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Hier hat jeder eine Macke; und Pauls neuer Nachbar hat einen Stottertick, ist aber nett. Paul will ihm helfen, damit er es in der Schule nicht so schwer hat …. Das ist für den Leser sehr unterhaltsam.

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Keine, im eigentlichen Sinne. Jede Kapitelüberschrift ist aber mit einem der in der Geschichte vorkommenden bekloppten Tiere verziert.

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Schnelle Dialoge wechseln ab mit inneren Monologen von Erzähler Paul, die Abenteuer der Jungs sind plastisch und bunt beschrieben – abwechslungsreich und absolut unterhaltsam.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2016

Paul fährt nicht in den Urlaub - gefühlt als einziger aus seiner Klasse. Weil: Sein Vater ist Tierarzt und beherbergt einige besonders schwierige Patienten bei sich zu Hause. Eine Katze, ein Chamäleon und einen Papagei, die alle drei ziemlich verhaltensgestört sind und die man natürlich niemandem zur Pflege überlassen kann - wenn denn überhaupt jemand dazu bereit wäre. Pauls Mutter ist so etwas wie eine Künstlerin, mit Gesundheitstick und ihm oft sehr peinlich. Zwar zieht ein Junge neu ins Nachbarhaus, und der hat sogar eine echte Macke - und alles zusammen klingt nach turbulenten Verwicklungen und großem Spaß für uns Leser.

Eine Macke kommt selten allein - der Titel des Buches ist Programm. Denn alle und jeder in diesem Buch haben eine Macke. Ein bisschen überzeichnet vielleicht; aber letztendlich steckt in jedem Klischee ja auch ein wahrer Kern und den trifft die Autorin immer genau.

Fangen wir an bei Pauls Mutter: die hat eine Gesundes-Essen-Macke: Plätzchen und Kuchen gerne, aber nur ohne Zucker und was - ab und zu natürlich nur - als "Nutella" auf den Tisch kommt, ist ein bröseliger Schokoaufstrich aus dem Bioladen. Außerdem ist sie Künstlerin. Aber weder genial noch erfolgreich. Und aus Pauls Sicht eher peinlich, wenn sie zum Beispiel eine Gipsabdruck von seinem Po machen will, um den zu einer Körperskulptur zu verarbeiten.

Pauls Vater hat die typische Väter-Macke zu viel zu arbeiten. Und zusätzlich noch die Macke, - er ist Tierarzt - in seiner Praxis gestrandete besonders schwierige Patienten bei sich zu Hause aufzunehmen. Also sind dabei: eine aggressive Katze mit gebrochenen Beinen, ein Chamäleon, das die Farben nicht wechselt, ein Hamster, der nur rückwärts läuft, ein Kaninchen, das wie ein Irrer durch den Stall und gegen Wände rennt und einen Papagei, der zwar sprechen, aber nur Schimpfwörter kann. (Kleiner Hinweis an alle Eltern mit der "So-etwas-sagen-wir-bei-uns-nicht"-Macke: Ihre Kinder bekommen mit diesem Buch im Schnelldurchlauf Nachhilfeunterricht: Vollpfosten, Taube Nuss, Furzknoten, Doofmann, Kotzbrocken, Armleuchter sind einige Beispiele aus dem Repertoire des Vogels.)

Dann gibt es noch Pauls Opa, Typ Berufsjugendlicher, der Motorrad fährt und mit seinem neuen Tattoo prahlt, die dazugehörige schräg gekleidete Oma und die Nachbarzwillinge, zwei rosa-lila-glitzer gekleidete Zicken. Und Paul natürlich, der - aus seiner Sicht - die Macke hat, dass seine Eltern nicht in die Ferien fahren können, weil sie ja die ganzen verrückten Tiere nicht alleine lassen können und auch niemanden finden, der bereit wäre auf sie aufzupassen. Außerdem hat er ziemlich viel Fantasie, was uns Leser freuen kann: denn so werden aus den Einkaufstouren durch die Biomärkte der Stadt, zu denen ihn seine Mutter mitschleift, spannende Agenten-Einsätze. Oder wenn er verdonnert wird, den Pool aufzupumpen und zu pumpen und zu pumpen und sich dabei vorstellt, er sei auf einsamen Insel gestrandet und müsse jetzt für sich und für alle anderen Schiffbrüchigen das Rettungsboot klar machen.

Das alles reicht eigentlich schon für einen unterhaltsamen Sommerferienroman - dabei sind das nicht viel mehr als die Nebenhandlungen. Eigentlich geht es um den Sohn der neuen Nachbarn: Jakob. Und der hat eine echte Macke: Zuckungen und den Tick, Wörter doppelt zu sagen: Hallo-Hallo. Ich heiße Jakob-Jakob. Paul und Jakob spielen zusammen, erst aus Langeweile und dann aus Sympathie. Und als sich der erste Schultag nähert, wird beiden klar, dass Jakob mit seinem Tick-Tick von der ganzen Klasse gehänselt und ausgelacht werden wird. Es sei denn: er wäre so cool, dass seine Macke nicht ins Gewicht fallen würde. Zum Beispiel, wenn er angesagte Klamotten hätte, das neueste iPhone und alle Mitschüler ab und zu mit McDonalds und Kinobesuchen bestechen würde. Dafür brauchen die beiden natürlich Geld, und dank Pauls Fantasie kommen sie auf die verschiedensten Ideen, um welches zu verdienen: sie bieten sich als mietbare Freunde für einsame, unbeliebte und gelangweilte Kinder an, organisieren Partys für Kinder und Tiere und veranstalten Kunstaktionen, um für Spenden zu werben. Was sich natürlich alles immer ein bisschen anderes entwickelt als die beiden das so geplant haben - sehr zum Vergnügen der Leser.

Der Text ist sehr abwechslungsreich: was die Wortwahl betrifft und auch die Erzählform. Paul ist der Ich-Erzähler, aber es gibt auch viele Dialoge, längere Passagen in denen Paul seine Gedanken erzählt und die sehr bunt und plastisch beschriebenen Aktionen der beiden Jungs.

Was schön ist: dass die Macken sehr ehrlich und freundlich thematisiert werden. Weder ist es nur lustig, noch werden sie mit problem- oder lösungsorientierten Vokabeln beschrieben wie "anders begabt", "jeder hat seine Stärken" oder "jeder ist gut so wie er ist". So funktioniert unsere Welt ja (leider und noch) nicht, zumindest nicht auf einem durchschnittlichen Schulhof. Dass Jakob "gedisst" werden wird, ist beiden klar. Und als es mit dem Coolwerden nicht klappt, ergeben sie sich in ihr Schicksal: am ersten Schultag nach den Ferien wird es eben ätzend. Am übernächsten auch. Aber irgendwann wird es weniger ätzend werden, oder alle werden sich dran gewöhnen und die Witze auf Jakobs Kosten seinen Reiz verlieren. Immerhin haben sie bei ihren verschiedenen Aktionen das coolste Mädchen der Klasse ein bisschen näher kennen gelernt. Freya, die sich einfach neben Paul setzt, womit sie ihn quasi unter ihren Schutz stellt. Klar, alle werden ihn ein bisschen komisch finden, vielleicht sogar doof. Aber keiner wird sich trauen, sich wirklich böse über ihn lustig zu machen, weil es sich keiner mit Freya verscherzen will.

Kein echtes Happy End, aber ein ehrliches. Und Paul und Jakob sind natürlich jetzt Freunde. Oder besser gesagt: Freunde-Freunde.

Fazit:

Eine Macke kommt in diesem Buch ganz und gar nicht allein, sondern gleich im ganzen Dutzend. Ob Pauls Eltern, deren verhaltensgestörte Haustiere, Oma und Opa oder der Junge, der neu ins Nachbarhaus zieht: ein bisschen bekloppt sind sie alle. Was zusammengenommen ein turbulentes, spannendes, witziges Lesevergnügen ergibt. Und ganz nebenbei zeigt, wie ein freundlicher und ehrlicher Umgang mit Macken aller Art aussehen kann.

Sigrid Tinz, März 2016

Eine Macke kommt selten allein

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