Helenes Familie

Erschienen: Juni 2005

Couch-Wertung:

72%
Idee
Bilder
Text

Idee

Sehr aussergewöhnliche Erzählform, durchgehend eher düster, etwas unheimlich, aber auch mit einer guten Portion Humor. Charaktere sind sehr skurril, es fehlt gänzlich die Verniedlichung, wie man sie aus vielen anderen Kinderbüchern kennt.

Bilder

Gedeckte, flächige Farben, die Zeichnungen wirken wie Skizzen. Protagonisten werden sehr nüchtern, fast hässlich dargestellt. Diese Kombination verbreitet eine düstere, fast unheimliche Stimmung.

Text

Nüchterne, sehr schnörkellose Erzählform.

Leser-Wertung

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jun 2005

Mit ";Helenes Familie"; von Anke Kuhl hält man ein obskures Buch in der Hand. Phantasievoll, wild und auch durchaus waghalsig erzählt die Autorin die Geschichte von der kleinen Helene, die sich ihre eigene Familie schafft, als die wirklichen Eltern sie allzu sehr vernachlässigen. Ein Buch, das man großartig findet oder schrecklich.

Helene, ein kleines hässliches Mädchen von ebenso hässlichen Eltern, langweilt sich. Mit ihren Eltern und einem Gast sitzt sie beim Abendbrot und die Eltern schenken dem Gast mehr Aufmerksamkeit als ihrer Tochter. Da spürt Helene plötzlich den heißen Atem einer Katze im Nacken. Die Katze, doppelt so groß wie Helene und ebenfalls hässlich, folgt Helenes Aufforderung, im Garten zu spielen und die beiden verlassen den Abendbrottisch.

Hier beginnt eine abenteuerliche Geschichte, in der Helene und ihre neue Freundin, die Katze, viele wundersame und skurrile Dinge erleben. Da hat sich zum Beispiel die alte Laube in ein Aquarium verwandelt in dem zahlreiche Meerestiere leben, ein Teich verschwindet mit lautem Knall, die Meerestiere landen mit einem Satz in einer Hängematte. Nun bedürfen die Wassertiere dringend Helenes Hilfe, denn sonst trocknen sie aus. Aber auch der Katze geht es nicht gut, sie bekommt Fieber und Schüttelfrost. Helene hat wirklich viele wichtige Aufgaben, glücklicher Weise helfen ihr einige Tiere. Am Ende, als der Besuch gegangen ist, landen sie bei den Eltern auf der Terrasse, es gibt Kakao und endlich, endlich nehmen sich die Eltern Zeit für ihre Tochter und es wird ein schöner, gemütlicher Abend.

";Helenes Familie"; von Anke Kuhl ist ein Buch, das die Geschichte eines kleinen, gelangweilten und einsamen Mädchens erzählt, aber nicht zuletzt doch für die Eltern geschrieben wurde. Dazu wählte die Autorin bewußt und provozierend nicht die leisen Töne. Gedeckte Farben, flächig über gekritzelte Skizzen gelegt, vermitteln schon beim ersten Betrachten eine leicht unheimliche, auf jeden Fall aber trübe Stimmung. Helene und ihre Eltern, als auch im Verlauf die Katze und die übrigen Tiere, werden allesamt häßlich und überhaupt nicht ";kinderbuch-typisch"; niedlich dargestellt. Augenränder, schlechte Frisuren und aus der Form geratene Figuren sind Markenzeichen der Protagonisten.

Als Einstiegsbild blicken wir auf Helens Spielzeug, und bei genauerem Hinsehen entdecken wir, daß kaum ein Teil unversehrt ist. Der Teddybär liegt neben seinem ausgerissenen Arm, eine ausgezogene Stoffpuppe befindet sich zwischen den Schneiden einer Schere eingeklemmt. Ein kleiner weißer Hase sieht mindestens so traurig und leblos aus wie ein Skelett, das sich ebenfalls in dem achtlos zusammengekürmelten Berg von Spielsachen befindet. Und nicht zuletzt fragen wir uns, ob der Vogel, der rücklings auf einem umgekippten Auto liegt, nicht vielleicht ein echter Vogel sein könnte. Wer nicht über eine gute Portion schwarzen Humors verfügt, mag wohl dieses Buch nach der ersten Seite schon nicht mehr weiter betrachten. Für die Freunde des schwarzen Humors aber, geht es ";munter"; weiter.

Auch sprachlich schlägt Anke Kuhl sofort den eher unheimlichen und obskuren Weg ein: Beim Abendessen spürt Helene einen warmen Hauch im Nacken. ";Katzenatem"; denkt sie und wirft einen prüfenden Blick auf ihre Eltern. ";Hast du die große Katze gesehen?"; flüstert sie ihrer Mutter zu. Die Mutter aber hört nicht richtig zu während der Betrachter aber den überdimensional großen, buschigen Katzenschwanz von rechts her in das Bild hereinragen sieht. Diesem Stil treu bleibend führt uns die Autorin in die Phantasiewelt der kleinen Helene, die nun wohl beschlossen hat, sich eine andere Familie und Freunde zu beschaffen, da Mama und Papa wohl ständig wichtigeres zu tun haben, als sich ihrer Tochter zuzuwenden. Turbulent geht es von nun an zu in Helenes Garten und immer wieder wird der Leser von den Ereignissen überrascht. In all diesem Trubel muss Helene wichtige Aufgaben übernehmen. Sie wird gebraucht, um sich um die Meerestiere ohne Wasser zu kümmern, und auch die arme Katze wird krank. Aber Helene macht ihre Sache gut, bekommt sogar Hilfe von anderen Tieren. Ein Wechsel von Geben und Nehmen kommt ins Rollen, Freunde finden sich zusammen.

Am Ende zieht es die eigenwillige Truppe auf die Terrasse der Eltern und das letzte Bild zeigt Helene mit ihren Eltern und den neu gewonnen Freunden Kakao-trinkend nebeneinander sitzen: friedlich, lächelnd und anscheinend glücklich. Ein Ende, das durchaus Fragen aufwirft und keine klare Erklärung gibt. Aber eines zeigt es ganz sicher: die Eltern haben - vielleicht gerade noch rechtzeitig - erkannt, dass ihre Tochter sie braucht. Irgendwie ist es der kleinen Helene gelungen zu zeigen, dass sie es wert ist, wahrgenommen zu werden und dass das Gefühl der Gemeinschaftlichkeit am Ende für alle gut und wunderschön ist.

Fazit:

Wer sein Kind am liebsten mit ";leichter Kost"; versorgt, ist mit diesem Buch sicher schlecht beraten. Wer es turbulent, phantasievoll und mit viel schwarzem Humor liebt, findet hier eine Geschichte mit Tiefgang und vielen vielen Botschaften. Keinesfalls Lesestoff nur für die kleinen Lesekinder, sondern ebenso für die vielleicht allzu gestressten, in ewiger Zeitnot lebenden Eltern in der Familie oder im Freundeskreis.

Antje Saam

Helenes Familie

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