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Die Geschichte von Nadja und Viktor und der Belagerung Leningrads im zweiten Weltkrieg ist nicht immer leicht auszuhalten. Aber zuzumuten.

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Immer wieder sind Zeichnungen und Skizzen und Fotos oder Zeitungsausschnitte in den Tagebuchtext eingestreut, das macht alles sehr anschaulich.

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Die Tagebuchform macht es authentisch, jung und nah. Es gibt mal lange, mal kurze Einträge, mal Rückblicke, mal minutiöse Protokolle und so liest es sich sehr abwechslungsreich.

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Sigrid Tinz

Buch-Rezension von Sigrid Tinz Dez 2018

Zweiter Weltkrieg, die russische Stadt Leningrad wird belagert. Die Kinder werden mit langen Zügen ins Innere des Landes in Sicherheit gebracht, ohne ihre Eltern. "Ihr dürft euch nicht verlieren!", hat die Mutter den Zwillingen Nadja und Viktor eingeschärft. Doch schon im Bahnhof werden sie auseinandergerissen. Viktor verschlägt es nach Sibirien, Nadjas Zug strandet bereits kurz hinter Leningrad. Abgeschnitten von der Außenwelt und ohne Nachricht voneinander, versuchen die Geschwister verzweifelt, sich wiederzufinden. Jeder der beiden schreibt Tagebuch - und so kann man ihre abenteuerliche Geschichte miterleben.

Der Leningrader Bahnhof ist voll bis überfüllt an dem Tag, als auch die 13-jährigen Zwillinge Nadja und Viktor die Stadt verlassen sollen. Die Eltern dürfen gar nicht mit auf den Bahnsteig, sonst gäbe es noch mehr Gedränge. Die Stimmung ist gemischt, einerseits sind die Erwachsenen froh, ihre Kinder in Sicherheit bringen zu können. Andererseits trennen sich Eltern und Kinder nur schwer voneinander; für so eine lange Zeit. Und besonders schwer natürlich, wenn man nicht weiß, wann und ob man sich je wiedersehen wird.

Alle Kinder bekommen eine Nummer auf die Hand geschrieben, Viktor eine 77 und Nadja eine 76. Bevor sie verstanden haben, was es damit auf sich hat, sind sie schon in verschiedenen Zügen untergebracht.

Viktor landet tatsächlich im Ural, auf einer Kolchose, wo er viel arbeiten muss, aber in Sicherheit ist, zu Essen hat und auch Freundschaften schließt. Wo es ihm eigentlich gut ginge - wenn da nicht die Sorge um seine Schwester wäre. Denn von der hat er seit der Abreise nichts gehört; nur in der Zeitung gelesen, dass ihr Zug bereits kurz hinter Leningrad gestrandet und bombardiert worden sein soll. Aber irgendwie sagt ihm sein Gefühl, dass sie noch lebt. Und deshalb läuft er weg, zusammen mit einigen seiner Freunde, um sie zu suchen und zu finden.

Der Leser weiß unterdessen, wie es Nadja ergangen ist. Denn das Besondere an diesem Buch ist, dass es wie ein doppeltes Tagebuch konzipiert ist. Viktor schreibt seine Erlebnisse in ein Notizbuch, Nadja auch. Und der Leser liest die beiden Berichte ineinander verschränkt und so wie an einem Stück. Dazu sind wie in einem Album Fotos, Karten und Zeitungsausrisse eingestreut, so dass der Leser zusätzlich viel über die Zeit und das Land erfährt. Natürlich müssen sie, um zu überleben, verbotene Dinge tun: Essen stehlen, lügen, am Ende knackt Viktor sogar einen Armeelaster und fährt damit über den zugefrorenen See, um seine Schwester aus einer eingeschneiten und belagerten Militärfestung zu retten. Und dann decken sie auch noch eine politische Verschwörung auf. Deswegen sind es eigentlich sogar drei Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird. Denn nach ihrer Rückkehr werden die beiden angeklagt und der mit der Untersuchung der Vorfälle betraute Beamte schreibt zwischen die Zeilen seine Anmerkungen und Beschuldigungen.

All das klingt abenteuerlich und turbulent und das ist es auch. Es macht sogar Spaß das Buch zu lesen, denn die beiden Kinder verlieren nie ihren Humor und ihre Unbekümmertheit, sie wissen Freundschaften zu schätzen, erfreuen sich am ersten Verliebtheitsein. Aber: Hunger, Kälte, Gewalt und Angst sind durchgängig zu spüren. Weggefährten verschwinden und sterben, Viktor verliert bei einem Unfall drei Finger.

Ja, in manchen Fantasyromanen für diese Altersgruppe geht es viel blutiger zur Sache. Aber da weiß man als Leser auch, dass es erfunden ist. Hier ist klar: mögen es fiktive Kinder sein - in Wirklichkeit ist es aber sehr vielen Kindern auf der Flucht vor dem Krieg so ergangen. Ergeht es anderswo auf der Welt heute noch so. Und es wird auch in Zukunft immer wieder passieren. Das geht dann schon sehr nahe.

Gut so, finde ich. Das kann man Kindern zumuten. Denn je weniger Zeitzeugen es gibt, desto wichtiger ist es, dass andere Vermittlungswege existieren. Allerdings sollte jeder einschätzen, ob man es dem eigenen Kind zumuten kann. Offiziell ist es empfohlen ab 12. Je nach Kind können es aber auch Zehnjährige lesen. Oder manchmal vielleicht auch erst Vierzehnjährige.

Fazit:

Ein tolles Buch: originell und sehr lebendig konzipiert als doppeltes Tagebuch, mit viel Gefühl, Dramatik und Humor. Gleichzeitig ist durchgängig klar, es ist nicht nur spannender Abenteuerroman im eiskalten verschneiten Russland. Sondern ein Zeitzeugnis, fiktiv, aber authentisch und stellvertretend für das schwere Schicksal von Millionen Kindern im zweiten Weltkrieg. Und gleichzeitig ein leuchtendes Beispiel, wie es möglich ist unter den unmenschlichsten Umständen menschlich zu bleiben.

Sigrid Tinz

Verloren in Eis und Schnee - Die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow

Verloren in Eis und Schnee - Die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow

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