Oma, Huhn und Kümmelfritz

Erschienen: März 2015

Couch-Wertung:

90%
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Kümmelfritz und sein sprechendes Huhn: schräge Kombo erlebt lustigen Alltag in den in sich abgeschlossenen Kapiteln.

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Schwarze Strichzeichnung, treffend, fantasievoll, komisch und auf fast jeder Seite eine.

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Tolle Dialoge und viel Szenenwitz: Kichergarantie für Vorleser und Zuhörer.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2015

Fritz, genannt Kümmelfritz, ist ein kleiner Junge, der bei seiner Oma lebt und als Haustier ein Huhn hat. Dieses Huhn ist kein normales, denn es kann sprechen, um nicht zu sagen: es hat eine ziemlich große Klappe. Huhn und Fritz sind allerbeste Freunde und ein gutes Gespann, wenn es darum geht Blödsinn zu machen und abenteuerliche Spiele zu erfinden. Oft genug erlebt das Huhn im Alleingang so allerlei, erzählt davon und dichtet noch eine ganze Menge dazu: wie es den Yuti, den Yeti und den Yoti besuchte oder die Salamigrippe hatte.

Fritz ist ein kleiner Junge und lebt bei seiner Oma. Warum das so ist, wird in dem Buch nicht thematisiert, es ist also auf gar keinen Fall ein "Vater-Alkoholiker-Mutter-verschwunden" Buch; interessanterweise fragt auch kein Kind danach, wo denn die Eltern sind. Es ist auch kein Roman über das Leben des kleinen Fritz, sondern "nur" eine Sammlung in sich abgeschlossener Geschichten mit Begebenheiten aus dessen Leben.

Wer Fritz ist, wird im Vorwort genau erklärt: Er geht in die vierte Klasse, wird von allen nur Kümmelfritz genannt und hat einen Wuschelkopf. Er ist der Enkel der Woniafka Oma, einer gutmütigen siebzigjährigen Frau mit einem Jugendfreund namens Herr Lammbauer (der tatsächlich Bauer ist draußen vor der Stadt) und mit einer Vorliebe für Kochen und Backen, Tauchen und Joggen und Kreuzworträtseln. Fritz hat, seit er lesen kann, ein ungewöhnliches Hobby: Sein Lieblingsbuch ist nämlich der große dicke Weltatlas, weil man darin so wundersame Wörter finden kann wie "Timbuktu" oder "Titicacasee", die sich dann bei passender Gelegenheit statt Kraftausdrücken oder Jubelrufen einsetzen lassen: "Popocatepetl!" Das wird zum running Gag in jeder Geschichte. Genauso wie die deftigen Süßspeisen von Mohnknödeln bis Marmeladenpalatschinken, die die Woniafka Oma ihrem Fritz regelmäßig vorsetzt.

Der Autor ist Österreicher, weswegen der Text gesprenkelt ist mit schönen Austriazismen - so nennt man Ausdrücke in österreichischer Mundart; die meisten versteht man gut und falls mal nicht, sind sie hinten im Glossar übersetzt.

Fritz hat ein Huhn, das seine Oma als kleines Küken gefunden hat und seitdem bei den beiden lebt. Und damit hörts auf mit der Normalität. Denn das Huhn kann sprechen, ist eingebildet, wehleidig, angeberisch - und der beste Freund vom Fritz. Zusammen machen die beiden viel Blödsinn und wenn der Fritz in der Schule ist, erlebt das Huhn noch so manches Abenteuer dazu. Fritz hat auch eine Freundin, Maya aus seiner Klasse und manchmal machen sie auch etwas zu dritt: Geburtstag feiern, krank sein, Zelten gehen und was sonst ein Kinderleben so ausmacht. Aber auch Dinge, von denen Kinder meinen, dass sie ihr Leben ausmachen müssten, weil sie es aus Büchern kennen: Detektiv spielen zum Beispiel oder eine Bande gründen.

Die Geschichten sind durchaus alltagsnah geschrieben, aber andererseits zugespitzt und darauf hin inszeniert, Spaß zu machen, allein dadurch, dass es meist nicht so hinhaut, wie das Huhn es sich so dachte. Man ahnt oft, was der Gag sein könnte: Zum Beispiel als das Huhn zaubert, unter anderem "Gerüche herbei" und "Schokolade weg". Gerüche zaubern ist natürlich pupsen und Schokoriegel löst man in Luft auf, in dem man sie auf einen Happs verspeist. Aber weil die Pointe nicht platt und krachend auf dem Fuße folgt, sondern manchmal gar nicht, bzw. eben nur in den Köpfen der kleinen und großen Leser, ist es ein besonderes Vergnügen.

Auch mit viel Szenenwitz sind die Dialoge zwischen Fritz und Huhn - und wer beim Vorlesen gerne inszeniert, hat an diesem Buch großen Spaß. Einmal schlägt das Huhn vor, den Yuti zu suchen. Und der Fritz (genau wie wir) verbessert es natürlich sofort: "Du meinst den Yeti, den geheimnisvollen Schneemenschen." Aber nein, da haben wir natürlich nicht mit dem Huhn gerechnet. Es meint tatsächlich den Yuti. "Der ist von Yetis Mutter ein Großcousin und ein sehr talentierter Künstler, aber weil er ein richtiger Stubenhocker ist, kennt ihn kaum einer. Und auf dem Rückweg, wenn wir Glück haben, besuchen wir noch einen alten Freund." "Wer soll das sein?", fragt sich der Fritz, fragen wir uns. Die Antwort. "Natürlich der Yoti, der mit seinem Halbbruder Yati ganz in der Nähe wohnt."

Oder: Als das Huhn mal mit in die Schule kommt und sich in den Direktor verliebt: "Ohhh, mein Direktor, mein Schatzi, mein toller Held!" rief das Huhn. "Oh, küss mich, Herr Direktor, küss mich!" Es tanzte ausgelassen um die Oma und den Kümmelfritz herum und tat dabei so, als würde es jemanden umarmen. "Und was für starke Arme er hat, dieser Direktorschnucki. Und diese Stimme, ach, ach, Nein, was für ein Mann, Kümmelfritz, den heirate ich. "

Illustriert ist das Buch mit kleinen treffenden und komischen schwarz-weißen Bildern vom Autor selbst.

Fazit: Ein schönes Buch, in dem es viel zu gucken und noch mehr zu Kichern gibt. Darauf einen Marillenknödel. Oklahoma!

Gesammelte Geschichten aus dem nicht ganz realistischen, aber dafür umso lebendigerem Leben von Fritz und seinem Huhn. Die einzelnen Kapitel sind perfekte Vorleseeinheiten, mit kleinen Bildchen zum Schauen und auch zum Selberlesen für etwas geübtere Leseanfänger perfekt. Ein richtig tolles Kinderbuch, alltagsnah und sehr, sehr lustig. Und wunderbar schräg - was vielleicht auch nicht anders zu erwarten ist, wenn die Hauptfigur ein sprechendes überdrehtes Huhn ist.

Sigrid Tinz

Oma, Huhn und Kümmelfritz

Oma, Huhn und Kümmelfritz

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