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Bilder
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Idee

Lisa Graff führt ihre Leser immer einer handbreit neben der Realität entlang. Zehn Charaktere, deren Geschichten am Ende zu einer verschmelzen. Hier wird man ganz am Schluss belohnt. Mit ganz viel Glück, Magie und vielen Antworten.

Bilder

s/w Illustrationen von Felicitas Horstschäfer, Irmtraud Guhe, die die vielen Backrezepte umrahmen und mit sich wiederholenden, kleinen Detailzeichnungen, die jeweils einem Charakter zugeordnet sind.

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Stimmungsvolle Wiederholungen, Bilder voller Intensität und Humor. Gefühle so klar beschrieben, dass man sich gut in die Charaktere hineinversetzen kann. Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst

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Stefanie Eckmann-Schmechta

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Sep 2014

Cady ist elf Jahre alt, zierlich und lebt in Miss Mallorys Heim für verloren gegangene Mädchen". Mit einer großen Besonderheit: Die Mädchen, die Miss Mallory bei sich aufnimmt, bleiben nie lange - nur Cady ist schon viele Jahre bei ihr. Bis Miss Mallory wieder so ein Ziehen in der Brust spürt, das untrügliche Zeichen, dass auch Cady schon sehr bald ihre perfekte Familie finden wird ...

Cady hat ein ganz besonderes Talent: Sie kann für jeden den perfekten Kuchen backen - genau jenen Kuchen, der für diesen einen Menschen einfach der beste, der unwiderstehlichste Kuchen auf der Welt ist. Kein Wunder, dass Cady jeden Backwettbewerb in der Stadt gewinnt. Sie fühlt sich wohl bei Miss Mallory, doch sie möchte auch endlich ein eigenes Abschiedsfest haben, so wie die anderen Mädchen, die bereits ihre perfekte Familie gefunden haben. Doch egal, wie sehr Cady sich auch bemühte, nie war es die richtige für sie.

Aber es geht auch um die Familie Asher mit ihren drei Kindern. Einem talentierten Spucker, namens Zane Asher, der mit seinen Spuckebatzen" so ziemlich jedes Ziel trifft und regelmäßig in Schwierigkeiten steckt. Will Asher, dem Jüngsten Sohn, der das Talent hat, immerfort spurlos zu verschwinden - wobei er mit seinem Haustier, dem Frettchen Sally, Abenteuer sucht und sie auch findet. Marigold Asher, die Schwester der beiden, die viel Zeit damit verbringt, ihr eigenes Talent zu suchen, es aber nicht finden kann. Sie möchte keine der Mittelmäßigen sein, so wie ihre Mutter. Mrs. Asher hat ihr besonderes Talent sehr spät entdeckt: Sie kann in jeder Lebenslage stricken - aber sie hat auch eine Vergangenheit, in der sie sehr unter ihrem fehlenden Talent gelitten hat und dadurch eine wichtige Sache unterlassen hat, was sich im Verlauf der weiteren Geschichte als noch ziemlich folgenschwer herausstellt.

In all dem spielen noch ein Mann mit einem grauen Anzug eine Rolle, der stets mehr zu wissen scheint, als er zugibt, Der Eigentümer" der das Warenhaus für verloren gegangene Gepäckstücke leitet und seit mehr als fünfzig Jahren auf der Suche einem bestimmten puderblauen Koffer ist; sowie Toby, der im Warenhaus arbeitet und durch einen im wahrsten Sinne des Wortes nebulösen" Zufall ausgerechnet mit seinem Fahrzeug im Garten von Miss Mallorys Heim für verloren gegangene Mädchen landet. Hier begegnet er Cady und es ist sofort klar: Toby ist Cadys perfekte Familie.

Währenddessen kracht ein Heißluftballon in die Wohnungswand der Ashers, findet der Eigentümer endlich den gesuchten puderblauen Koffer, erhalten die Eichhörnchen im nahe gelegenen Wald auf geheimnisvolle Weise die unglaublichsten Talente und Will geht zum ersten Mal in seinem Leben wirklich verloren. Während Cady sich beim Backwettbewerb überlegen muss, welches für sie selbst der perfekte Kuchen wäre. Am Ende finden sich alle inmitten eines verregneten Kuchenwettbewerbs wieder. Die einen, weil sie etwas wieder gut machen wollen, die anderen, um ein großes Geheimnis zu aufzudecken und wieder andere, um Cady ihr großes Backtalent zu stehlen...

Gibt es da einen Zusammenhang? Ja, zu Anfang hat man wirklich das Gefühl, dass die Personen, die hier nach und nach vorgestellt werden, so gar nichts miteinander zu tun haben. Man fragt sich zuweilen sogar, warum sie überhaupt eine Rolle in Lisa Graffs Geschichte spielen. Es gibt Rückblenden, kurze Augenblicke, in denen der Mann im grauen Anzug immer wieder auftaucht - um was? In die Geschichte hilfreich einzugreifen? Erst ganz am Ende wird klar, wie sehr alle Schicksale miteinander verbunden sind. Und wie haarscharf sie vielleicht aneinander vorbei gelaufen wären, wäre nicht Cady mit ihrem Talent aufgetaucht - und natürlich der puderblaue Koffer. Familie Asher macht so ihr eigenes Dilemma durch - und zwar jeder einzelne. Und immer mal mittendrin und bisher unerwähnt: V, eine ältere Dame, die sich noch an ihre verstorbene Tochter erinnern kann, aber durch ihren Schlaganfall all ihre Worte verloren hat.

Gut, dass es zu Anfang ein kleines Register gibt, wo kleine Symbole, Detailzeichnungen wie zum Beispiel die Kugelhupf-Form für Cady, der Koffer für Toby oder das Frettchen Sally für Will gleich anzeigen, um wen es im folgenden Kapitel gehen wird. Denn Lisa Graff - als allwissende Erzählerin dieser Geschichte - beleuchtet stets einen Charakter im Fortgang ihrer Geschichte, weshalb sich auch nur schwer eine Verbindung unter den Charakteren erkennen lässt. Ebenso wenig, worum es in der Geschichte wirklich geht. Klar, Cady sucht eine Familie, Zane hat damit zu kämpfen, von seiner Direktorin als wertlos" betitelt worden zu sein und vermutlich von der Schule zu fliegen und Marigold sucht ihr Talent. Doch einen roten Faden sucht der Leser zunächst vergeblich.

Obwohl sich vieles in einer Alltagswelt abzuspielen scheint, führt Lisa Graff ihre Leser/innen doch immer einer handbreit neben der Realität entlang. Spätestens, als die Bedeutung der Talente in die Geschichte einfließt, wird deutlich, dass es Lisa Graff nicht darum geht, eine ganz und gar lebensechte Geschichte im dem Sinne zu erzählen, dass sie unsere Realität widerspiegelt; sondern eine Geschichte, deren Botschaften nahe am eigentlichen Leben sind. Eine Ebene, die manchmal viel deutlicher macht, worum es geht.

In Lisa Graffs Welt ist ein Talent beinahe etwas Greifbares, etwas das man im Leben haben und finden sollte, weil man sonst kein so wertvoller Mensch ist. Talente können gestohlen und sich von anderen Menschen einverleibt werden. Sie können in Einmachgläsern aufbewahrt werden und hat man einmal ein Talent inne, verspürt man den unwiderstehlichen Drang zu Backen, zu Stricken oder etwa einen ordentlich großen Spuckebatzen" zielgenau abzusondern.

Lisa Graff hat in ihrem magischen Kinderbuch einige schöne Einfälle einfließen lassen. Da wären zum einen die vielen, wirklich leckeren Backrezepte, die die wahrscheinlich überwiegend weiblichen Leserinnen sicherlich zum Backen motivieren werden. Denn wer möchte nicht wissen, welcher Kuchentyp man selbst ist?

Eine weitere sehr schöne Sache ist auch ihre Sprache. Lisa Graff baut bedeutungs- aber auch stimmungsvolle Wiederholungen ein. Findet manchmal Bilder voller Intensität und Humor. Und nicht selten umschreibt sie Gefühle so klar und schlicht, dass sich die Leser/innen gut in die hier dargestellten und sehr verschiedenen Charaktere hineinversetzen können. Jedem einzelnen hat sie eine eigene Biografie mitgegeben, jedem seine ganz eigenen Widrigkeiten des Lebens.

Das ist schon alles recht faszinierend, aber es reicht über lange Strecken nicht aus, um den doch etwas zähen Erzählfluss zu beschleunigen. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte ordentlich an Fahrt zu, denn die sonst so gemächlich geschilderten Ereignisse- kleine Momentaufnahmen und Rückblenden - überschlagen sich schließlich. Doch man muss schon ganz genau aufpassen, bis - ganz zum Schluss - die Wahrheit und damit das Happy End obsiegt.

Fazit

Trotz allem Zuckerguss: Hier werden junge Leser/innen herausgefordert. Dabei wirkt Lisa Graffs Geschichte, die aus dezenten philosophischen Betrachtungen sowie einem fantastischen Unterbau besteht, auf den ersten Blick ein wenig entrückt. Doch auf eine handfeste, humorvolle Weise verleiht Lisa Graff ihrer Geschichte stets einen bedeutungsvollen Unterton. Wer hier aufpasst, wird vieles entdecken. Doch erst einmal müssen die jungen Leser/innen schon etwas Durchhaltevermögen unter Beweis stellen. All jenen, die sich gerne auf geheimnisvolle Geschichten mit zauberhaften Bildern für den Kopf einlassen, kann ich Eine Messerspitze voll Magie empfehlen.

Stefanie Eckmann-Schmechta, September 2014

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