Prinzessin Lillifee - Jubiläumsband

Erschienen: November 2014

Couch-Wertung:

80%
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Idee

Die drei beliebtesten Geschichten um die freundliche Blumenfee in einem einzigen Band – perfekt für alle, die ein bisschen Lillifee im Bücherregal haben möchten.

Bilder

Zauberhafte glitzernde Bilder in weich gezeichnetem Pastell und ganz viel Rosa – „Oooh“ oder „too much“ ist Geschmackssache.

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Viele Dialoge zwischen Lillifee und ihren tierischen Freunden halten die Geschichten im Fluß wie ein munteres Bächlein.

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Sigrid Tinz

Buch-Rezension von Sigrid Tinz Nov 2014

Vor zehn Jahren erschien das erste Buch über Prinzessin Lillifee, in dem die kleine Blütenfee und ihre herzigen Tier-Freunde nette Abenteuer erleben. Zehn weitere sind seitdem gefolgt - und Mengen von allen möglichen Dingen mit ihrem Konterfei: Lillifee prangt auf Koffern und Unterhosen, auf Puzzles und Geschenkpapier, auf Taschenlampen und Mülleimern. Anlässlich des Jubiläums hat der Verlag eine Sonderausgabe mit 3 Geschichten herausgebracht.

Das Cover ist dunkelrosa, weich und über und über glitzernd - der auch nach einer Nacht mit im Bett kein bisschen abblättert! - das ganze Buch verpackt in ein kleines Papp-Schlösschen, mit dem man zwar nicht richtig spielen, aber herrlich den Nachtschrank dekorieren kann. Im Innendeckel ein Meer kleiner Röschen, hinten noch ein süßes Rezept und dann Doppelseite für Doppelseite eine rosa-zartgelb-hellgrün gehaltene, detailreiche Szene, weich gezeichnet und voller blumiger Details - und mit Lillifee natürlich und all ihren tierischen Freunden, einer herziger als der andere: das gemütliche Schweinchen Pupsi, der vorlaute Hase Henry, der behäbige Bär Bruno, der zaghafte Käfer Oskar, Frosch Carlos, Iwan, der witzige Igel mit den fünftausendzweihunderteinundzwanzig Stacheln und die beiden Mäuse-Zwillinge Clara und Cindy ...
Kurz gesagt: allein optisch erfüllt das Buch alle Anforderungen, die ein kleines, feenbegeistertes Mädchen an ein Buch von Prinzessin Lillifee haben könnte.
Erwachsene sind oft nicht soo begeistert von Lillifee. Das zeigen die folgenden Statements, die sich so oder ähnlich schnell in der Garderobe einer durchschnittlichen Kita einsammeln lassen:

"So was lest ihr?"
"Das sind doch totale Klischees!"
"Anti-emanzipatorische Stereotypen"
"Fragwürdiges Frauenbild"
"Mich stört ja in erster Linie der ganze Merchandisingkram."
"Genau, damit ködern die die Kinder, die laufen dann nur noch im Röckchen rum und schließen alle aus, die das nicht tun."

Wer diesen Ansichten aus vollem Herzen zustimmt, braucht hier nicht weiter zu lesen - man kann auch gut ohne den Lillifee-Jubiläumsband leben.
Wer zur "Wenn es das früher gegeben hätte, wäre ich auch Lillifee-Fan gewesen"-Fraktion gehört, wessen Tochter im Lillifee-Schlafanzug in Lillifeebettwäsche schläft, der braucht dieses Buch auch nicht. Denn im Jubiläumsband versammelt sind die drei besten" (so der Werbetext) der einzelnen zehn Bände: "Prinzessin Lillifee", "Prinzessin Lillifee und das Einhorn", "Prinzessin Lillifee, die kleine Ballerina". Und die kennt eine Lillifeefan-Familie alle sicherlich längst.

Für alle, die ideologisch ungefestigt irgendwo dazwischen liegen, kommt jetzt ein bisschen Rechtfertigungsargumentation:
Erstens: auch normale oder besonders gute Bücher stecken voller Klischees und starrer oder veralteter Rollenbilder. Einfach mal den Test machen. Und ein paar davon durchblättern und darauf achten, woran man erkennt - zum Beispiel bei Tierbüchern - wer männlich oder weiblich ist. Meist nämlich an stereotypen Symbolen wie Schleife im Haar oder Schürze um den Bauch. Oder wer sich jeweils um den Haushalt und die Kinder kümmert, wer mit ihnen zum Arzt und auf den Spielplatz geht; wer den ganzen Tag auf der Arbeit ist und nur abends ein bisschen Zeit für die Kinder hat, zum Spielen oder Toben, wer das Abendessen vorbereitet? Die Männer oder die Frauen? Diese Fragen kann man übrigens auch seinem eigenen Leben stellen. Oder sich überlegen, ob man die Tochter im rosa Glitzerdress Fußballspielen lassen würde - und den Sohn auch.
Das eher nebenbei.

Ganz konkret braucht man vor Lillifee eigentlich keine Angst zu haben: sie ist eine recht toughe Person, Chefin im Staate Rosarien und zuständig für alles und jedes, das in ihrem Reich lebt: morgens küsst sie die Blumen wach, abends zündet sie die Sterne an, zwischendurch kocht und backt sie und kümmert sich um jeden, der Hilfe braucht. Sie pflegt einen sehr modernen, kooperativen Führungsstil, bildet sich ständig weiter (auf der Zauberschule) und hat auch kein Problem damit, selber um Hilfe zu bitten, wenn sie mal nicht weiter weiß.

Die Geschichten drehen sich um ein wenig aber nicht zu sehr spannende Abenteuer, die die Tiere zu bestehen, Aufgaben, die Lillifee zu lösen hat, dazu viel Alltag: ernten, backen, basteln, Kleidchen ausprobieren. Sie haben in aller Regel eine gute Länge für eine Gutenachtgeschichtslänge und fließen dahin wie ein munteres Bächlein - idealer Lesestoff, wenn man als Eltern schon zu müde ist, um ein Buch bewältigen zu können, das vielleicht traurig macht oder anderweitig Gesprächsbedarf weckt, das verschiedene Stimmen für die Dialoge braucht oder höchste Konzentration, um nicht durch falsche oder monoton dahingeleierte Betonung die Pointen zu versemmeln.

Es gibt also eigentlich keinen Grund, warum man seinem kleinen Mädchen nicht ein bisschen Lillifee gönnen sollte, wenn es das gerne möchte. Dieser Sonderband ist nahezu perfekt dafür.

Fazit:

Der Sonderband zum 10-jährigen Lillifee-Jubiläum ist nichts für totale Lillifee-Fans, denn es ist ein Sonderdruck dreier schon früher erschienener Geschichten. Das Buch ist natürlich auch nichts für totale Nichtfans, denn es ist genauso rosa-pastellig, blumig-duftig, herzig,-glitzerig wie man es von Lillifee-Produkten erwartet. Aber alle, die meinen, ein bisschen rosa Glitzer hat neben vielem anderen im Leben eines Mädchens durchaus Platz, denen macht Prinzessin Lillifee zu ihrem Geburtstag mit diesem Buch das perfekte Geschenk. Die drei schönsten Geschichten - und mehr braucht man dann auch vielleicht nicht.

Sigrid Tinz, November 2014

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