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Eine Dürre bringt Not übers Land. Die Regentrude muss eingeschlafen sein, sagt Mutter Stine. Der Wiesenbauer hält von dem Aberglauben nichts: wenn sie Regen schafft, dürfe seine Tochter ihren Sohn heiraten. Auch Rumpelstilzchen verhindert das nicht.

Bilder

„Die Regentrude“ ist ein Kunstmärchen von 1862. Kindgerecht ist die Sprache nicht – lädt aber dennoch selbst kleine Kinder zum Zuhören ein. Viele heute ungebräuchliche Wörter sind ersetzt, ohne den poetischen Klang und Rhythmus zu beschädigen.

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Leinwand-Texturen erinnern an Ölgemälde. Flammenartig auslaufende Sandfarben und ein expressives Mienenspiel bringen Bewegung ins Bild. Die Stimmung der Dürrezeit wirkt dabei nicht bedrohlich. Das florierende Grün der zweiten Hälfte bildet einen Kontrast.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2014

Regen am Hochzeitstag - das kann ein wahrer Segen sein. Es braucht kein Schloss und keine Prinzessin um ein Märchen zu erzählen. Mit der "Regentrude" schuf Theodor Storm im 19. Jahrhundert eines der schönsten Kunstmärchen der deutschen Literatur. Schade, dass viele es nicht mehr kennen. Und schön, dass der Coppenrath-Verlag eine rundum überzeugend modernisierte Fassung in die Kinderklassiker-Reihe aufgenommen und das Märchen damit vor dem Vergessen gerettet hat.

Eine verheerende Dürre liegt über dem Land. Verdorbene Ernten bedrohen die Existenz der Bauern. Nur der Wiesenbauer profitiert: eine Fuhre Heu nach der anderen fährt er heim. Die alte Witwe Mutter Stine bittet ihn um Aufschub für einen Kredit.

Dabei kommt das Gespräch auf die Kinder: Andrees und Maren sind verliebt. Eine Hochzeit steht außer Frage. Doch dann kollidieren Weltbilder: der aufgeklärte Wiesenbauer fühlt sich vom Glauben der Witwe an den Mythos der Regentrude provoziert. Also wettet er: "wenn Ihr binnen 24 Stunden Regen schafft ...soll Euer Andrees meine Maren zur Frau bekommen!".

Mutter Stine kann sich jedoch nicht an den Spruch erinnern, mit dem ihr Urahne die Regentrude einst geweckt hatte. Andrees löst das Problem als er von einem hutzligen Kobold berichtet. Mit "schnarrender, quäkender Stimme" habe der Feuermann gesungen:

 

"Dunst ist die Welle,
Staub ist die Quelle!
Stumm sind die Wälder,
Feuermann tanzet über die Felder!
Nimm dich in Acht!
Eh du erwacht,
holt dich die Mutter
heim in die Nacht!"

Nun kennen sie den Spruch, aber keiner weiß den Weg. Mit einer List entlockt Andrees dem Feuermann das Geheimnis. "Das Sprüchlein [aber] weiß keiner als Eckeneckepenn, und Eckeneckepenn, das bin ich!" - denkt der fiese Kobold und irrt sich damit gründlich.

Andrees und Maren steigen in die Unterwelt. Die letzten Schritte durch tote Gärten geht Maren allein. Mit dem Spruch weckt sie die schlafende Gestalt. Als sie auch den Brunnen aufschließt und das Wasser fließt, erscheint die Regentrude in ihrer vollen Schönheit. Das Gras sprießt, die Blumen blühen, Libellen und Schmetterlinge flattern um ihre Köpfe.

Das Liebespaar kehrt heim und feiert mit den Dorfbewohnern den langersehnten Regen. Am Hochzeitstag hängt eine Wolke über Maren. Sie lächelt: "Das war die Regentrude!"

Die Regentrude stellt dem aufgeklärten Glauben an Vernunft und Wissenschaft die Nähe des Menschen zur beseelten Natur entgegen. Die Beschreibungen der Dürre und der sterbenden Tiere können erschrecken, dennoch trifft die Erzählung auf das Interesse der Kinder - und zwar besonders durch den Rückgriff auf bekannte Märchen: Der Feuermann ist das arglos bösartige Rumpelstilzchen; die Unterwelt ähnelt dem Paradies der die Nächte durchtanzenden Prinzessinnen; und die Regentrude lässt an Frau Holle denken.

Die typische Kinderlektüre ist Storms Kunstmärchen dennoch nicht. Dialoge stehen im Wechsel mit ausgedehnten Situations- und Landschaftsbeschreibungen. Die Syntax ist komplex und die Sprache durchsetzt mit Bildern. Der schöne Klang und der märchenhafte Ton des Textes bieten jedoch einen Zugang - auch wenn nicht jedes Wort verstanden wird.

Genial ist die sprachliche Modernisierung. Die Erzählung wird nicht aus ihrer Zeit gerissen - eine gewisse Fremdartigkeit bleibt bestehen und auch eigentümliche Wörter sind erhalten. Dennoch kommt es in fast jedem Satz zu Anpassungen: ungebräuchliche grammatikalische Formen sind ersetzt, schwierige Sätze - wenn möglich - teils gestrichen. Sehr viele Wörter sind ausgetauscht worden: aus "Dorfkläffern" werden die "Dorfhunde", aus "Gefasel" das "dumme Märchen". Trotzdem bleibt Storm Storm - eine wahre Meisterleistung!

Die Illustrationen von Almud Kunert machen das samtverzierte Buch schließlich zu einem besonders wertvollen Schatz. Die glühende Hitze der Dürrezeit wird durch flammenartig auslaufende Linien eingefangen - wie im Text, spielt die Landschaft eine entscheidende Rolle. Braun-, Ocker- und Sandtöne dominieren im ersten, Grün und Blautöne im zweiten Teil des Bandes. Dabei umspielen die Bilder den Text, so dass es trotz der umfangreichen Textmenge zu einem dynamischen Zusammenspiel kommt.

Fazit:

Ein guter Grund den Regen lieben zu lernen! Die Regentrude von Theodor Storm in einer sprachlich genialen Überarbeitung mit zauberhaften Landschaftsbilder und einer königlichen Verpackung.

Anneka Esch-van Kan, Mai 2014

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