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Leuchturmwärtertochter trifft auf Meerjungen und steckt schnell tief in einer aufwühlenden Geschichte um Vorurteile, Freundschaft, Mut und Selbstbewusstsein.

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Zarte doppelseitige schwarz-weiß Illustrationen trennen die Buchteile von einander und unterstreichen gekonnt die Stimmung des Buches.

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Gut verständliche und altersgerechte Sprache, die dabei poetisch und gefühlvoll ist und auch spannende Stellen hoffnungsvoll erzählt.

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Claudia Goldammer
Ein Meerjunge gehört ins Meer

Buch-Rezension von Claudia Goldammer Mär 2019

Als Meerjunge eingesperrt auf einem Dachboden zu leben, nur alle paar Tage einen gammeligen Fisch zu bekommen und nur einmal am Tag baden zu dürfen… Klingt furchtbar, oder? Das findet  auch und beschließt, dass auch Meerjungen frei sein dürfen…

Emilia hat den Spitznamen Lämpchen und lebt mit ihrem Vater Augustus auf einer kleinen, bei Flut überspülten Landzunge, die einer kleinen Stadt vorgelagert ist. Einsam ist es dort und rau, aber Emilia liebt es und kann sich kein anderes Leben vorstellen. Und die Arbeit ihres Vaters ist extrem wichtig, denn er ist der Leuchtturmwärter und muss sich darum kümmern, dass nachts das Leuchtfeuer brennt und Schiffen zeigt, wo die zerklüftete Küstenlinie liegt. Doch obwohl Emilias Vater für diesen Job angestellt ist, ist es Emilia, die diesen Job erledigt, Tag für Tag. Das liegt zum einen daran, dass Augustus nur ein Bein hat, r das Treppensteigen bis hoch auf den Turm ist einfach zu anstrengend. Zum anderen ist er oft einfach zu betrunken, um noch daran denken zu können, die Kerze anzuzünden.

Die kleine Emilia erledigt den Job ihres Vaters

Doch so sehr Emilia sich auch bemüht, immer rechtzeitig an Streichholznachschub zu denken, eines Tages vergisst sie es doch. Siedend heiß fällt es ihr erst wieder ein, als es dämmert und sich am Horizont ein Sturm zusammen braut. Sie flitzt wie wild in die Stadt und ergattert tatsächlich noch eine Schachtel, doch auf dem Rückweg toben die Wellen schon zu gewaltig und reißen die Streichhölzer ins Wasser. Das Feuer im Leuchtturm brennt also diese Nacht nicht – und prompt zerschellt ein Schiff. Das ist Grund genug für die Oberen der Stadt, den Leuchtturmwärter im Leuchtturm einzusperren und Emilia ins Admiralshaus zu geben, um dort als Dienstmädchen den Schaden abzuarbeiten.

Um das Haus des Admirals ranken sich wilde Gerüchte. Ein Monster soll dort wohnen und wahrlich sieht es von außen wenig einladend aus. Schwarz, mit verschlossenen Fensterläden, verfallen und abweisend. Die wenigen Bewohner, Martha, Lennie und Flint sowie zwei riesige Hunde, sind zunächst auch wenig freundlich. Der Admiral selbst ist die meiste Zeit auf Reisen und lässt sich nur selten zu Hause blicken. Doch Emilia erobert nach und nach das Herz eines jeden und verändert den Charakter der Hauses. Unermüdlich schrubbt und putzt sie außerdem gegen den Zerfall an, nur ins obere Geschoss, ins Turmzimmer, darf sie nicht gehen. Sie hat eigentlich auch keine besondere Lust darauf, zumal Martha eines Tages mit einer blutigen Wade von einem kurzen Gang nach oben zurück kehrt.

Wer lebt im geheimnisvollen Turmzimmer?

Doch das Turmzimmer ist der einzige Ort, von dem aus sie einen Blick auf den Leuchtturm erhaschen könnte. Aus diesem Grund ignoriert sie auch alle Verbote und die eigene Angst und steigt eines Tages die enge Treppe hinauf. Verlassen, still und ruhig liegt das Zimmer, Emilia kann nichts Auffälliges beim Betreten erkennen. Doch plötzlich sieht sie ein Lebewesen auf dem Boden liegen. Ein Junge. Schlaff, schlafend, mit eingefallener Haut. Ist er tot? Doch nein, er atmet, aber er ist fast verdurstet und es fehlt nicht mehr viel, bis die Lebensgeister ihn verlassen. Emilia handelt sofort und flößt dem unbekannten Jungen tröpfchenweise Wasser ein, bis dieser gestärkt aber immer noch sehr matt in einen tiefen Schlaf fällt.

Wie auch schon bei den anderen Bewohnern des Hauses findet Emilia auch zu Edward, dem „Monster“ aus dem Turmzimmer, einen Zugang und schafft es, ihn aus seiner aggressiven und überheblichen Stimmung zu locken. Dabei kommt diese nicht von ungefähr: Edward ist definitiv anders als andere Kinder, denn er hat da eine Flosse, wo andere zwei Beine haben, tiefschwarze Augen, die im Wasser golden strahlen, eine grünliche Haut, grünliche Haare und den ganzen Mund voller spitzer Zähne. Sein Vater, der Admiral, hat ihn in das Turmzimmer verbannt und fordert, dass er seine Muskeln kräftigt, um Laufen zu lernen wie normale Menschen. Klar, dass man bei so einer Behandlung etwas eigenartig wird.

Zufällig sieht Emilia eines Tages auf dem Jahrmarkt eine Meerjungfrau und ist wie erstarrt ob der Ähnlichkeit zwischen dem Wesen im Aquarium und Edward. Nach dem ersten Schock ist ihr klar, dass die beiden sich unbedingt sehen müssen und nach einer aufregenden und nicht ganz ungefährlichen Odyssee gelingt es ihr, Edward zur Meerjungfrau zu bringen. Beide sind einigermaßen erschüttert über diese Begegnung, aber schließlich erfährt Edward, dass die ausgestellte Meerjungfrau die Schwester seiner Mutter ist, die vor langer Zeit einem Kapitän folgte und nie wieder zurück kam.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, die schließlich zu einer waghalsigen Flucht und einem ersten ausführlichen Schwimmen Edwards im Meer führen. Spätestens als Edward das kühle Nass und die Mühelosigkeit, mit der er sich darin bewegt, um sich spürt, ist er sich seiner Herkunft sehr sicher. Und doch will er wieder ins Schwarze Haus zurück, schließlich hat sich sein Vater angekündigt. Und tatsächlich betritt dieser kurz darauf das Land und begibt sich schweren Herzens zu seinem Haus. Sein darin lebender Sohn belastet ihn, wie soll er mit ihm umgehen, was aus ihm werden? Als er ihn vergnügt im Teich planschen sieht, steht sein Entschluss fest. Er muss weg und jede Lösung ist ihm recht. Sein Adjutant organisiert, dass Edward im Kuriositätenkabinett ausgestellt werden soll …

Lämpchen und der Meerjunge fliehen

Emilia und Edward sind entsetzt. Und beschließen zu fliehen.  Edward gelangt sicher ins Meer, Emilia kann sich in ein kleines Boot retten, dass im aufkommenden Sturm jedoch schnell zum Spielball der Wellen wird. Doch es gibt ja auch noch den Leuchturmwärter, der sein Herz als Vater wieder findet, aus seinem Leuchtturmgefängnis ausbricht und sich auf die Suche nach seiner Tochter macht…

„Die kleine Meerjungfrau“ von Hans-Christian Andersen ist ein Klassiker der Kinderbuchliteratur und nicht ohne Grund ist ihr in Kopenhagen ein Denkmal gewidmet. Die bewegende Geschichte um die kleine Meerjungrfau, die sich in einen Prinzen verliebt, als sie ihm das Leben rettet, und alles für ihn aufgibt, ohne von ihm geliebt zu werden, ist, in welcher Adaption auch immer, Millionen von Kindern und Erwachsenen bekannt und gehört zum Märchenschatz einfach dazu. Spätestens seitdem geht von der Vorstellung, es könnte Meerjungfrauen geben, die in einem bislang unentdeckten Reich am Boden des Ozeans leben, eine magische Faszination aus. Und wenn es Meermädchen gibt, dann muss es doch auch Meerjungen geben, oder? Zumindest Geschichten darüber ...

Annet Schaap hat ihren Fokus, im Gegensatz zu Andersens Vorlage, auf das beschwerliche Leben an Land gelegt, als „Monster“ unter Menschen, das vergeblich versucht, sich anzupassen, bis es erkennt, dass es in einem anderen Metier besser zurecht kommt und dort zumersten Mal so etwas wie Heimat fühlt.

Zwei Schicksale, eine Freundschaft

Zusätzlich bringt sie aber auch den Aspekt der Freundschaft ein und beschreibt, wie zwei sehr unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Ausgangspunkten sich trotz aller Schwierigkeiten,  Hindernissen und Vorurteilen anfreunden, in dem sie sich gegenseitig respektieren, Verständnis zeigen, offen und hilfsbereit sind. Und – das trifft vor allem auf Lämpchen zu – die Hoffnung und den Glauben an das Gute im Menschen nie verlieren. Beide Kinder sind sehr starke Charaktere, die jedes an seinem eigenen Schicksal schwer zu tragen haben. Auch wenn sie sich anfangs nicht besonders sympathisch sind, setzen sich Lämpchen und Edward am Ende unerschrocken und selbstlos für einander ein.

Das alles verpackt Annet Schaap in eine spannende und altersgerecht erzählte Geschichte, die trotz des außergewöhnlichen Themas glaubwürdig und stimmig ist. Ihr gelingt es, eine sehr dichte und facettenreiche Handlung verständlich, spannend und gefühlvoll zu erzählen, die Kinder dabei nicht zu verschrecken oder zu verängstigen und die märchenhafte und geheimnisvolle Aura das ganze Buch hindurch beizubehalten.

Das Buch ist in sechs Teile aufgeteilt, die wiederum aus mehreren Kapiteln bestehen. Diese sind von ihrer Länge her gut am Stück zu lesen und teilweise so spannend, dass das Buch sowieso nicht weggelegt wird. Zur Auflockerung sind die Buchteile durch jeweils eine illustrierte Doppelseite mit zarten schwarz-weiß Zeichnungen von einander getrennt, die einen Ausblick auf den kommenden Handlungsabschnitt geben.

Fazit:

Märchenhaft, detailreich, gefühlvoll, spannend und unterhaltsam: „Emilia und der Junge aus dem Meer“ verspricht versunkene Lesestunden mit einer gelungenen Mischung aus märchenhafter Magie, starken Kindern und dem Zauber der Freundschaft.

Emilia und der Junge aus dem Meer

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