Couch-Wertung:

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Idee
Text

Idee

Eine Welt ohne Wünsche wäre eine Welt des Stillstands. Eine kleine Schneiderin und ein großer Vogelmann bringen den Wind zurück ins Dorf und die Wünsche zu den Menschen.

Text

Im französischen Original klingt der Text sehr poetisch und verbindet sich mit den Bildern zu einem (visuellen) Gedicht. Die deutsche Übersetzung harmoniert weniger und ist teils eher holprig.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Feb 2014

Was wäre, wenn es keinen Wunsch mehr gäbe auf der Welt? Wären wir dann alle wunschlos glücklich? "Im Garten der Pusteblumen" erzählt wie zwei Wünsche verloren in einer Welt, in der es nichts mehr zu wünschen gibt, alles verändern. Es ist ein durch und durch charmantes Plädoyer fürs Träumen. Denn, was ein erfülltes Leben ausmacht, ist doch gerade die Fähigkeit wünschen zu können. Die schönsten Momente des Glücks werden uns dann zuteil, wenn die Erfüllung unserer Bedürfnisse gestundet ist. Eine poetische Antwort auf Überfluss, Rationalität und Technik und eine verträumte Hommage an die Magie der Welt.

Im Tal der Windmühlen (frz. Originaltitel "La vallées des moulins") ändert sich das Leben ganz fundamental als die "Perfekten Maschinen" eingeführt werden, die jeden Wunsch auf Knopfdruck erfüllen können. Die Menschen selbst werden ihren Robotern immer ähnlicher und zwischenmenschliche Nähe kann kaum noch entstehen. Ein Traum von Allmacht und Kontrolle verwirklicht sich: eine Dystopie in der es keine Individualität mehr gibt, jeder eine Rüstung mit Kabelanschluss trägt und Mensch und Maschine nicht mehr auseinandergehalten werden können.

Ganz hinten huscht eine Gestalt durchs Bild: ein grüner Rockzipfel und ein rötlich schimmernder Schopf mit Haarnadel. Das ist Anna, die Schneiderin des Dorfes, eine zierliche Gestalt mit verträumt-verklärtem Blick und magisch bewegtem rubinrot-leuchtenden Haar. Sie gehört zu den Wenigen, die nicht zu träumen verlernt haben als die Windmühlen aufhörten sich zu drehen und der Zauber des Wünschens verödete. Ihr Herzenswunsch: Sie möchte etwas ganz Besonderes nähen.

Nachts wandelt Anna durch den Mondschein, wenn die Dorfbewohner schlafen. Dabei trifft sie auf den Vogelmann - eine riesenhafte Gestalt mit langer Schnabelattrappe - der auf den Dächern der Windmühlen vom Fliegen träumt. Jeden Tag probiert er aufs Neue mit selbstgebauten Flügeln abzuheben und verliert trotz seines täglichen Scheiterns niemals den Mut und Antrieb für den nächsten Versuch.

Anna nimmt die Herausforderung an, sie überlegt: "Wie bringt man einen Riesen zum Fliegen, als wäre er eine Feder?" Die Lösung findet sie im "Garten der Pusteblumen", den auch sie beinahe vergessen hatte, weil Sternschnuppen, Pusteblumen, Wimpern und Kleeblätter in der Welt der "Perfekten Maschinen" ihren Sinn verloren haben.

Als Anna eine Pusteblume pflückt und durch einen Atemstoß die Samen zum Fliegen bringt, haucht sie damit auch der Welt wieder Leben ein und bringt den Wind zurück ins Dorf. Die "steifen Arme" der Windmühlen setzen sich in Bewegung, die Wünsche leben wieder auf und die "Perfekten Maschinen" verlieren ihren Nutzen und schalten sich ab.

Aus den Haaren des Windes, die sich an "Felszähnen" verfangen, näht Anna in dieser Nacht einen Fluganzug. Am Morgen trägt der Wind das Kostüm zum Vogelmann und als die Dorfbewohner voller Ideen, innerer Wärme und Tatendrang erwachen, breitet der Vogelmann seine Flügel aus und schwingt sich hinauf zu den Wolken um zu tanzen und seinen Traum zu leben.

"Im Garten der Pusteblumen" ist ein liebevolles Plädoyer für Träume, Wünsche und den Glauben an die Beseeltheit der Natur. Die Gegensätze, die aufgebaut werden, sind allzu bekannt und werden nicht in ihrer Komplexität durchleuchtet. Hier steht - wie so oft - Natur gegen Technik, Mensch gegen Maschine. Die Phantasie des Menschen und Magie der Natur trifft auf die Rationalität und Nüchternheit der technisierten Welt. Die "Perfekten Maschinen" schaffen einen Zustand, in dem dumpfe Zufriedenheit vorherrscht, die Zeit still steht und sich nichts mehr verändert - ein schreckenerregendes Ende der Geschichte. Die beseelte Welt des Wünschens aber macht den Menschen glücklich gerade weil sie alles in Bewegung setzt und für Veränderungen sorgt.

Im französischen Original hat die Plakativität der Gegensätze weniger Gewicht, weil die Sprache sehr poetisch ist und sich mit den faszinierenden Bildwelten der preisgekrönten Illustratorin Noelia Blanco zu einem (visuellen) Gedicht verbindet. In der deutschen Übersetzung stört gerade die wiederkehrende Bezeichnung "Perfekte Maschinen" und die fehlende Poesie der Sprache lässt inhaltliche Komponenten stärker in den Vordergrund rücken und fraglich werden. Dennoch werden sich viele LeserInnen - und sicher auch schon die Kleinsten - von den atemberaubenden Farblandschaften und surrealistisch angehauchten Kompositionen in den Bann ziehen lassen.

Der Illustrationsstil zeigt unmittelbare Ähnlichkeit zu Agnés de Lestrades Bilderbuch "Die große Wörterfabrik", welches 2010 nicht zuletzt wegen Blancos eigenwilligen Zeichnungen mit dem Kinderbuch-Couch Star ausgezeichnet wurde. Die surrealistische Jonglage mit Proportionen, das Tiefe erzeugende Spiel mit Licht und Schatten, die träumerisch wirkende Weichzeichnung der Übergänge, die ruhige Bewegtheit der Bilder laden zur längeren und wiederholten Betrachtung ein.

Fazit:

"Im Garten der Pusteblumen" ist eine stimmungsvolle Gutenachtgeschichte und ein traumhaft schöner Einwurf in die Zeit. Wenn es auch ein wenig verklärt wirkt, so steckt das Buch durch seine märchenhaften Bilderwelten doch voller Magie!

Anneka Esch-van Kan

 

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Letzte Kommentare:
16.04.2019 10:56:11
Obinata

dieses Buch kann sehr gut zur Anregung genutzt werden mit Kindern über Mißstände in dieser Welt zu sprechen. Was sind wohl die Wünsche einer Person, die kein Zuhause hat, einem Kind
, das nichts zu essen hat, einer Person, die einsam ist,... es kann zum Nachdenken anregen. Ich denke an die Familie meiner Brieffreundin im Kongo, deren Kinder gerne hier, in Deutschland studieren würden und es ihnen nicht ermöglicht werden kann.