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Idee
Bilder
Text

Idee

Eine vielschichtige, aber auch in ihrer Schlichtheit berührende Geschichte über Selbstfindung, die Freude aufkommen lässt.

Bilder

Die Illustrationen Wolf Erlbruchs sind filigran, aber nicht überfrachtet, sie sind ebenso stark wie der Text.

Text

Der Text ist so poetisch schön, tiefgründig, lustig und herzlich, dass er ohne besondere Gestaltung und sogar ohne die begleitenden Bilder bestehen könnte.

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Anjes Lämmermann
Auf Schnitzeljagd nach sich selbst – ein bäriges Abenteuer

Buch-Rezension von Anjes Lämmermann Mär 2019

„Bist du ich?“ steht auf dem Zettel, den der Bär in seiner Tasche findet. Weitere Hinweise lauten, dass sein mögliches Ich nett, glücklich und hübsch sei. Der Bär entflammt augenblicklich für dieses Ich und macht sich sofort voller freudiger Erwartung auf den Weg: „Hoffentlich bin ich ich!“ Auf seinem Weg trifft er zunächst zwei Gestalten, die ihm ebenso unbekannt sind, wie er sich selbst:  das Bequeme Bergrind und den Saumseligen Salamander. Er schließt mit ihnen Freundschaft und erfährt von den beiden, dass er ein sehr netter Bär ist. Punkt 1 auf der Liste ist abgehakt.

Als nächstes begegnet er dem Vorletzten Vorzeige-Pinguin, einem intellektuellen Miesepeter, der schnell vom Bären genervt ist, weil dieser sämtliche wissenschaftlichen Grundsätze ignoriert. Im Widerstreit mit dem Pinguin entstehen im Bären wunderschöne Gedanken und das macht ihn  glücklich. Also ist auch Punkt 2 damit abgehakt.

Er kommt dann an einen skurrilen Kompassbaum, der in acht Richtungen zeigt. Als der Bär noch überlegt, ob er sich für die Richtung Mittagessen oder Frühstück entscheiden soll, erscheint das Träge Schildkröten-Taxi. Mit diesem Taxi legt der Bär dann das letzte Stück zurück. Obwohl es immer geradeaus geht, führt der Weg auf Irrwegen durch einen Wald und erfordert viel Geduld. Aber der Bär genießts und als er endlich wieder in seinem Haus angekommen ist, genügt ihm ein Blick in den Spiegel, um zu sehen, dass er sehr hübsch ist und die dritte und letzte Eigenschaft auf ihn zutrifft. Er hat sich gefunden.

Märchenhaft, aber nicht konventionell

Konventionell an dieser Geschichte ist die Märchenstruktur. Sie beginnt mit den Worten „Es war einmal“, erzählt von drei Begegnungen und führt zu einem guten Ende. Alles andere, die Dialoge, das Jonglieren mit Worten, der Inhalt der Geschichte sowieso, ist unkonventionell: Ungereimtheiten – wie schon im Titel: „Der Bär, der nicht da war“ -  durchziehen die ganze Erzählung. Der Bär stolpert auf seiner Jagd nach der Antwort auf die große Frage über viele kleine Fragen, die, in paradoxem Erzählstil eingekleidet, als witzige Ungereimtheiten den Leser zum Lachen bringen, aber auch durchaus philosophischen Charakter haben. Jede neue Erkenntnis des Bären wird in Reimen zur Sprache gebracht.

Ungereimt und gereimt

Er macht sich so seinen Reim auf die Ungereimtheiten, im ganz (sprich)wörtlichen Sinne. Ob die hintergründigen philosophischen Gedanken als solche erkannt werden oder nicht, ist jedoch bei der Lektüre dieser wunderbaren Geschichte völlig egal. Sie ist so oder so in ihrer regelrechten Schwerelosigkeit ganz schlicht  und einfach lustig. Die Geschichte wirkt alles in allem auch wie ein Plädoyer gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit und sorgt für wohltuende Irritationen: Bär und Schildkröte bewegen sich langsam durch den Wald, sie verirren sich, all das „gehört zu geradeaus“, das „heutzutage sehr beliebt ist“ und wo „jeder hin will“. Und „geradeaus“, das Ziel des Bären, schürt Erwartungen, dass die Strecke die kürzeste ist. Der Bär ist durchaus zielstrebig, jedoch verlangsamt sich sein Streben von der anfänglichen Eile in ein gemäßigteres Schlendern und zuletzt in ein Schleichen auf Irrwegen. Die erforderliche Geduld entfaltet sich dabei in  ein Genießen: Der Bär freut sich sogar, dass sie sich verirrt haben. Die lange Weile ist alles andere als langweilig.

Traumhafte Bilder, die das Erzählte wunderbar unterstreichen

Die Bilder entstanden offenbar nachträglich zur Geschichte, sie schaffen es aber, den Text auf wundervolle Weise zu visualisieren: Wolf Erlbruch stellt die Langsamkeit, die lange Weile, in einer textlosen Doppelbilderseite dar, auf der man den Bären von weitem auf der Schildkröte durch den dichten Wald, der das (Nicht-)  Geschehen dominiert, reiten sieht. Alles in allem sind die Illustrationen, auch die Gestaltung der Textform bis zu den einzelnen Buchstaben, ein Festschmaus für die Augen. In erdigen Tönen gehalten, lassen sie den Blick ruhig werden. Farblich in Rot hervorgehoben ist einzig der überdimensionierte, immerwährend lachende Mund des Bären, der den Betrachtern der Bilder von der ersten bis zur letzten Seite ein Grinsen ins Gesicht zaubert.

Fazit:

Ein Buch, das Zeit braucht, aber sich lohnt, es Kindern zugänglich zu  machen, auch wenn sie vielleicht noch nicht alles verstehen. Ihre Paradoxien brechen auch  für Kinder schon Selbstverständliches auf und fordern ihren Verstand auf- herzlichwitzige Weise heraus. Die unerschütterlich gute Laune des Bären ist ansteckend. Zuletzt ist der Bär ein wundervolles Vorbild und dieses Buch pures Lesevergnügen für Kopf, Herz und Bauch

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