Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Noch mal vorlesen, und sei es nur, um noch nicht schlafen zu müssen. So simpel und allabendlich diese Situation ist, so originell und dynamisch läuft sie bei Familie Drachen ab.

Bilder

Zwei Bildspuren: vorne die Drachenmama und ihr Kind, im Hintergrund die gruselige Drachengeschichte, die Mutter Drache ihrem Kind vorliest.

Text

Die vorgelesene Geschichte ist in Reimform – mehr Text gibt es eigentlich nicht – außer „noch mal“ in allen Lautstärken.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2015

Eine typische Situation Abend für Abend: das Kind bekommt seine Gutenachtgeschichte vorgelesen. Ein Ritual, das auch wir Erwachsenen gut und wichtig finden und durchaus auch schön und gemütlich, aber auch nicht sooo sehr, dass wir davon nicht genug kriegen können. Danach soll auch Ruhe sein, bitte schön, die Spülmaschine oder der Schreibtisch warten oder der eigene Krimi. Das Kind will aber: noch eine. Oder: noch mal. Dieses Buch zeigt: bei Drachenfamilien geht es nicht anders zu.

Auf der Vorderseite sieht man einen kleinen Drachen, grün und herzig, mit Schnuffeldecke und Märchenbuch - auf der Rückseite ein fettes "Brandloch" mitten im Klappentext. Dazwischen muss ja ordentlich was passiert sein. Also Vorlesen bitte! Es ist fast Schlafenszeit, so beginnt es: Wir sehen den kleinen, grünen Drachen. Freundlich, niedlich, bittend hält er seiner Mutter ein Buch hin. Die Mutter schaut gütig und liebevoll auf ihn herab. Natürlich, welche Eltern würden ihrem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte verwehren. So sitzen sie auf der nächsten Seite beieinander, man spürt förmlich den wohlwollenden Vorleseeifer der Drachenmutter, das Behagen des Kindes. Den Hintergrund der Seite bildet das Buch, das die Mama vorliest; aufgeklappt. Es scheint so eine Art Foliant zu sein: ein roter feuerspeiender Drache, der einer hübschen Prinzessin nachstellt und verschnörkelt gedruckte Reime.

 

"Chlodwig, der Drache, leuchtet rot wie Feuer.
Zu Bett zu gehn war ihm schon immer schrecklich ungeheuer.
Wenn alle nachts fest eingepennt,
er polternd aus dem Hause rennt
und narrt mit schaurig bösem Faucheklang
am Brückenkopf die Trolle (die von Haus aus bang).
Wenn er dann hungrig wird, fliegt er empor,
packt eine Königstochter fest am Ohr,
quirlt sie zu Brei und brät draus Pfannekuchen
(das geht ruckzuck bei ihm, ohne Rezeptesuchen)."

Diese Geschichte in der Geschichte bildet den eigentlichen Text des Buches. Außer dem Wort "noch mal" in verschiedenen Lautstärken - wie man noch sehen wird - wird die Geschichte vom Drachenkind und seiner Mutter nur in Bildern erzählt. Und ja, was die Drachenmama ihrem Kind da so vorliest, ist für unseren pädagogischen Zeitgeist ziemlich böse. Die Kinder stört´s weniger. Meine Frage ans Testkind, ob wir weiter lesen wollen, es sei doch ziemlich brutal, wurde sehr abgeklärt beantwortet: "Das ist doch nur eine Geschichte, Mama!" Na, dann:

 

"Und wenn der Tag vorbei ist, brüllt mit Schauerstimme er ins Tal: "Morgen mache ich´s noch mal!"

Nächste Seite: Der kleine Drache fragt mit herzigem Augenaufschlag: "Noch mal?" Die Mutter, eigentlich schon auf dem Weg zu ihrem Sofa, erfüllt ihm diesen Wunsch. Auch ihr scheint wohl der Gedanke gekommen zu sein, dass eine solch wilde Geschichte nicht das richtige für eine ruhige Gute-Nacht-Stimmung ist und wandelt die Story kurzerhand ab: der Drachen futtert Kuchen und gibt auch den Trollen etwas ab. Schön für uns Leser ist, dass auch das Bild im gezeichneten Buch genau diese abgewandelte Handlung zeigt: der feuerrote Drache mit einem riesigen Muffin in der Hand. Am Ende der Kuchenorgie lässt Mama Drache ihn allerdings wie beim ersten Mal mit seiner Schauerstimme ins Tal rufen: "Morgen mache ich´s noch mal!"

So, Feierabend, Buch zu und ab aufs Sofa. Nächste Seite: Der kleine Drache erwischt sie gerade noch am Schwanz und sagt energisch: "Noch mal!"
Die Mutter - mit hängender Mimik - rattert die Geschichte runter, lässt diesmal den Drachen und die Prinzessin sich anfreunden und wandelt auch den letzten Satz ab: "Morgen lese ich´s noch mal." Das macht den kleinen Drachen sauer! Er läuft langsam rot an, wie Chlodwig, der böse Drache aus der Geschichte und wird immer lauter. Ookee ... Mutter Drache will ihre Ruhe und gibt noch mal nach - und schläft nach den ersten Sätzen ein. Das Bild dazu im gezeichneten Buch: Chlodwig ist sanftgrün und schlummert eng an die Prinzessin gekuschelt unter weißen Decken. Das reicht unserem Drachen. Knallrot mittlerweile, schüttelt und schlägt er das Buch, das die Figuren und Worte durcheinanderwirbeln. Und mit einem letzten oberwütenden feurigen "NOCH MAL" faucht er das Brandloch in das Buch. Durch das entschlüpfen Chlodwig und seine Prinzessin übrigens - womit die Geschichte doch noch und endgültig zu Ende ist.

Noch mal! ist ein Buch, an das man sich vielleicht ein bisschen gewöhnen muss, weil es in keine Schublade passt. Es bietet viel humorvolles Wiedererkennen für den erwachsenen (Vor-)Leser - wie die Mutter die Geschichte immer weiter stutzt und ändert, in der Hoffnung, das Kind endlich müde zu machen, wie man als Eltern einfach sooo müde sein kann, dass man völlig fertig im Kinderbett einschläft, wie das Drachenkind immer lauter und fordernder und quengelnder wird. Den Kindern bietet es viel pädagogisch wunderbar unwertvolle Action, die mit einem echten Loch in den Seiten endet. Hat man sich aber einmal gewöhnt, dann kann man kaum genug bekommen.

Fazit

Noch mal! ist ein Buch, das man - hat man sich einmal "eingelesen" - kaum aus der Hand legen kann. Einziger Haken: diese wirklich originelle Gute-Nacht-Geschichte taugt überhaupt nicht als Gute-Nacht-Geschichte. Denn am Ende ist das Kind hellwacht und ruft: "Noch mal!"

Sigrid Tinz

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