Herr Glück und Frau Unglück

Erschienen: Mai 2013

Couch-Wertung:

91%
Idee
Bilder
Text

Idee

Wie im Märchen: Fröhlicher Mann pflanzt einen Garten voller fantastischer Sonnenblumen und Tulpen – und gärtnert so die alte mürrische Hexe von nebenan weich.

Bilder

Die Bilder sind ausdrucksstark und fantasievoll, aus verschiedenen Materialien und Techniken kollagiert und reichen beinahe aus, um die Geschichte zu erzählen.

Text

Schlichte Sätze, bei denen jedes Wort sitzt, begleiten den Text. Sie machen den Bildern keine Konkurrenz und halten doch das Niveau – genau das ist die Kunst.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2013

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Frau Unglück wohnt in Haus Nummer 13 und bekommt einen neuen Nachbarn: Herrn Glück. Vom Typ unerschütterliche Frohnatur und leidenschaftlicher Gärtner. Sehr lästig - findet Frau Unglück. Aber Blumen können Beton sprengen. Und irgendwann sprengen Klee, Sonnenblumen, Löwenzahn und Schneeglöckchen auch Frau Unglücks düstere Stimmung.

"Eines Tages zog Herr Glück ein, Zaun an Zaun, Tür an Tür mit Frau Unglück", so fängt die Geschichte an. Herr Glück ist ein rundlicher Mann mit runder Brille, marienkäferfarbenem Sakko und einem Kleeblatt am Hut. Er hat immer ein Lied auf den Lippen, nimmt das Leben wie es kommt und freut sich daran; begrüßt die Sonne, den Regen, den Sturm. Und gärtnert: er sät, pflanzt, gießt, düngt. Bis sein Garten der bunteste, üppigste, fantastischste Garten ist, den man sich nur vorstellen kann. Ganz unbefangen macht er dann seiner neuen Nachbarin einen Antrittsbesuch: mit Buchsbäumchen im Topf als Mitbringsel und artiger Verbeugung - Rumms! Frau Unglück macht ihm sofort die Tür vor der Nase wieder zu.

Geschrieben steht von all dem übrigens wenig; auch davon, wie Herr Glück fröhlich trällernd Samen streut, wie er singend zwischen den Blumen herumtänzelt, sie tätschelt und hätschelt und wie er jauchzend mit dem Wind um die Wette fliegt. Das alles steht in den Bildern, denn dieses Buch enthält pro Seite nur wenige, einfache Worte.

Aber: die Autorin Antonie Schneider schreibt auch Gedichte und das merkt man ihrem Text an. Alles sitzt, passt, stimmt und begleitet die Illustrationen in geradezu idealer Art: Kein Wort, kein Satz drängelt sich in den Vordergrund, und nichts ist einfach mal eben so dahin geschrieben, sondern hält das Niveau der Illustrationen.
Und die sind wirklich fantastisch - und zwar in jeder der Bedeutungen, die dieses Wort haben kann: "toll" und "fantasievoll". Die Blumen sind märchenhaft überzeichnet und doch wirken sie echt. Die Farben sind bunt, aber nicht knallig; Menschen, Tiere, Pflanzen sind nicht extra kindgerecht kitschig, sondern auf ihre Art niedlich und haben doch Charakter.
Auch hier: alles passt, stimmt, gefällt. Ein Gedicht.

Viele der Doppelseiten sind zweigeteilt: auf der linken Seite Hausnummer 12, auf der rechten Hausnummer 13, links Sonnenschein und Marienkäferchen, rechts Regenwolke, und Spinnennetze, links Herr Glück im rosa-orange-hellgrünen Karohemd, rechts das düstere Grundstück von Frau Unglück; links buntes Glück, rechts graues Unglück.

Der Schauplatz ist auf den meisten Seiten der gleiche, nämlich die Grundstücke der beiden Protagonisten. Schnell fühlen sich Kinder und Vorlesende zu Hause und haben den Blick frei für Details und kleine Veränderungen: wie aus Frau Unglücks abgestorbenen Baumstumpf Seite für Seite ein kleines Blättchen mehr sprießt. Oder wie sich Herr Glücks üppige Pflanzenpracht langsam aber sicher in Richtung der Fenster von Hausnummer 13 ranken.
Auch wenn Frau Unglück Herrn Glück "lästig" findet und "unnütz", seine Freude, seinen Eifer, die bunten Blumen und die vielen Tierchen - die Natur lässt sich von Gartenzäunen und schlechter Laune nicht aufhalten. Und so stehen die beiden am Ende Hand in Hand vor ihren Häusern Nummer 12 und Nummer 13, die auf ein Mal zusammengewachsen sind und von riesigen Sonnenblumen umschlungen werden... Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

Ein Happy End, wie im Märchen. Wie kitschig, wie klischiert, "wie unnütz das alles ist" - würde Frau Unglück möglicherweise nörgeln - wenn sie noch die alte wäre. Ist sie aber nicht. Und deshalb sagt sie: "Welch ein Glück!" Und alle großen und kleinen Leser und Leserinnen, die Herr Glück mit seiner unerschütterlichen Fröhlichkeit weichgegärtnert hat, finden das auch.

Fazit:

Herr Glück und Frau Unglück ist ein Gedicht aus märchenhaften Bildern, wenigen schlichten Worten und einer zeitlosen Botschaft: Leben ist Veränderung und Freundlichsein kann viel bewirken. Und so schließen große und kleine Kinder das Buch schnell ins Herz, ein bisschen unerwartet - genauso wie Frau Unglück Herrn Glück und seinen Garten.

Sigrid Tinz

 

Herr Glück und Frau Unglück

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