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Idee
Bilder
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Idee

Die Odyssee ist eine seit Jahrtausenden bekannte und beliebte Abenteuergeschichte, die hier so präsentiert wird, dass sie sich auch im 21. Jahrhundert bewährt.

Bilder

Große und kleine, großartige Bilder, die so kantig sind wie in alten Zeichentrickfilmen. Und voller Leben: da brausen die Wellen, der Wind zerrt an Toga und Haaren und allerlei fantastische Gestalten blecken die Zähne.

Text

Viel. Und gut. Besonders die perfekte Mischung aus mythischer Altertümlichkeit und moderner Verständlichkeit. Übersetzer: Erika und Karl A. Klewer

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2013

[ab 5 Jahren]

Die Abenteuer, die Odysseus auf seiner zehnjährigen Heimfahrt aus dem Krieg um Troja zu überstehen hat, gehören seit Jahrtausenden zum literarischen Fundus der Menschheit. In diesem Buch ist die Geschichte in Prosa und zeitgemäßen Bildern neu erzählt.

Zauberinnen, Zombies, Menschenfleisch fressende Riesen, Wassergeister und -götter, vielköpfige Drachenmonster, riesige Vögel mit Vampirzähnen und - nein, wir sind nicht in irgendeiner Fantasy-Schmonzette. Sondern bei dem Klassiker der Antike, den zu kennen zum bürgerlichen Bildungskanon gehört.

Wir sind bei der Odyssee, der Geschichte von der jahrelangen Irrfahrt des Odysseus, Heerführer und Herrscher von Ithaka, der als einer der wenigen den Krieg vor Troja überlebt hat. Und jetzt einfach nur nach Hause will. Diese Geschichte ist bald 3000 Jahre alt. Sie wurde nach allem, was man weiß, vom griechischen Dichter Homer in Versform verewigt und seitdem von ungezählten Menschen ungezählte Male vorgetragen, nacherzählt, gemalt, verfilmt, aufgeführt.

Der französische Kinder- und Jugendbuchautor Yvan Pommaux erzählt die Geschichte hier ein weiteres Mal neu. Und zwar nicht in der antiken Versform, sondern in normalem Deutsch; bzw. in normalem Französisch, das dann von Erika und Karl Klewer ins Deutsche übersetzt wurde. Allen dreien ist dabei ein kleines Kunststück gelungen. Denn die Worte sind zeitgemäß und verständlich, ohne sich betont jugendlich anzubiedern. Und gleichzeitig schaffen Wortwahl und Satzbau eine gewisse altertümliche Atmosphäre, die die Zeit der Götter und Sagen lebendig werden lässt. Ohne besonders altphilologisch kulturbeflissen zu wirken.

Gegliedert und ergänzt wird der Text durch die Bilder: mal gibt es auf jeder Seite mehrere Einzelszenen, mal großformatige Panorama-Aufnahmen. Die Illustrationen sind nicht wirklich bunt, aber kräftig: die Sirenen sind nachtblau, der Drache giftgrün, das Meer kaltgrau. Menschen und Wesen sind nicht niedlich oder übertrieben proportioniert, sondern wirken echt - und gleichzeitig kantig wie zweidimensionale Zeichentrickfiguren.

Yvan Pommaux hat die Odyssee eingebettet in eine Rahmenhandlung: ein Vater sitzt auf dem Sofa und erzählt seinen beiden Kindern die Geschichte von Odysseus, der auf einer Insel von einer Nymphe gefangen gehalten wurde, bis die Götter und Göttinnen, die sich im alten Griechenland ja überall einmischen, entscheiden, er solle jetzt endlich nach Hause gehen dürfen. Der Vater erzählt die Geschichte nicht der Reihe nach, sondern lässt den Helden auf der Insel des Alkinoos stranden. Und dem erzählt Odysseus dann, was alles passiert ist, bevor er von der Nymphe gefangen wurde. Diese beiden Kunstgriffe machen es möglich, Erklärungen in die relativ umfangreiche Handlung einzubauen, ohne sich dramaturgisch zu verrenken: die Kinder fragen, Alkinoos fragt - und Odysseus erzählt: vom einäugigen Riesen Polyphem, von der Zauberin Kirke, die seine Männer in Schweine verwandelt hat, von den vampirzahnigen Sirenen und vom Ausflug in das Totenreich des Hades. Auch ein kleiner Ortswechsel kann so erläuternd begleitet werden: im Heimatreich des Odysseus geht es drunter und drüber, seine Frau wird gedrängt, ihren Mann für tot erklären zu erklären und neu zu heiraten, damit es wieder einen Herrscher gebe im Reich.

Und es funktioniert: die Geschichte hat sich nicht ohne Grund seit Jahrtausenden bewährt, sie ist einfach gut und auch die Kinder von heute sind fasziniert. Besonders die Jungs. Vielleicht ist es auch die Seefahrer-Piraten-Anmutung, die sie in ihren Bann zieht. Jedenfalls saugen sie die Namen der Helden und Heldinnen - Odysseus, Alkinoos, Telemachos, Demodokos, Polyphem, Kalypso, Penelope - geradezu auf, lesen nach, was hinten im Register an zusätzlichen Informationen zu bekommen ist, malen ihre Lieblinge nach und bauen Szenen in ihr Spiel ein wie sonst Wickie und Halvar.

Auch viele Väter lesen dieses Buch lieber vor als so manches andere - und nicht, weil sie ihren Kindern literarisches Weltkulturerbe vermitteln wollen.
Mütter dagegen sind nicht immer so begeistert.

Insgesamt ist ganz schon viel drin in dem Buch, in jeder Hinsicht - aber auch viel Gewalt. Sie wird zwar nicht verherrlicht und Verletzungen und Monster sind eher schematisch dargestellt, verbreiten keinen Ekel und kein namenloses Entsetzen. Gewalt wird als das dargestellt, was es damals war: das normale Mittel, um Konflikte zu lösen und um sich Macht, Status und Ansehen zu sichern. Warum der Odysseus als besonders schlau gepriesen wird, ist aus heutiger Sicht nicht ganz klar. Er bringt sie doch bloß alle um! Würde man von einem listenreichen Helden nicht erwarten, dass er die Riesen, Drachen, Sirenen und Zauberinnen irgendwie intelligenter aufs Kreuz legt?

Immerhin gibt es ein Happy End: Von Alkinoos bricht Odysseus auf, gelangt nach Hause, wird von seiner Frau Penelope erkannt; er besiegt mit einer List - und Pfeil und Bogen - all die bösen Männer, die seine Frau bedrängen und auch gerne König geworden wären. Und dann gehen Odysseus und Penelope Hand in Hand ins Schlafgemach.

Fazit:

Die Geschichte um den schlauen Odysseus gehört zum literarischen Weltkulturerbe - und fasziniert heute nicht viel weniger als vor 3000 Jahren. Besonders wenn sie nicht wie ein aufgespießtes Insekt im Museum präsentiert wird, sondern so zeitgemäß, modern und mitreißend von Yvan Pommaux. Und so von einer klassischen Sage zu einem coolen Buch von Jungs für heute geworden ist.

Sigrid Tinz

 

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