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Idee
Bilder
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Idee

Der kleine Prinz neu übersetzt; für die Kids von heute zu nah an der altmodischen Fassung und für die Fans von gestern zu weit weg vom geliebten Original.

Bilder

Die alten Bilder von früher! Schön, zart, poetisch.

Text

Eigentlich wenige Änderungen zur alten Übersetzung, aber statt der lebensklugen Erzählung wirkt es an vielen Stellen mehr wie ein Bericht. Übersetzung: Peter Stamm.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2016

Die Geschichte vom kleinen Prinzen, dem Piloten, der Rose und dem Fuchs ist ein Weltbestseller und längst ein Klassiker. Immer wieder neu aufgelegt, als Zitatensammlung oder Bilderbuch, es gibt Theaterstücke, Hörspiele, Zeichentrickserien und einen neuen Kinofilm. Oder wie hier, von Peter Stamm, neu übersetzt.

Die Geschichte vom kleinen Prinz ist ein Klassiker, da sind sich wahrscheinlich alle einig. Auch wenn nicht exakt festgelegt sein mag, was genau aus einem Buch einen Klassiker macht. Typisch ist oft, dass es nicht nur das eine originale Werk ist, das weltweit in den Kinderzimmern und Kindheitserinnerungen verbreitet ist. Sondern das Gesamtwerk an Aktualisierungen, Umarbeitungen, Übersetzungen, Verfilmungen und Merchandisingprodukten. So dass man den Kern der Geschichte und die wichtigsten Figuren und Szenen kennt, ohne jemals das Buch gelesen haben zu müssen. Denn wer kennt nicht das Bild vom zarten grünen Männlein auf seinem lila Vulkanplaneten? Die zwei, drei Zitate, die zu geflügelten Worten geworden sind und in Poesiealben, auf Postkarten und Glückwunschschreiben und Todesanzeigen stehen?

 

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar"

zum Beispiel. Oder:

 

"Wenn Du bei Nacht in den Himmel schaust, wird es Dir sein, als leuchten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können. Und wenn Du Dich getröstet hast, wirst Du froh sein, mich gekannt zu haben."

Und jetzt, wo die eigenen Kinder die Fernsehserie oder auch den aktuellen Kinofilm entdecken, könnte man auf die Idee kommen, es mal wieder im Original nachlesen zu wollen. Das alte Heft ist längst zerfleddert, da bietet sich diese hübsche, handliche, preiswerte neue Übersetzung an. Denn das mit der Rose und dem Piloten und dem Fuchs kriegen wir vielleicht noch zusammen. Aber dass der kleine Prinz auf einem kleinen Planeten lebt und hauptsächlich damit beschäftigt ist, seine drei Vulkane zu fegen und die Schösslinge der Affenbrotbäume herauszureißen, damit sie nicht den ganzen Planeten überwuchern? Und wie er dabei einmal eine fremde Blume findet, die Rose eben, die ihm mit ihrem eitlen Geplapper auf die Nerven geht? Wie er dann schließlich seinen Planeten verlässt, und auf anderen Planeten merkwürdige Leute trifft? Den Laternenanzünder, den König, den Eitlen, den Trinker.

Dann mal los:

 

"So lebte ich lange allein, ohne mit irgendjemandem über die wirklich wichtigen Dinge reden zu können, bis ich vor sechs Jahren über der Wüste Sahara einen Motorschaden hatte und notlanden musste. Etwas in der Maschine war zerbrochen, und da ich keinen Mechaniker dabei hatte, versuchte ich, die schwierigen Reparaturen selbst hinzukriegen. Es ging um Leben und Tod. Ich hatte kaum genug Trinkwasser für eine Woche. Als es Abend wurde, legte ich mich auf dem Boden schlafen, tausend Meilen vom nächsten Haus entfernt. Ich kam mir verlassener vor als ein Schiffbrüchiger, der auf einem Floß im Ozean treibt. Ihr könnt euch wohl vorstellen, wie verwundert ich war, als mich im Morgengrauen eine lustige kleine Stimme weckte,. Sie sagte: "Bitte, zeichne mir ein Schaf!"

Vergleicht man diese Neu-Übersetzung mit dem alten zerfledderten Original, ist eigentlich kaum etwas anders. Mal das Tempus, mal ein Wort. Das wirkt geradezu absichtlich ein bisschen anders, damit es eben neu übersetzt klingt. Ohne dass die Sprache wirklich moderner, frischer, zeitgemäßer wirkt. Aber es reicht aus, um den schönen, geruhsamen, lebensklugen Tonfall verschwinden zu lassen, den man doch irgendwie im Ohr hat:

 

"Ich blieb also allein, ohne jemanden, mit dem ich wirklich hätte sprechen können, bis ich vor sechs Jahren einen Panne in der Wüste Sahara hatte. Etwas an dem Motor war kaputt gegangen. Und da ich weder einen Mechaniker noch Passagiere bei mir hatte, machte ich mich ganz allein an die schwierige Reparatur. Es war für mich eine Frage auf Leben und Tod. Ich hatte für kaum acht Tage Trinkwasser. Am ersten Abend bin ich also im Sand eingeschlafen, tausend Meilen von jeder bewohnten Gegend entfernt. Ich war viel verlassener als ein Schiffbrüchiger auf einem Floß mitten im Ozean. Ihr könnt euch daher meine Überraschung vorstellen, als bei Tagesanbruch eine seltsame kleine Stimme mich weckte: "Bitte, zeichne mir ein Schaf!"

Und selbst wer den kleinen Prinzen gar nicht so genau kennt, der stolpert spätestens an Stellen wie diesen:

 

"Man sieht nur mit dem Herzen gut: Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar."

Das Wichtigste? Das Wesentliche muss es heißen! Klar, auch daran kann man sich gewöhnen und eigentlich ist es kein so großes Problem, denn im großen Ganzen bleibt die Geschichte um Freundschaft, Menschlichkeit und Abschied natürlich die gleiche, die Reise und das Ende, als der kleine Prinz zu seinem Planeten zurückkehrt und seinen Körper zurücklässt, weil der zu schwer ist für den langen Flug.
Aber dem Buch dürfte schlicht die Zielgruppe fehlen. Wir großen Kinder von früher hätten gerne unseren kleinen Prinzen. Und die kleinen Kinder von heute greifen viel lieber zu den vielen neuen Büchern, die rund um den aktuellen Film erscheinen, oft in dessen zeitgemäßer und trotzdem sehr zu Herzen gehender Optik.

Fazit:

Eine kleine, hübsche, preiswerte, mit den Original-Illustrationen versehene Neu-Übersetzung - die es schwer haben wird, ihre Zielgruppe zu finden. Denn für die Kids von heute ist es viel zu nah an der der altbekannten Fassung, um sie zu begeistern. Und für die alten Fans ist es trotzdem zu weit weg vom geliebten Original.

Sigrid Tinz, März 2016

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