmama" und "Plastikpapa" bezeichnet, während ihnen in Frankreich als "schöne Mutter" oder "schönen Vater" ein besseres Image anzuhaften scheint.

Blutsverwandtschaft wird erklärt, ohne ihr jedoch übermäßige Bedeutung beizumessen. Hat man keine eigenen Kinder, so sucht man sich eben Freunde oder Haustiere und nennt es dann "Wahlverwandtschaft". Auf was man dann allerdings verzichten muss, ist der Leberfleck an der Po-Backe, den sich Mutter und Tochter teilen oder den gleichen krummen Zeh, den Vater und Sohn vorzuweisen haben.

In "Alles Familie!" geht es nicht in erster Linie um Verwandtschaftsgrade, sondern um all die Eigenheiten, die Familie ausmachen: Manche sind laut, andere stiller. Wir sehen stubenhockende Sofafamilien ("Es gibt Familien, die bewegen sich kaum oder gar nicht") und Hektiker ("Andere rennen ständig herum, weil sie irgendwelche Termine haben"). Bei manchen liegt das Zentrum in der Küche, anderen ist das gemeinsame Essen nicht so wichtig. Jede Familie hat ihren eigenen Geruch, den man oft selber gar nicht riecht, der aber tief in Mamas Kleidern oder dem Kuscheltier steckt. Einige Familien haben eine Geheimsprache. Sie sagen manche Worte, die man als Außenstehender gar nicht versteht und nur die anderen Familienmitglieder wissen, was gemeint ist.

Neben Äußerlichkeiten geht es um Bindungen, die in den Familien völlig unterschiedlich ausfallen. Die meisten Menschen mögen ihre Familie, weil sie sich geborgen fühlen und über ihre Sorgen sprechen können. Es gibt aber auch Menschen, die haben mit ihrer Familie nichts zu tun ("...vielleicht weil sie zusammen Geld oder ein Haus geerbt haben und sich jetzt streiten, wer das Meiste bekommt."). Auch daraus, dass es Gewalt in Familien gibt, macht das Buch keinen Hehl ("Es gibt Eltern, die behandeln ihre Kinder schlecht. Sie nehmen sie nie in den Arm. Oder brüllen sie immer nur an. Andere schlagen ihre Kinder sogar, obwohl sie das gar nicht dürfen.").

Das Leben kann sehr kompliziert sein - und dass zeigt "Alles Familie!" auf sehr anschauliche Art. Autorin und Illustratorin finden jedoch einen Weg, Angst vor den Lebenslagen zu nehmen, die vom herkömmlichen Schema abweichen. Und noch mehr: Sie zeigen, dass es das "klassische Schema" in der Realität schon lange nicht mehr gibt. Beschönigt wird dabei nichts, aber auch nichts verglichen. Dem lesenden Kind wird vermittelt: Jede Familie ist einzigartig - ob dezent oder geräuschvoll, faul oder umtriebig, steif oder leger. Und weil jede, aber auch jede Familie wichtig ist, birgt das Buch am Ende auch einige Seiten, die das lesende oder zuhörende Kind mit den Besonderheiten seiner Familien füllen kann.

Frech aber doch nicht plump-stereotyp zeichnet Anke Kuhl das Charakteristische einer jeder Persönlichkeit oder sozialen Gruppe. Sie schafft es, mit wenigen Mitteln Emotionen in die Gesichter und die Körpersprache der Figuren zu zaubern, die das besondere der Menschen herauszufiltern vermag. Da steht die Familie im gleichen Jogginganzug, um zu demonstrieren wie gleich manche Familienmitglieder einander sind. Anderen sieht man nicht an, dass sie zusammengehören. Hier zeigt sich der Vater im Hippie-Outfit, die Mutter als Grufti, Sohn eins als Punk, Sohn zwei als Streber und die Tochter als Primaballerina. Die quirligen Bildfolgen sprühen vor Lebendigkeit und Dynamik und kommen ähnlich eines Comics oder Daumenkinos daher.

Ebenso zum Thema wie zum Stil der Zeichnungen passt das Lettering in Handschrift und die vielen Sprechblasen. Hier werden kurz und knapp Gefühlsbekundungen an die Umwelt gegeben. Längere Textpassagen sind dafür da, das Beziehungsgeflecht der einzelnen Personen verständlich zu erklären. Unbekannte Begriffe werden ohne großes Aufhebens erläutert und wirken dabei keinesfalls belehrend. Mit einfachen und klaren Worten werden Sachverhalte kindgerecht wiedergegeben. Die kurzen, prägnanten Sätze stecken voller Informationen, die trotz alledem mit einer großen Leichtigkeit daher kommen.

Fazit:

"Alles Familie" macht Schluss mit der Vater-Mutter-Kind-Heuchelei: Die perfekte Familie gibt es nicht! Autorin und Illustratorin schaffen es, die Familie als einzigartiges Konstrukt mit enormer Vielfältigkeit darzustellen. Und während jeder, der dieses Buch liest oder vorliest und die lustigen, gutgelaunten Illustrationen dazu betrachtet, sich noch überlegt, was für einer wunderbar seltsamen, skurrilen Familie er eigentlich selbst angehört, wird eines klar: Ob gut oder schlecht, egal was deine Familie ausmacht, sie ist deine Familie und immer was besonderes für Dich!

Katrin Czerwinka

 

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