Lilo auf Löwenstein

  • Boje
  • Erschienen: September 2017
  • 0
Lilo auf Löwenstein
Lilo auf Löwenstein
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Sigrid Tinz
80%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonSep 2017

Idee

Lilo ist ein nettes 11-jähriges Mädchen aus einer heilen Familie mit viel Fantasie und Lust auf Abenteuer und es macht Spaß zu lesen, was sie zu erzählen hat.

Bilder

Wenig, nur kleine Vignetten an den Kapitelanfängen und zur Zwischengliederung.

Text

Schön und leicht und zum Runterlesen geschrieben, ein bisschen überschwänglich manchmal fast; aber Lilo ist Ich-Erzählerin und zu ihr passt es.

Lilo zieht mit ihrer Familie aufs Schloss. Nicht als Prinzessin, sondern weil dort Wohnungen hineingebaut und vermietet wurden, aber trotzdem: sie ist begeistert. Abenteuer und rundherum Wald, Wiesen, Wasser und Natur pur. Allerdings ist es eben auch ein Umzug und das Ankommen nicht so einfach, vor allen Dingen weil auch neue Nachbarn da sind, mit Kindern. Mit denen ihr heißgeliebter älterer Bruder Ben auf einmal viel lieber unterwegs ist als mit ihr. Aber dann findet Lilo auch eine Freundin, die gut zu ihr passt, und mit der es Spaß macht, zu toben, zu spielen und im Schloss herumzustöbern auf der Suche nach Abenteuern.

Lilo und ihre Erlebnisse sind der Auftakt einer "neuen turbulenten Mächenbuch-Reihe", so kündigt es der Verlag an, und dass es eine neue Reihe ist, merkt man sofort auf den ersten Seiten, wenn Handys und Internet und Youtubeclicks ganz selbstverständlich dazugehören. Hat ein paar Jahre gedauert, erst gab es das gar nicht, dann oft als pädagogischer Zeigefinger, wie unsinnig und unnötig, dann als Zankapfel und eigentliches Thema und jetzt ist die Generation an Autoren am Werk, für die es dazugehört - zumindest für ihre Kinder - und die es nicht unabsichtlich oder absichtlich raushalten. Für die es eben normal ist.

Das besondere an die diesem Buch sind die Feelies. Etwas, dass die elfjährige Hauptperson Lilo selbst erfunden hat. Als sie ihr erstes Handy hatte, hat sie "genau wie alle anderen von morgens bis abends Selfies geknipst." Aber das fand sie schnell langweilig, weil man immer gleich aussieht und nicht besonders gut, wenn man es nicht richtig kann, und dann hat sie das Mikro entdeckt und angefangen zu beschreiben, was sie gerade sieht, tut, denkt, fühlt. "Bei meinem ersten Versuch habe ich den ersten warmen Frühlingstag beschrieben, an dem ich ohne Jacke und in Sandalen ohne Socken in die Schule gehen konnte und wie glücklich meine Zehen in den Sandalen waren. Und als ich ein paar Tage später angehört habe, wusste ich plötzlich wieder ganz genau, wie ich mich exakt in dieser Minute gefühlt hatte. Deswegen habe ich diese Tonaufnahmen Feelies genannt, weil sie wie Selfies von Gefühlen sind."

Und Lilo hat so einiges zu fühlen: Mama, Papa, der ältere Bruder Ben und sie werden umziehen, raus aus der alten kleinen Wohnung mit dem garstigen Vermieter auf ein altes Schloss auf dem Lande. Der Besitzer, ein Graf, vermietet einen Teil davon, um Geld für den Unterhalt des Anwesens zu haben.

Feelie Nummer 9: "Hallo Leute, hier ist Lilo. Heute erzähle ich euch, wie es sich anfühlt, wenn man umzieht. Zumindest bei mir ist das ein ganz seltsames Gefühl. Erst ist es aufregend und lustig. Aber irgendwann kommt der Moment, in dem alles im Wagen ist und man von seinem früheren Zuhause weggehen muss. Und dann ist es so, als würde man einen Klettverschluss aufreißen. Plötzlich hakt man mit tausend kleinen Gefühlen an der alten Wohnung fest und es macht richtig ratsch, wenn man geht. Man fährt ja in diesem Moment nicht in Urlaub. Man geht für immer. Und selbst wenn man irgendwann wiederkommen würde, wäre das Zuhause nicht mehr da&"

Mit Feelies ist es aber das gleich wie mit Selfies, es gibt diesen schmalen Grat zwischen interessanter Info und etwas angestrengt fröhlicher Selbstdarstellung - was auch ein bisschen Geschmackssache ist. Und weil Lilo auch Ich-Erzählerin ist, flicht sie ihre Gefühligkeit auch in den normalen Text ein, dann "durchschießt" sie "Sommerglück wie ein Blitz" und "die nächsten Tage sind Sommersonnenferienglückstage".

Das muss man also mögen, sonst ist das Buch nicht das Richtige. Oder zumindest aushalten und in Kauf nehmen. Lilo hat auch noch eine andere Seite, an die man sich als Leser gewöhnen muss: sie ist ziemlich empfindlich. Auf dem Schloss gibt es mehrere Wohnungen und in einer zieht eine Familie mit drei Mädchen ein. Die Mutter ist Malerin und die drei Kinder sind das, was brave, gebügelte Mittelschichteltern flippig, frech, lebhaft, schräg oder wild nennen würden: sie tragen bunte Klamotten, ausgefallene Namen, sind frech und selbstbewusst und lustig frisiert und tragen wie Pippi Langstrumpf drei Kleider übereinander.

Verständlich, dass Lilos Bruder Ben Lust hat, mit der gleichaltrigen Helena durch die Gegend zu ziehen. Statt jedes seiner Worte und Taten auf Lilos empfindliche Gefühlswaage zu legen. Die zieht sich prompt tagelang schmollend und traurig in ihr Zimmer zurück und weil sie die Ich-Erzählerin ist, müssen die Leser mit ihr schmollen. Obwohl draußen Sommer ist, Sonne, Ferien, Wald, Wasser, Natur, nette Kinder und so viel zu entdecken. "Geh raus, Lilo. Reiß dich zusammen. Oder stöbere durch das Schloss. Mach was!" möchte man ihr manchmal zurufen. Oder spiel mit Golo, dem Enkel des Grafen, der ist auch gerade zu Besuch und weiß nicht wohin mit sich. Seine Rolle ist kaum mehr als ein Schatten, er scheint etwas seltsam zu sein, hätte aber bestimmt viel zu erzählen.

Zum Glück ist die mittlere der drei wilden Nachbarstöchter, Angelina, sehr nett ,patent ,zugewandt und einen Tick mehr auf Zack als Lilo. Sie schafft es, sie in Gang zu bringen. Als Freundinnen-Team macht es mit den beiden richtig Spaß, und sie erleben noch so einiges: stöbern auf dem Dachboden herum, finden ein verlassenes Siebenschläferjunges ,päppeln es auf und beschließen zusammen ein Buch über ihre Erlebnisse zu schreiben. Und am Ende haben sich die sechs Kinder doch ganz gut zusammengefunden, auf dass es ein schöner, glücklicher Feriensommer werden kann.

Am Ende des Buches sind noch viele Handlungsstränge offen und gerade erst begonnen, so dass es noch viele weitere Lilo-Bücher geben kann.

Fazit:

Lilo und ihre Erlebnisse sind lustig, schön und gut und zum Runterlesen geschrieben, mit lustigen, traurigen und spannenden Aspekten, mit viel, viel Gefühl, ein paar Geheimnissen und einigen ausbaufähigen Handlungssträngen und Personen, über die man in einem zweiten, dritten, vierten Teil hoffentlich mehr erfahren wird.

Sigrid Tinz

Lilo auf Löwenstein

Mara Andeck, Boje

Lilo auf Löwenstein

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