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Ein Mädchen unter Hühnern, das ist einerseits wörtlich zu nehmen, denn Kate lebt auf einer Hühnerfarm. Und gemeint sein könnte auch das Herumgehacke mit und unter ihren Freundinnen – wie auf dem Hühnerhof.

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Ab und zu hüpft oder flattert ein gezeichnetes Huhn über die Seiten, ein bisschen crazy, aber nicht gruselig, und lockert das ohnehin nicht zu strenge Schriftbild auf.

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Kate ist Ich-Erzählerin. Unterhaltsam und anschaulich, der Humor ist dabei weniger chick-mäßig albern und gackerig, sondern schräg und schwarz.

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Sigrid Tinz

Buch-Rezension von Sigrid Tinz Sep 2015

Kates Familie ist raus aufs Land gezogen, weil sich ihre Mutter einen Lebenstraum erfüllt hat, Bäuerin geworden ist und jetzt Biohühner züchtet. Kate muss zwar nicht die Schule wechseln, fühlt sich aber trotzdem wie strafversetzt, so weit draußen, weit weg von der alten Umgebung. Statt spontan mit den Freundinnen abzuhängen, muss jetzt jede Verabredung geplant werden. Immerhin, für ihr Filmprojekt über Zombiehühner ist das Landleben ganz praktisch, hat sie doch jede Menge Hauptdarsteller für umsonst zur Verfügung.

Hühner heißt im Englischen "chicken" oder "chicks" und wird doppeldeutig angewandt. Einmal natürlich für Hühner eben oder auch Küken. Umgangssprachlich ist es aber auch ein Wort für junge Mädchen und Frauen, nicht direkt abfällig, aber auch nicht direkt ein Kompliment: albern ein bisschen naiv vielleicht, oder zumindest nicht besonders interessiert an den wichtigen Dingen der Welt, sondern eher an sich selbst, Schminke, Klamotten, Musik, Jungs, Spaß haben. Gackerige Hühner eben die auf anderen Mädchen, die nicht zum eigenen "Stall" gehören allerdings auch erbarmungslos herumhacken können.
Deshalb passt der Titel des Buches genau, denn um beides geht es hier.

Erstens lebt die 12-jährige Kate tatsächlich unter Hühnern: sehr zu ihrem Leidwesen, denn die Viecher sind ihr nicht ganz geheuer und vor Eiern ekelt sie sich sogar. Aber: Ihre Mutter hat ihren normalen Beruf aufgegeben, um sich ihren Lebenstraum zu erfüllen und außerhalb der Stadt eine Bio-Hühnerfarm zu betreiben. Kate muss beim Füttern und im Stall helfen, ständig darauf achten, nicht mit Hühnerkacke an den Füßen in die Schule zu kommen, sie kann nicht mehr einfach spontan im Park mit ihren Freundinnen abhängen, sondern jede Verabredung muss geplant werden. Was zweitens ein bisschen die Hackordnung unter ihren Mädels durcheinanderbringt, von denen einige mehr, andere weniger echte Chicks sind.

Das könnte schon für eine unterhaltsame Geschichte reichen, aber es gibt noch einen zweiten Handlungsstrang, der sich wunderbar mit dem ersten verschränkt und für viele skurrile Szenen sorgt. Kates Hobby ist nämlich der Film. Speziell Horrorfilme mag sie und gerade dreht sie selber einen. Es geht um Zombie-Hühner für die sie dank ihrer Mutter ja genügend als Darsteller zur Verfügung hat. Die Hauptrolle die von den Zombies verfolgte Schönheit - spielt ihre beste Freundin Alyssa.

Das Thema Filmemachen, Technik, Begriffe, Drehbuch-Schreiben, nimmt einen gewissen Teil des Buches ein, was sehr interessant ist wenn man es denn interessant findet und nicht völlig langweilig. Wichtig zu beachten ist auch, dass es häufig um Zombies geht. Zwar nie und kein bisschen wirklich blutrünstig und beängstigend, aber manche Kinder kriegen schon Gänsehaut und Albträume, wenn sie das Wort nur hören und lesen, weil ihr Kopfkino sofort die schillerndsten Fantasien abspult. Für die ist das Buch nichts oder zumindest nicht abends im Bett. Denn das ist Kates Plot: Schauplatz ist eine Hühnerfutterfabrik, die, um Geld zu sparen, Menschenknochenmehl verarbeitet, von Leichen aus dem Friedhof. Der allerdings wurde von Kriminellen illegal als Giftmülldeponie benutzt. Mit dem Futter gefütterte Hühner mutieren zu Zombies und legen nur noch Eier, die jeden, der so ein Ei isst, ebenfalls in Zombies verwandeln bis tja, ein Ende ist Kate noch nicht eingefallen.
Es sieht auch lange so aus, als würde es nie ein Ende geben. Denn ihr Leben wird zunehmend schwieriger: die Langeweile auf dem Land, Eheprobleme ihrer Eltern, und ihre beste Freundin Alyssa scheint sich mit Lydia, dem beliebtesten Mädchen der Schule, anzufreunden; schlimmer noch: sie macht mit bei den Lästereien über die Hühnerkack-Kate. Und auf einmal sitzt die mittags alleine in der Mensa.

Soweit eine Teenie-Chick-Lit-typische Mischung verschiedener Pubertätsmalessen. Allerdings mit einem ganz anderen Tonfall als bei Amelie, Lola, Frida und Co, die in ihren chaotischen Tagebüchern über alle Alltagskatastrophen federleicht hinwegplaudern und sowieso nichts so schlimm sein kann wie ein Pickel ausgerechnet am Samstagabend.
Auch der Verlauf der Geschichte ist ernster: Kate plant Rache. Sie will, dass Alyssa am eigenen Leib spürt, wie es ist, fallengelassen, ausgelacht und geschnitten zu werden. Sie schiebt Alyssa einen Diebstahl in die Schuhe, den Kate selbst genau aus diesem Grund absichtlich begangen hat. Das geht zu weit, das merkt Kate selber, aber steckt jetzt in dem Dilemma, es wieder gut machen zu wollen, ohne selber dabei aufzufliegen.

Kate fungiert als Ich-Erzählerin, nicht im Tagebuch-Stil, sondern als würde sie wirklich berichten. Wohlformuliert und gemischt mit Jugendslang, was anfangs etwas gestelzt wirkt, woran man sich aber schnell gewöhnt. Sie gibt Dialoge eins zu eins wieder und an vielen Stellen reflektiert und kommentiert sie ihre Erlebnisse und ihr Verhalten in einer Art innerem Monolog.

"Das Handy klingelt. Alyssa. Ich weiß nicht, ob ich noch mit ihr reden will, nachdem sie blöde Witze auf meine Kosten gemacht hat. Aber tief in mir drin muss ich zugeben, dass es auch lustig war und ich verstehe, warum Alyssa sich hat mitreißen lassen. Lydia ist beliebt. Und man kann Lydias Art schwer widerstehen das ist, als würde man versuchen, sich von einem Tsunami nicht mitreißen zu lassen."

Das klingt wunderbar abgeklärt und psychologisch verständig, wie es eine echte Kate wohl kaum ausdrücken, geschweige denn annehmen könnte, wenn man als Mutter oder Freundin so mit ihr sprechen würde. Andererseits ist Kate ja nicht echt, sondern eine Buchfigur, und es gefällt den Leserinnen vielleicht, Gefühle und Verhaltensweisen, die sie ja auch kennen, so lebensklug eingeordnet zu bekommen.

Kates Geschichte spielt in den USA, außer an den Namen fällt das aber nicht groß auf. Weder entführt einen das Buch in den American Way of Life, noch hindert dieser Hintergrund daran, sich mit der Geschichte zu identifizieren.
Illustriert ist das Buch mit kleinen verrückten Hühnern, die einem schon auf dem Schutzumschlag frech entgegenglotzen. Super.

Am Ende gibt es ganz hollywoodmäßig ein Happy End, das aber natürlich nicht verraten wird. Nur ein letztes Zitat noch:

"Wer braucht eigentlich Filme? Das Leben liefert die verrücktesten Geschichten. In meinen wildesten Träumen wäre ich nicht darauf gekommen, diesen Schluss einzusetzen."

Fazit

Mein Sommer unter Hühnern ist ein unterhaltsamer Roman für junge Mädchen, mit viel schrägem Witz und schwarzem Humor, ernsten Themen und skurrilen Szenen, zu denen besonders Kates Zombie-Hühner-Film-Projekt beiträgt. Am Ende gibt es ein hollywoodwürdiges Happy-End für die Zombies, die Hühner und für alle anderen auch. Ein Buch über Chicks, aber weit mehr als nur Chicklit.

Sigrid Tinz

Mein Sommer unter Hühnern

Mein Sommer unter Hühnern

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