Das Geheimnis von Hester Hill

Erschienen: Juni 2019

Bibliographische Angaben

Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Originaltitel: Mysteriet pa Hester Hill
Originalverlag: Lilla Piratförlaget
Hardcover, Pappband, ca. 250 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 55 s/w Abbildungen

Couch-Wertung:

90%
Idee
Text

Idee

Auch in Schweden spukt es. Ein spannendes Ferienabenteuer mit Geistererscheinungen und Zeitreisen in die Vergangenheit. Mit mutigen, engagierten Protagonisten. Hintergründig erzählt.

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Angenehm zu lesen. Weite Passagen sind reflektierend aus der Sicht der Hauptfiguren geschrieben. Die Handlung ist komplex, aber bei konzentrierter Lektüre gut nachvollziehbar.

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Kirsten Kohlbrei
Schwedischer Spuksommer

Buch-Rezension von Kirsten Kohlbrei Aug 2019

Die zwölfjährigen Zwillinge Meg und Frank verbringen den Sommer gezwungenermaßen bei ihrem Großonkel Eliot, da ihre Eltern kurz vor der Trennung stehen und an einen gemeinsamen Urlaub nicht zu denken ist. Doch statt eintöniger Ferienwochen, erleben sie dort ein einzigartiges, rätselhaftes Abenteuer.

Eliot wohnt mit seinem Freund Carl in Hester Hill, einem großen Herrenhaus auf einem Hügel mitten im Wald, in der Nähe des Dorfes Svarthed.

Schon die Ankunft der Geschwister verläuft seltsam. Als sie spätabends am Bahnhof auf ihren Onkel warten, meint Meg im verlassenen Bahnhofsgebäude ein Mädchen mit langem Zopf und Rosette zu sehen, dass sie wenig später auf einem alten Gemälde in ihrem Zimmer wiederentdeckt. Das Bild zeigt die Familie Hester, die Ende des 19. Jahrhunderts Hesterhus bauen ließ, aber schon kurze Zeit später nach Stockholm zog. Danach stand das Haus über sechzig Jahre leer, bevor Eliot es übernahm und den Namen Hester Hill passender fand. Auffällig an dem Familienporträt ist ein leerer Stuhl in der Reihe der kleinen Kinder, der den Anschein erweckt, es würde ein Kind fehlen.

Unheimliche Vorkommnisse im Herrenhaus

In der Nacht hört Meg im Zimmer über ihr Geräusche, obwohl das obere Stockwerk nicht benutzt wird. Als sie am nächsten Morgen mit Helga, der Haushälterin nachschauen, finden sie aber nur einen Vogel, der sich durch ein geöffnetes Fenster ins Haus verirrt hat. Neugierig erkunden die Zwillinge Hester Hill und die Umgebung. Viele der großen Zimmer des Landhauses stehen leer und die Treppenaufgänge sind verschlossen, angeblich damit Besucher nicht im Haus herumlaufen. Carl und Eliot bewirtschaften zwar eine Apfelplantage, aber eigentlich ist Eliot Wissenschaftler und Erfinder. Sein Arbeitszimmer im Keller erreicht man durch eine Geheimtür in der Bibliothek. Der Dachboden ist vollgestellt mit ausrangierten Dingen, worunter sie eine Holzscheibe entdecken, die sich als Kugelwortspiel entpuppt, das eigentümliche Nachrichten schreibt.  Auch sonst ereignen sich weiterhin merkwürdige Dinge. Im Wald hört Meg ein Mädchen rufen und Babyweinen im Haus, obwohl niemand zu sehen ist. Besonders unheimlich ist ein Päckchen mit einem Schlüssel, das im Buchladen des Dorfes angeblich für Meg seit vielen Jahren hinterlegt war.

All diese Ereignissen können sich die Zwillinge zunächst nicht erklären, auch ihre neue Freundin Lily, die Enkelin von Helga, ist ratlos. Dazu beschäftigen Meg und Frank die Streitereien ihrer Eltern. Besonders Frank würde am liebsten überhaupt nicht mit ihnen telefonieren und Meg möchte gar nicht an die neue Wohnung des Vaters denken. Während Frank vor allem Ausgleich beim Tubaspielen findet, liebt Meg Bücher.

So verschlingt sie auch das Tagebuch von Hans Hester, dem Erbauer von Hesterhus, das ihnen in die Hände fällt. Darin schreibt er über seine Arbeit in der Frauenklinik, die er in seinem Haus für ledige Mütter betreibt, deren Neugeborenen zur Adoption freigegeben werden.  Außerdem erwähnt er ein Gemälde in der Kirche, das vor einem Großen Unglück warnt, das im Jahr der Aufzeichnung wahr werden soll.

Ankündigung eines großen Unglücks

Der Pfarrer von Svarthed erzählt ihnen dann von einer Prophezeiung, die damals vor genau hundert Jahren von einer Seherin verbreitet wurde, wonach ein Feuer und eine Überschwemmung das Dorf heimsuchen würden. Angekündigt durch das Erscheinen eines Jungen mit sechs Fingern an jeder Hand. Zum Schutz hätten die Bewohner deswegen einen Tunnel bis zum Hesterhus gegraben, um dorthin flüchten zu können. Im Keller von Hester Hill befindet sich unter einer Falltür, in deren Schloss der Schlüssel aus dem Paket passt, ein Jahrhundert später vielmehr ein Kanal. Mit einem Ruderboot gelangen die Kinder darüber in ein Haus, das Hester Hill gleicht, aber wie aus einer vergangenen Zeit erscheint. Zu ihrem Erstaunen sehen sie dort das Mädchen vom Bild wieder. Esther, die schwanger ist und verzweifelt, weil sie sich nach der Geburt direkt von ihrem Kind trennen soll. Aber wie kann das sein? Keiner der drei glaubt an Gespenster und eine Zeitreise ist schwer vorstellbar. Meg, Frank und Lily ahnen, dass Esthers Baby etwas mit der Prophezeiung zu tun hat. Als ein heftiges Unwetter aufzieht, ein Blitzeinschlag den Wald entflammt und durch starken Regen, der nahegelegende Teich droht, das Dorf zu überschwemmen scheint es, als würde die alte Vorhersagung wahr werden. In dieser Notsituation entscheiden sich die Freunde für eine letzte Bootstour zurück in die Vergangenheit, um dort den Lauf der Ereignisse, zum Guten zu verändern und damit für eine sichere Zukunft, ihre Gegenwart, zu sorgen.

Geistergeschichte garantiert Hochspannung

Kristina Ohlsson ist eine international erfolgreiche Thrillerautorin für Erwachsene, der mit ihrer Geschichte mühelos auch ein hochspannendes Buch für jüngere Leser gelingt.

Die Alterszuordnung des Verlages ab neun Jahre funktioniert. Die Leser sollten nur nicht zu schreckhaft sein, denn die über Strecken düstere Atmosphäre ist unheimlich und die mysteriösen Geschehnisse auf Hester Hill haben Gänsehautpotenzial pur. Also keinenfalls, die lebendige leichte helle Stimmung eines typischen schwedischen Lindgren-Sommers. Dazu haben die Figuren in beiden Zeitebenen zu viele persönliche Sorgen. Die ernsthaften Themen wie die Scheidungsabsicht der Eltern von Meg und Frank oder der historische Bezug auf Hesterhus als Entbindungsklinik für ledige Frauen werden jedoch altersgemäß verständlich angesprochen und erscheinen nicht zu belastend.

Ohlssons Erzählstil ist eher langsam und wirkt fast ein wenig altmodisch und eignet sich gut zum Genre einer Spukgeschichte. Hierfür findet sich auch alles, was eine gute Gespenstergeschichte ausmacht: ein altes herrschaftliches Haus mit Geheimtüren- und gängen, eine tragische Geschichte in der Vergangenheit, rätselhaft Hinweise, Geistererscheinungen.

Dazu passt auch das schnörkelige hübsche Cover, das verbunden mit dem Titel zunächst den Eindruck erweckt als wäre der Schauplatz der Handlung irgendwo auf der britischen Insel und nicht in Schweden.

Die Charaktere sind bis in die Nebenfiguren schön ausgestaltet. Besonders die Zwillinge Meg und Frank werden mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten gut getroffen, wobei gleichzeitig die enge geschwisterliche Zuneigung deutlich wird, die den beiden in ihrer unsicheren Familiensituation Stabilität gibt. So gelingt es ihnen zunehmend die Trennung der Eltern, zu akzeptieren.  Die Geschwister agieren engagiert mutig und überlegt, zeigen jedoch auch Schwächen, Ängste und Mitgefühl und bieten damit viel Raum zur Identifikation für die Leser.

Im Umgang mit den Erwachsenen zeigen sie soziale Kompetenz. Respekt und selbstbewußtes Hinwegsetzen über Verbote bestimmen ihr Verhalten ausgewogen.

Fazit:

Ein schwedisches Kinderbuch, dunkler und ernster als gewohnt, aber dabei nicht weniger ansprechend, ungemein spannend und einfühlsam erzählt. Genau das richtige für Leser, die schaurig-schöne Geschichten lieben und ein klein wenig an Gespenster und Zeitreisen glauben.

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