Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Bei allen satirischen Seitenhieben ist es doch ein durch und durch liebenswertes Buch voller Gefühl und schier grenzenloser Fantasie, das sich nicht an logischen Zusammenhängen orientiert, sondern eine einfach gute Geschichte erzählt.

Bilder

Schlichte, aber ausdrucksvolle Strich-Zeichnungen von Oliver Jeffers Zahl- und abwechslungsreich begleiten sie die Geschichte. Und treffen den manchmal schrägen Humor sehr gut.

Text

Mit viel Gefühl, Erzählfreude und scheinbar grenzenloser Fantasie vermittelt D. Almond Botschaften und Bilder, die nicht erklärt werden müssen, denn sie sind so, wie sie sind, schon deutlich. Aus dem Englischen von Alexandra Ernst

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2014

Stan Potts lebt mit seinem Onkel und seiner Tante in einem kleinen Hafenort. Alles ist gut, bis die Werft schließt, Onkel Ernie durchdreht und das Haus in eine Fischfabrik verwandelt. Fortan gibt es nur die Maschinen, den Fisch und die Konserven. Für Stan ist nur noch Platz im Wandschrank, aber er hat sich tapfer in sein Schicksal gefügt. Bis er an seinem Geburtstag den nahegelegenen Rummel besuchen darf.

Stan Potts Start ins Leben hätte wirklich besser sein können - aber es hätte auch schlimmer kommen können. Nachdem Stans Eltern gestorben sind, haben ihn Tante Annie und Onkel Ernie bei sich aufgenommen. Sie lieben ihn und er liebt sie - sie sind eine glückliche, kleine Familie. Doch der Verlust des so sicher geglaubten Arbeitsplatzes macht Onkel Ernie sehr zu schaffen - bis er eines Tages die verrückte Idee hat, Fischkonserven herzustellen. Das Familienleben wird durch die vielen Maschinen unmöglich gemacht. Sie haben nicht einmal mehr einen Tisch, an dem sie gemeinsam essen können. Sie arbeiten nur - von Früh bis Spät.

An Stan´s Geburtstag gibt sich Tante Annie richtig Mühe, mit Kuchen, Süßigkeiten und Kerzen und schickt ihn auf den Rummelplatz, damit er Spaß hat. Hier trifft er zum ersten Mal auf Dostojewski, dem Besitzer der Entenangel-Bude. Als Preis hängen dort 13 Goldfische in ihren Plastiktüten und warten darauf, gewonnen zu werden. Stan ist fasziniert von den glitzernden Fischen und handelt mit Dostojewski aus, dass er sie behalten darf, wenn er alle Angel-Enten putzt, die es auch ziemlich nötig haben. Als Stan glücklich mit seinen 13 Fischen nach Hause kommt, hat sein Onkel in seinem Fischkonservenwahn schon wieder eine neue Geschäftsidee. Als Stan schläft, stiehlt er die Fische und verarbeitet sie kurzerhand. Nur der 13. Fisch, der kleinste von allen, ist Onkel Ernie entwischt. Als Stan von der Tat erfährt, ist er so erschüttert, dass er zusammen mit dem 13. Fisch wortlos das Haus verlässt. Er erinnert sich an das Angebot von Dostojewski, bei ihm zu arbeiten, und fährt mit der Rummel-Gesellschaft davon. Eine sehr große Entscheidung, die Stans Leben von Grund auf ändern wird - und das seiner sympathischen Weggefährten ebenso.

Aber halt: Eines hatte ich ja fast vergessen. Es gibt da noch eine sehr merkwürdige Behörde, die sich "Direktoramt zur Oberhoheitlichen Ordnungsbeschäftigung von Fisch" - kurz, DOOF - nennt. Die Beamten für allerlei "fischige Angelegenheiten", allen voran Clarence P. Klapp, haben ein sehr strenges Auge auf das Haus der Potts geworfen und machen Onkel Ernie die Bude kurzerhand dicht; wegen "Fischigkeit und Gaunerei". Mit Clarence P. Klapp und seinen tumben Helfershelfern ist nicht zu spaßen.

Ich würde es jetzt gerne so wie David Almond machen, der so mittendrin - um genau zu sein, gerne wenn es spannend wird - die Schauplätze wechselt und diese einleitet mit Sätzen wie "aber schauen wir doch mal was ... macht". Sehr schön sind auch seine Flüge in die Erdumlaufbahn, um dann zurück zu einem anderen Ort zu fliegen, wo sich die Geschichte parallel weiterentwickelt. Natürlich neckt er seine Leser, indem er den Erzählfluss an der aufregendsten Stelle unterbricht und mit "Zoom" die Perspektive wechselt. Die Männer der "DOOF-Behörde" sowie Ernie und Annie, die längst verzweifelt auf der Suche nach ihrem geliebten Jungen sind, werden immer wieder ins Spiel gebracht, während sich für Stan anbahnt, weshalb er überhaupt dort ist. Seine Bestimmung: Mit den Piranhas schwimmen.

Aber bis es soweit ist, ist es noch ein langer Weg. Und wir Leser lernen gerne so manches "Jahrmarkt-Original" kennen, so einiges kommt uns auch ziemlich Surreal vor und anderes wiederum geht zu Herzen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass es Stan gelingt, die stets mürrische (eigentlich unglückliche) Tochter von Dostojewski wieder neuen Lebensmut zu geben. Und das ist auch schon wieder eine Geschichte unter den vielen anderen.

Stans Geschichte selbst ist in drei Kapitel oder besser gesagt, in drei Stationen unterteilt. Sein Abenteuer beginnt mit "Die Fabrik" geht weiter mit "Der Jahrmarkt" und endet schließlich, wen überrascht es, mit "Das Piranha-Becken". Dabei spricht David Almond schon von Anfang an seine Leser direkt an. Manchmal humorvoll, manchmal nachdenklich, ein anderes Mal sehr mitreißend, wenn er die die Magie des Moments für uns einfängt.

Dabei überträgt er auf die Männer von der DOOF-Behörde - diese Abkürzung ist keinesfalls Zufall - sehr viel Gesellschaftskritik. "Fischigkeit" als Synonym für all das, was außerhalb ihres Horizonts liegt, muss falsch sein. Wie verdreht sie die Welt sehen, die Korrekten und rechtschaffenden Normierer, zeigt nicht nur ihre Dummheit und Begriffsstutzigkeit, sondern auch ihre verdrehte Sprache - um genau zu sein, die Sprache von Clarence P. Klapp. Bei ihm klingt alles gewohnt und ist doch auf groteske Weise falsch. Bei ihm ist es der "Nagel der Welt" und Sätze wie "versuchen Sie nicht, Clarence P. Klapp zu verguckhühnern" oder "...ordentlich blamabös und skandabel! ... Entfarnen Sie sich!" Es gibt noch eine ganz Menge dieser verdrehten Kunstwerke und ich möchte an dieser Stelle die Übersetzungsleistung von Alexandra Ernst erwähnen. Es war bestimmt nicht immer einfach, die entsprechende Deutsche Übersetzung zu finden, die ja ebenso witzig und hintersinnig wie das englische Original sein muss. Diese Wortverdreher sind natürlich besonders spaßig für die Zielgruppe der ab 9-jährigen, die sich schon ganz gut in ihrer Sprache auskennen und die verrückten Verdreher gerne und ausgiebig auskosten werden.

David Almonds Sprache ist darüber hinaus melodisch und reich an schlichten, aber sehr genauen Bildern. Es gelingt ihm mühelos, eine ganz spezielle Atmosphäre zu erschaffen. Beinahe riecht man die Zuckerwatte, das Schmierfett der Karussells und das gebratene Eberfleisch. Die Stimmung hat etwas Verwunschenes, Vorherbestimmtes das er seinen Lesern mit jedem Wort vermittelt. Nicht zuletzt macht er seine Leser zu seinen "Komplizen", indem er die direkte Ansprache einsetzt, um sich um ein heikles Thema zu schummeln. Denn was haben die fürchterlichen Erbsenzähler und Denunzianten von der DOOF-Behörde letztlich verdient? Soll man sie laufen lassen, sollen sie ihre Strafe für ihre Niederträchtigkeit bekommen? Oder muss man einfach akzeptieren, dass es dumme Menschen gibt? Auf diese Weise legt er sich nicht fest und spielt den Ball an die Kinder zurück. Sie können dann darüber nachdenken, was sie für moralisch vertretbar halten. Sehr geschickt.

Vielleicht sind die Botschaften in diesem modernen Märchen von Freundschaft, Zivilcourage, Hoffnung, Glauben und Liebe nicht neu. Aber David Almond findet zwischen seinen Zeilen immer einen Weg zu sagen, dass jeder die Kraft in sich trägt, seinen Weg zu gehen. Wenn er nur will. Aber auch von der Notwendigkeit, Menschen in sein Leben zu lassen, die einen ohne Wenn und Aber unterstützen - auch davon erzählt seine Geschichte sehr gefühlvoll.

Einfach gut sind auch die Illustrationen von Oliver Jeffers. Die schlichten und doch so ausdrucksstarken Strichzeichnungen sind mal klein, im Detail auf einer Seite, mal doppelseitig und vor dunklem Hintergrund mit weißer Schrift, als Stan in Badehose und Umhang im Schweinwerfer-Licht steht. Oliver Jeffers Darsteller haben einen hohen Wiedererkennungswert - mit ihren merkwürdigen, flachen Nasen, die oben am Haaransatz zu beginnen scheinen. Zarte Strich- und Tuschezeichnungen, die mit etwas Helligkeit und Tiefe die Stimmung, den Tenor der Geschichte perfekt einfangen, wechseln auch mit auffälliger Typografie, Darstellungen von Plakaten, Schriftstücken und lautmalerischen Einschüben.

Fazit

Es gibt Bücher, die hinterlassen ganze Landschaften von Eindrücken, Gefühlen und Stimmungen - durch ihre Charaktere und ihre ganz persönlichen Geschichten, die so lebendig sind, dass man noch eine ganze Weile mit ihnen beschäftigt ist, auch wenn man es bereits aus der Hand gelegt hat. David Almonds "Der Junge der mit den Piranhas schwamm" ist so ein Buch.

Stefanie Eckmann-Schmechta, Juli 2014

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