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Ein Kind das Schwimmen geradezu panisch hasst – und das uns sein Leben und seine Vermeidungsstrategien rund um den Schulschwimmdonnerstag bunt ausgeschmückt und mit schicksalsergebenen Galgenhumor erzählt. Mit einem schön schrägem Ende.

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Anke Kuhl hat die kleinen schwimmenden Gidds gezeichnet, die jedes Kapitel einläuten und denen man jedes Gefühl direkt vom kulleräugigen Gesicht ablesen kann.

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Der Text ist so wie man denkt, dass Kinder reden, wenn sie erzählen: verschlungen, mit ihrer eigenen Logik und, ja, manchmal kommt auch das Wort Pimmel vor.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2014

Für den 9-jährigen Gidd ist Donnerstag der schlimmste Tag der Woche: Donnerstag ist Schulschwimmen. Gidd ist das, was Badenixen und Schwimmfreaks 'Wassermemme' nennen. Gidd hasst Schwimmen, er hat Angst davor und gut darin ist er natürlich sowieso nicht. Gidd hat verschiedene Tricks, um sich drumherum zu mogeln. Und er hat so etwas wie ein Orakel, an dem der Schulschwimmbus immer vorbeikommt: Den Mann auf der Bank, der Tauben füttert. Wenn er da ist, wird sich die Schwimmstunde irgendwie überstehen lassen.

Schwimmbadwasserblaues Cover, schwimmbadwasserblaue Schrift, schwimmbadwasserblaue kleine Zeichnungen zu jedem Kapitelauftakt - ganz klar: hier geht's ums Schwimmen. Genauer: um die Angst, die der 9-jährige Gidd davor hat. Und um die Tricks, mit denen er sich um den Schwimmunterricht herumzumogeln gedenkt und die er alle säuberlich nummeriert in einem Heft gesammelt hat: den Fußballtrainingstrick, verschiedene Auf-der-Toilette-Verstecken-Tricks oder den Feuermeldertrick. Die meisten Tricks traut er sich aber nicht anzuwenden - oder maximal nur einmal. Damit es nicht auffällt. Außerdem hat er so etwas wie ein Orakel: den "Taubenmann". Das ist ein bärtiger Alter, der auf einer Bank sitzt, an der der Bus zum Schulschwimmen vorbeifährt und die Tauben füttert. Ist der Taubenmann da, wird's schon gehen. Ist er nicht da, dann sieht es schlecht aus. Zum Glück ist er fast immer da.

Gidd selbst ist der Erzähler. Seine Geschichte beginnt in den Sommerferien - einer schulschwimmfreien, paradiesischen Zeit - an einem Tag, an dem seine Mutter ihm eine neue Badehose kaufen will, egal wie teuer, Hauptsache, er fühlt sich gut darin. Das soll ihr Beitrag sein, ihm das Schwimmen im neuen Schuljahr erträglicher zu machen. Und erfolgreicher.

Von dieser Unternehmung ausgehend und darein verschränkt, erzählt Gidd vom letzten Schuljahr; von seinem Vater, den es nicht gibt, weil seine Mutter eine bewusst alleinerziehende Frau ist und durch künstliche Befruchtung schwanger geworden ist, er erzählt von seinem besten Freund Bart, der seinen Geburtstag im Spaßbad feiern will, von seinem allerersten Schwimmkurs, in dem er immerhin sein A-Abzeichen geschafft hat. (Das Buch spielt in den Niederlanden, die ein etwas anderes System bei den Abzeichen haben, aber da ist man schnell drin).

Der Erzählstil klingt wie eine Mischung aus Dingsda, Bullerbü und kleinem Nick - eben so, wie es sich anhört, wenn man denken soll, das ein Kind erzählt: ein bisschen langatmig, weitschweifig, verschlungen und mit der typischen Kinderlogik, mit der sie sich das Verhalten von Erwachsenen erklären. Für erwachsene (Vor-)Leser ist es stellenweise, wie in einen Spiegel zu schauen und sehr amüsant. Es sei denn, man nimmt sich fürchterlich ernst, dann wird man sich an diesen Stellen ärgern.

Stichwort Ärgern. Das wird sich auch ab und an, wer meint, die Wörter Pimmel, Brüste und Samenspenden hätten nichts in einem Kinderbuch verloren. (Und sei es nur, weil man dann anstrengenderweise von seinem Kind genauer zu diesen Themen befragt werden wird.) Denn klar, wenn ein 9-jähriger Junge erzählt, dann kommt das Wort Pimmel eben auch mal vor. Ärgern werden sich auch alle, die meinen, dass es in Kinderbüchern immer pädagogisch und politisch korrekt zugehen müsse, dass auftretende Eltern und Lehrer Übermenschen sein müssen, die immer genau wissen, welchen psychologischen Knopf sie drücken müssen, damit sich ein Junge nicht mehr mit Lügen ums Schwimmen mogelt. Sondern sich seiner Angst stellt, sie überwindet, seine Abzeichen macht und fortan keine Wassermemme mehr ist, sondern ein Junge, der gerne schwimmt.

All das passiert nämlich nicht. Eigentlich wird alles nur noch schlimmer. In der ersten Schwimmstunde nach den Ferien, in der die Kinder nach Können neu eingeteilt werden, ist er auf einmal der allerschlechteste und bekommt Einzelunterricht vom Bademeister persönlich. Und dann sitzt auch noch der Mann mit den Tauben nicht mehr auf der Bank. Woche um Woche hofft Gidd - und wird enttäuscht.

Alle, die ihm helfen wollen, machen es nicht besser, eher schlimmer; in einem Gespräch mit seiner Mutter eskaliert die Situation und Gidd läuft weg. Er MUSS den Taubenmann finden, sein Leben scheint davon abzuhängen und deswegen traut er sich, bei den Leuten im Haus gegenüber der Bank zu klingeln und zu fragen, wann sie den Mann das letzte Mal gesehen haben.

Ob er ihn findet? Ob er doch noch das nächste Schwimmabzeichen machen wird? Das Ende wird hier nicht verraten. Nur so viel: wer pädagogisch anspruchsvoll ist und eine klare Moral von der Geschichte erwartet, dem wird es dieses Buch abermals nicht recht machen. Das Ende ist herrlich schräg und gleichzeitig sehr realistisch.

Fazit:

Diese Geschichte ist weder politisch korrekt noch das, was man unter pädagogisch wertvoll versteht - und gerade deswegen klasse! Ehrlich, lustig, auch mal spannend und perfekt für alle, die gerade oder mal wieder Schwimmunterricht haben. Sie lässt sich prima kapitelweise abends vorlesen und eignet sich auch zum Selberlesen.

Sigrid Tinz, Mai 2014

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