Couch-Wertung:

66%
Idee
Bilder
Text

Idee

Ein „Muss“ für jeden Liebhaber/Sammler alter Märchen. Eine Geschichte, die zum Mit –und Weiterdenken anregt. Allerdings vermag die Geschichte in der heutigen Zeit und mit dem heutigen Verständnis von gelungener Kinderliteratur nicht mehr so recht bestehen

Bilder

Im Stil der Zeit, nostalgisch und stimmig. Sie unterstützen die Geschichte auf hervorragende Weise: die heile Welt in Farbe und der Schrecken eines Alptraumes in schwarz/weiß, aber gerade dies macht es nicht unbedingt zu einem gut verdaulichen Buch.

Text

Ein unvergesslicher Bilderbuchklassiker in nostalgischer Aufmachung, das gilt auch für die Sprache: metaphernreich und überhaupt nicht leicht verständlich, also nicht kindgerecht für die heutige Zeit.

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1% 50% 100%

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

4 x 91%-100%
2 x 81%-90%
0 x 71%-80%
0 x 61%-70%
0 x 51%-60%
1 x 41%-50%
0 x 31%-40%
0 x 21%-30%
0 x 11%-20%
4 x 1%-10%
B:55.818181818182
V:10
W:{"1":4,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":1,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":0,"88":0,"89":1,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":1,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":3}
Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2005

Das berühmte Märchen ";Der kleine Häwelmann"; von Theodor Storm ist ein unvergesslicher Bilderbuchklassiker von 1926, der nun in nostalgischer Aufmachung und mit Bildern von Else Wenz-Viétor wieder aufgelegt wurde und im Lappan Verlag erschien. Große Literatur für kleine Einsteiger, die schon über ein bisschen Erfahrung mit literarischen Werken verfügen sollten. Keine leichte Kost, sondern in der heutigen Zeit erklärungsbedürftig, inhaltlich ebenso wie die Illustrationen, die sicherlich die ein oder andere Frage aufwerfen. Aber das ist gut so, denn Literatur lesen und begreifen, heißt sich damit auseinanderzusetzen.

Zu Beginn des Buches lesen wir als Einleitung ein kleines Gedicht über den Häwelmann, verfasst von seinem Vater, das in wunderbarer Weise die Liebe des Vaters zu seinem Sohn ausdrückt.

Der kleine Häwelmann liegt bereits in seinem kleinen Bettchen und soll schlafen, neben ihm im großen Himmelbett schläft die Mutter bereits, aber der kleine Häwelmann will noch in seinem Bettchen hin- und hergerollt werden. Die Mutter tut dies automatisch im Halbschlaf, aber dann schläft sie doch fest ein. Der kleine Häwelmann ist aber immer noch putzmunter und das, obwohl der Mond längst aufgegangen ist. Der Mond schaut durch das Fenster herein und sieht wie der kleine Häwelmann sich aus seinem Nachthemd ein Segel gebaut hat und ";mit beiden Backen pustet"; und auf diese Weise mit seinen Rollenbett kopfüber in seinem Zimmer umherrollt. Und das reicht ihm immer noch nicht, er möchte

";Mehr, Mehr!";. Auf Drängen des Jungen darf dieser auf dem Mondstrahl, der durch das Fenster scheint, nach draußen in die Stadt fahren. Dort schlafen aber alle Menschen und das ist dem kleinen Häwelmann zu langweilig, so will er in den Wald zu den Tieren fahren. ";Mehr, Mehr!"; ruft er dem Mond zu. Im Wald ist es aber auch still und einsam, denn all die Tiere schlafen auch, außer Hinze, einer Katze, die der Häwelmann wohl kennt. Aber auch hier ist es langweilig und so heißt es wieder ";Mehr, Mehr!"; und der kleine Häwelmann fährt bis zum Ende der Welt und geradewegs in den Himmel hinein. Er fährt mitten in die Sterne hinein, sodass einige vom Himmel purzeln und dem Mond frech mitten über seine Nase. Da ärgert sich der Mond und löscht sein Licht und auch die Sterne gehen schlafen. Da ist der kleine Häwelmann plötzlich sehr einsam und allein und fürchtet sich und es ist langweilig, denn niemand sieht ihn fahren. Und er fährt kreuz- und quer bis plötzlich die Sonne aufgeht und den Häwelmann in das Meer wirft - da konnte er dann schwimmen lernen. Und dann wurde der kleine Häwelmann von uns gerettet, sonst wäre er wohl ertrunken.

Man muss schon etwas übrig haben für nostalgische Märchen und ebenso für die nostalgischen Illustrationen von Else Wenz-Viétor, sonst würde man sich diesen Bilderbuchklassiker von Theodor Storm sicherlich nicht kaufen. Die nostalgische Illustration auf dem Einband ist im Stil der 30iger Jahre liebevoll und ";blumig"; gezeichnet. Das kleine Gedicht auf der ersten Seite spricht von viel Liebe und Zärtlichkeit, wie sie es nur zwischen Eltern und ihren Kindern geben kann und stellt uns den kleinen ";Häwelmann"; als Sonnenschein der Familie vor und steht bis zum Schluss im Kontrast zu der nachfolgenden Geschichte. Im Laufe der Geschichte entpuppt sich der kleine Häwelmann als lauter, frecher, ungeduldiger, kleiner Bursche, der nicht schlafen will und wirkt dadurch auf den erwachsenen Leser nicht gerade sympathisch. Kleine Kinder können sich sicherlich eher mit der Figur identifizieren, denn das Thema ist bestimmt nicht neu! Der kleine Häwelmann gibt keine Ruhe und will immer ";Mehr!"; Der Mond ist nett und freundlich zu ihm, die (böse!) Sonne bestraft ihn und wirft ihn ins Meer und er muss schwimmen lernen. Als die Geschichte 1926 entstand wurden die Kinder streng autoritär erzogen und das spiegelt sich in der Geschichte und auch zum Teil in den Illustrationen wieder. Die Kinder wurden geliebt, aber es gab klare Grenzen, die einzuhalten waren, sonst wurde streng bestraft und die Kinder bekamen ";Erziehung"; in aller Härte zu spüren. Die damaligen Eltern waren überzeugt, dies sei der richtige Weg. Der kleine Häwelmann scheint von diesem Weg abgekommen zu sein, denn er fordert Aufmerksamkeit von den Eltern und den Erwachsenen. Er will ";Mehr!"; als nur Erziehung, er möchte alles erfragen und erfahren dürfen, möchte Grenzen sprengen und auch mal ";über die Strenge schlagen";.

Die Auflösung kommt erst ganz zum Schluß: Gott sei Dank, es war alles nur ein (böser?) Traum und der kleine Häwelmann erwacht ganz strubbelig in seinem Rollenbett. Im Hinblick auf die Freiräume der Erziehung von heute kann man aufatmend sagen, dass unseren Kindern solche ";Alpträume"; erspart bleiben. Diese Hintergründe bleiben dem kleinen Zuhörer auch wohl erspart und sind wohl auch schwer verständlich.

Ähnliches gilt natürlich für die Sprache diese nostalgischen Kinderbuches, erschienen im Lappan Verlag. Sie ist nostalgisch und daher nicht leicht verständlich oder zeitgemäß. Der Name des Jungen ist der erste Stolperstein, dem kleine Zuhörer begegnen, denn wer heißt schon Häwelmann? Begriffe wie ";Rollenbett, Stube, Himmelbett, possierlich, Hemdzipfel"; und vor allem ";ich illuminiere"; sind erklärungsbedürftig. Dazu kommt die metaphernreiche Sprache des Schriftstellers, Theodor Storm: ";die kleine Seele tritt heraus";, "; die hohen Häuser glotzten mit ihren schwarzen Fenstern recht dumm in die Stadt hinein";, ";der Mond putzte die Laterne aus";, ";da wurde es im Himmel auf einmal so dunkel, dass man es ordentlich mit den Händen greifen konnte";. Um es erklären zu können, muss man es verstehen und auch mögen. Dies gilt auch für Bilder wie ";der Häwelmann fährt kopfüber im Zimmer umher"; und "; der Mond hatte Schwierigkeiten zwischen den Bäumen hinterher zu kommen"; sowie für die entsprechende Erklärung. Trotzdem ist die Sprache lebendig und es wird ein Spannungsbogen erzeugt, der sich erst auf der letzten Seite auflöst. Heute ist man bemüht, die Kinder realitätsnah zu erziehen und ihre neugierigen Fragen offen und ehrlich zu beantworten. Man muss sich klar machen, dass "; der kleine Häwelmann"; von Theodor Storm ein Märchen ist und es genauso behandeln. Und Märchen entwickeln die Fantasie und sollen uns gleichzeitig unterscheiden lehren, was Realität und was Fantasie ist und dies genau ist die Botschaft, die uns dieses Märchen vermitteln will.

Die Illustrationen von Else Wenz-Viétor unterstützen die Geschichte auf ihre Weise, sie wirken absolut nostalgisch und wecken bei dem erwachsenen Leser Kindheitserinnerungen an die Bücher bei Oma und Opa. Sie sind im Stil der 30iger Jahre gezeichnet: dieser wohlgenährte, pausbäckige Häwelmann der Titelseite kann nur der Sonnenschein einer jeden Familie sein! Es gibt vierfarbige und schwarz/weiß Illustrationen, wobei die Schwarz/weiß Bilder meist den Schrecken des Alptraumes abbilden. Für die jungen Zuhörer/Leser wirken sie zum Teil vielleicht sogar erschreckend z.B. die schwarzen Häuserfassaden, die wie dunkle, schreiende Gesichter aussehen, der empörte Baum, der erboste Mond, die böse Sonne und das schreiende, ins Meer stürzende Kind.

Fazit:

Ein wunderbares Geschenk für Liebhaber und Sammler nostalgischer Märchen oder für vorlesende Omas und Opas, die bei ihren Enkel einen ";bleibenden Eindruck"; hinterlassen wollen. Auch wenn der kleine Zuhörer nicht alles versteht, die Bilder bleiben haften und es ist dem Vorleser überlassen, wie verständlich Literatur werden kann.

Rufina Wieners

Deine Meinung zu »Der kleine Häwelmann«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.