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Nicht jeden Tag fangen die eigenen Zeichnungen an, mit einem zu reden – spannende und kurzweiliges Leseabenteuer.

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Passend zum Thema ist das Buch gespickt mit vielen schwarz-weiß Zeichnungen, die lebendig, überzeugend und kraftvoll das Buch sehr abwechslungsreich gestalten.

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Ansprechend, rasant und unterhaltsam aus der Perspektive des Haupthelden mit hohem Identifikationspotenzial geschrieben.

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Claudia Goldammer

Buch-Rezension von Claudia Goldammer Apr 2017

Wenn die eigenen Comicfiguren plötzlich zum Leben erweckt werden und die Lösungen der nächsten Mathearbeit stehlen, dann steht Ärger ins Haus...

Jonas hat eigentlich in jeder freien Minute einen Stift in der Hand. Besonders in der Schule ist das Zeichnen von Comicfiguren seine ganz private Zuflucht, denn schließlich geht er bereits auf die fünfte Schule in kurzer Zeit. Das ist nicht seine Schuld, sondern liegt an den häufigen Umzügen seiner Eltern, macht es ihm aber schwer, irgendwo anzukommen und dauerhaft Freunde zu finden. Daher sind Captain Flint, der furchtlose Weltraumfahrer, Sir Iron, der tapfere Ritter, und Galactic Man, der stärkste Superheld der Welt, die alle seiner Pantasie entspringen, für ihn zu einer Art "beste Freunde" geworden.

Doch blieben die Zeichnungen bisher brav an ihrem Ort, passiert eines Tages etwas Merkwürdiges. Liegt es an Tülay, der neuen Klassenkameradin, die noch mehr Außenseiterin ist als Jonas und, in einem unbedachten Moment, als Prinzessin gezeichnet zu seinen Comicfiguren stößt, oder an der Sonnenfinsternis oder am fiesen Tom und seinen Freunden, die die ganze Klasse drangsalieren? Auf jeden Fall entwickeln die Figuren eines Tages ein Eigenleben, hüpfen zwischen Heften, Büchern und der Kinderzimmertapete hin und her, kommunizieren schriftlich mit Jonas und besorgen ihm sogar die Lösungen der gefürchteten Mathearbeit. Ungefragt! Das diese gut gemeinte Tat nicht nur Vorteile bringt, können (oder wollen) sie als Comicfiguren nicht verstehen und stürzen darüber, leicht verärgert auf Jonas, nicht nur Jonas und Tülay ins Chaos, sondern letzten Endes die ganze Klasse und sogar die ganze Schule.

Wer bei Jonas' großes Comic Chaos einen Comic Roman in der Art von Gregs Tagebuch erwartet, der sei vorgewarnt. Denn obgleich auch Jens Baumeister die rasante und kurzweilige Abenteuergeschichte mit vielen Zeichnungen versehen hat, gibt es doch auch einiges zu lesen und teilweise sind Doppelseiten ganz ohne illustrative Auflockerungen zu "bewältigen". Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird auf mit einer schnellen, ungeheuerlichen und spannenden Geschichte belohnt. Die insgesamt 25 Kapitel sind dem Alter und Lesevermögen angemessen lang, so dass auch weniger geübte Leser am Ball bleiben können, ohne die Geschichte zerhacken zu müssen.

Die zahlreichen schwarz-weiß Illustrationen sind ansprechend und lebendig und vermitteln sehr gut die Charaktere der wild gewordenen Figuren. Das Buch ist abwechsunsgreich gestaltet, spielt mit verschiedenen Schriften und Hintergründen, die den jeweiligen Ort symbolisieren, an dem die Comicfiguren sich in diesem Moment befinden, also z.B. karierter Untergund für das Matheheft oder linierter Untergrund für das Deutschheft. Vermutlich wünschen sich viele Kinder, so gut zeichnen zu können und werden eventuell auch durch diese Geschichte angespornt, der eigenen Kreativität ihren Lauf zu lassen.

Neben dem reinen Abenteuer hat Jens Baumeister auch tiefergreifende Botschaften versteckt und eine schöne Erzählung über Außenseiter, Vorurteile, Machtkämpfe, Fassaden und Freundschaften geschrieben. Denn der 10-jährige Jonas ist, ebenso wie Tülay, neu in der Schule. Beide werden vom Klassenanführer Tom geärgert, doch anstatt sich gegen ihn zu verbünden, ist Tülay für Jonas eher hinderlich bei seinem Vorhaben, ein ruhiges Schulleben zu führen. Doch dann führt das Schicksal die beiden unweigerlich zusammen und letztes Endes entdecken sie nicht nur, dass sie gemeinsam ganz schön viel schaffen können, sondern auch, dass Toms Bande eher Schein als Sein ist und er seinen Minderwertigkeitskomplex mit den neuesten Handyspielen und dem aktuellsten Telefonmodell zu kompensieren versucht.

Die Geschichte ist aus Jonas' Perspektive geschrieben, in die sich Kinder durch seine coole und lässige Schreibart gut und schnell hineinfinden können. Zudem erfahren sie darüber auch von Jonas Problemen und Zweifeln, seinen Gedanken, Überlegungen und Wünschen. Die Entwicklung der Handlung ist nachvollziehbar und stringent entwickelt, so dass die Geschichte an sich glaubwürdig klingt, auch wenn sie unrealistisch ist.

Fazit

Wenn die eigenen Comicfiguren zum Leben erwachen, dann ist das vielleicht irgendwie gruselig, aber auch ganz schön cool. Spannendes und unterhaltsames Leseabenteuer, das die Phantasie sehr beflügelt.

Claudia Goldammer

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