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Idee
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Idee

Yann ist vielleicht gar nicht das Kind seiner Eltern? Was ihn in Angst und Schrecken versetzt, setzt auch kreatives Potenzial frei. Rasch ist ein Plan geschmiedet, mit dem alles wieder gut werden soll.

Bilder

Reduzierte schwarz-weiß Bilder zeigend emotional ausdrucksstarke Illustrationen der jeweils beschriebenen Situation.

Text

Wunderbar erzählte Geschichte, die der Ernsthaftigkeit der Situation Respekt zollt und trotzdem mit viel Witz und Humor Yanns Gedanken und Beobachtungen transportiert.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2013

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. Yann ist verzweifelt. Denn seitdem der italienische Lebensmittelhändler festgestellt hat, dass er seinem Onkel Jean (den er für seinen Papa hält) so unglaublich ähnlich sieht, wächst in Yann der Zweifel. Denn seinem Vater sieht er tatsächlich überhaupt nicht ähnlich - was tun?

Yann hat sehr blasse Haut und blondes Haar. Ganz anders als sein Bruder Clovis, der aussieht wie eine Miniaturausgabe des Vaters - braune Haare, mandelförmige Augen und das ganz besondere Grübchen am Kinn. Das kann doch nur heißen, dass Yann gar nicht wirklich zur Familie gehört, oder? Vom vielen Grübeln und Zweifeln wird Yann ganz krank und verkriecht sich schnell ins Bett. Dort nagen die schlimmsten Träume an ihm: ist vielleicht tatsächlich Onkel Jean sein Vater? Oder ist er adoptiert wie Barbara aus seiner Klasse?

Als es Yann auch am nächsten Tag nicht besser geht, darf er einen Tag zu Hause bleiben, davon etwa vier Stunden allein. Perfekt für Yanns Plan. Kaum ist die Wohnungstür hinter seiner Mutter ins Schloss gefallen, schlüpft er in seine Sachen und schleicht auf die Straße. Sein Ziel: das Kaufhaus in der Nähe. Doch er darf von niemandem entdeckt werden und es gilt, so manche Hürde und neugierige Nachbarin zu überwinden. Im Kaufhaus steht er vor dem scheinbar endlosen Regal mit Haarfärbemitteln und entschließt sich schließlich für "Colorbelle Schokogoldbraun". Schnell wird die Packung zu Hause unters Bett gestopft, dann ab dem Mittag wird sich Yanns Oma um ihn kümmern. Yann nutzt die Gelegenheit und unterzieht sie einer Art Verhör zu seiner Geburt. Und wieder fühlt sich Yann in seinem Verdacht bestätigt, denn seine Zweifel, ob er vielleicht kurz nach der Geburt vertauscht wurde, kann auch seine Oma nicht aus dem Weg räumen.

Am Abend ist es dann soweit und Yann schließt sich mit der Haarfärbepackung im Bad ein. Erwartungsvoll setzt er sich damit in die Wanne, liest sich aufmerksam die Gebrauchsanweisung durch und beginnt vorsichtig, eine Verschlusskappe Farbe in seine Haare einzumassieren. Das Ergebnis: eine Seite graue Haare, auf der anderen Seite blond wie bisher. Also noch eine Portion Farbe auf den Kopf. Dann warten, ausspülen und trocknen. Ganz komisch wird Yann, als er das dunkle Wasser in der Wanne sieht und noch komischer, als er in das verfärbte Handtuch blickt. Und schließlich entdeckt er die dunklen Streifen auf seinem Bauch, die auch mit Schrubben nicht abgehen. Und schließlich seine Haare! Blonde Strähnen neben grauen Strähnen und vereinzelten braunen. Also weitermachen und diesmal nicht zimperlich sein. Yann schüttet nun die Farbe direkt aus der Flasche auf seinen Kopf, sitzt in schwarzem Badewasser und ist mehr oder weniger komplett grau eingefärbt. Da hilft ihm auch das Schrubben mit der Nagelbürste oder dem Waschhandschuh nichts - die Farbe bleibt dran. Außerdem ist die Wanne von einem schwarzen Film überzogen, ganz zu schweigen von den Handtüchern und der Badematte.

Yann zieht sich wieder seinen Schlafanzug an, wickelt sich einen Schal um den Hals, setzt sich eine Mütze auf den Kopf und legt sich ins dunkle Kinderzimmer ins Bett. Es kommt, wie es kommen muss: erst entdecken Yanns Eltern, was er mit sich selbst angestellt hat und unter Tränen erzählt er ihnen, was ihm in den letzten Tagen durch den Kopf gegangen ist. Die tröstenden Worte werden schnell durch einen entsetzten Aufschrei aus dem Bad abgelöst und einem mächtigen Wutanfall seiner Mutter. Natürlich muss Yann am nächsten Tag wieder in die Schule und verkauft dort seine Verwandlung als seltene Krankheit, die nur durch eine Rasur des Kopfes abgewendet werden konnte. Und schließlich zeigt ihm Yanns Papa noch ein Foto von Yanns Uropa, der genauso blond und hellhäutig war wie Yann.

Kleine Bemerkungen können manchmal verheerende Auswirkungen haben, auch wenn sie eigentlich lieb gemeint sind. Denn der Lebensmittelhändler hatte sicher nichts Böses im Sinn, als er Yann und seinen Onkel auf ihre frappierende Ähnlichkeit ansprach. Schließlich hat er nicht wissen können, dass Yann gar nicht mit seinem Vater einkaufen war. Und doch: so leichtfertig, wie es dahingesagt war, so verheerende Auswirkungen hatte die Anmerkung für Yann. Seine Gedanken beginnen, sich zu drehen. Immer und immer wieder sucht er nach Ähnlichkeiten zwischen seinen Eltern und sich und je weniger er entdeckt, desto mehr wird für ihn zur Gewissheit, dass er eigentlich gar nicht zu dieser Familie gehören kann. Doch auch, wenn ihn dieser Gedanke ganz krank macht, gibt er nicht auf sondern schmiedet einen ziemlich ausgefuchsten Plan, mit dem er die äußere Ähnlichkeit einfach selber herstellen will. Denn Yann lässt sich nicht unterkriegen sondern nimmt sein Schicksal selbst in die Hand.

"Bitte nicht nachmachen!" möchte man den eigenen Kindern zurufen und muss doch gleichzeitig lachen über Yanns pragmatischen Plan, seine Umsetzung und deren Folgen und die damit verbundenen, eingestreuten trockenen Beobachtungen. Denn die hier erzählte Geschichte lebt von der Situationskomik, in die sich wohl jeder hineinversetzen kann. Sicher hat sich nicht jedes Kind schon einmal die Haare gefärbt, aber angemalte Tapeten oder abgeschnittene Haare (die eigenen oder die der Puppe) haben die meisten Eltern schon erlebt. Und fragt man nach dem Warum, dann ist die Erklärung in sich meistens durchaus logisch. Wie bei Yann. Denn auch das ist ein Merkmal der hier erzählten Geschichte: sie ist mitten aus dem Leben gegriffen, spielt in einer Durchschnittsfamilie und kann so oder ähnlich jeden treffen.

Die an und für sich überraschende Handlung ist durchsetzt mit Yanns phantasievollen Gedankengängen und trockenen Beschreibungen seiner Umwelt. So stellt er sich beispielsweise seine Eltern in einem Adoptionskaufhaus vor, wie sie vor seiner Wiege stehen und über ihn diskutieren: "Der ist sehr gut. Ich finde ihn ganz knuddelig." "Ist er auch nicht zu teuer?"... "Fünfundfünzig Euro das Kilo. Nicht gerade spottbillig, aber ein Baby kauft man ja nicht jeden Tag." Auch sein (ein bisschen) gespieltes Kranksein oder der Spießrutenlauf zum Kaufhaus sind gespickt mit allerlei trocken-witzigen Bemerkungen. So gibt Yann detailliert Auskunft, wie man sich am besten im gespielten Schlaf bewegt ("Man braucht eine gute Technik. Ich habe lange geübt, bis ich es konnte.") oder beschreibt seine Nachbarin Madame Bonjour so treffend, dass man meint, die Person vor sich sitzen zu sehen: "Wenn sie sich langweilte, schaute sie aus dem Fenster. Und da sie nichts zu tun hatte, langweilte sie sich dauernd!".

Trotz der vielen lustigen Szenen und Beschreibungen macht sich Xavier-Laurent Petit nie über Yann lustig, sondern behandelt seine Geschichte mit all ihrer Situationskomik mit dem nötigen Ernst und Respekt, den sie verdient. Denn natürlich sind Zweifel an der Zugehörigkeit zur eigenen Familie eine Situation, die Kindern den Boden unter den Füßen wegziehen kann und keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Dennoch gelingt es dem Autor ein humorvolles und würdevolles Buch über ein ernsthaftes Thema zu schreiben, welches einfach Spaß macht. Er bringt Yanns Befürchtungen kurz und knapp auf den Punkt und beschreibt plastisch seine Ängste, so dass sich junge Leserinnen und Leser sehr gut einfühlen können.

Die Sätze sind altersgerecht kurz, die Schriftgröße angemessen groß gewählt. Die Geschichte ist in sieben Kapitel unterteilt, so dass geeignete Lesepausen jederzeit möglich sind. Als auflockernde Elemente sind schwarz-weiß Illustrationen von Gabriel Gay eingeflochten, teilweise seitenfüllend, teilweise halbseitig, die die jeweils beschriebene Situation schlicht und mit hohem Wiedererkennungseffekt zeigen.

Fazit:

"Nicht ganz der Papa" ist eine unterhaltsame und witzige Geschichte mit vielen Denkanstößen zu Herkunft, Zugehörigkeit und Kinderseelen. Zweifelsohne ein Türöffner, um demnächst die Spuren der eigenen Familiengeschichte zu erforschen.

Claudia Goldammer

 

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