Couch-Wertung:

79%
Idee
Bilder
Text

Idee

Skurril und spannend erzählter Gruselroman mit einem etwas farblosen Held.

Bilder

stimmungsvolle Ausgestaltung der Geschichte mit ansprechenden s/w-Zeichungen.

Text

Etwas sehr rasant und zielstrebig erzählt. Versehen mit einer Prise schrägem, englischem Humor.

Leser-Wertung

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2005

Das giftgrüne Cover von Ian Ogilvys ";Miesel und der Kakerlakenzauber"; spricht mit seinen beiden in tiefem lila illustrierten Hauptcharakteren bereits eine deutliche Sprache: hier geht es bestimmt nicht immer freundlich zu. Und so verspricht der Untertitel ganz passend: Ein kleiner Junge, ein großes Abenteuer und ein schrecklich fieser Hexer.

Miesel Stubbs lebt zusammen mit seinem gerichtlich bestellten Vormund Basil Trampelbone in einem heruntergekommenen, düsteren Haus. Seine Eltern sind bei einer Begegnung mit einer giftgrünen Schlange ums Leben gekommen, seitdem ist er ein Waise. Das erzählt ihm zumindest Basil, der seitdem das Vermögen des Jungen verwalten darf und das entsprechend eigensinnig gestaltet. Schnell wird klar, dass es Basil gar nicht gut mit dem kleinen Miesel meint.

So gibt es für Miesel nur wenig zu lachen. Die Lebensumstände sind mehr als schlecht, das Essen karg, die Kleidung ärmlich und Erziehung gibt es nur im negativen Sinn. Freundliche Worte oder gar Taten hat Basil nicht für Miesel übrig und seine Boshaftigkeit wird schon durch die Tatsache betont, dass sobald er das Haus verlässt, stets eine kleine dunkle Regenwolke über ihm weilt.

Doch eines Tages scheint es wenigstens einen kleinen Lichtblick zu geben. Basil nimmt ihn mit auf den Dachboden, wo eine große prachtvolle Modelleisenbahn-Anlage - von Basil selbst gebaut - darauf wartet entdeckt zu werden. Miesel darf Basil sogar hin und wieder beim Spielen zuschauen, mitspielen darf er natürlich nicht. Darum lockt Miesel auch eines Tages den fiesen Basil unter einem Vorwand aus dem Haus, um wenigstens einmal selber mit der Eisenbahn spielen zu können. Doch wie kann es anders kommen - er wird dabei entdeckt und die Strafe folgt auf dem Fuß. Basil zaubert Miesel auf Miniaturgröße und setzt ihn auf der Eisenbahn-Anlage ab, die Schauplatz von Miesels größtem Abenteuer werden sollte...

Nachdem sich Miesel von seinem ersten Schrecken erholt hat und sich daran macht die Anlage zu erkunden, entdeckt er schließlich, dass er nicht das einzige Opfer des merkwürdigen Zaubers von Basil ist. Insgesamt sechs bereits fast vollständig zu Plastik erstarrte Personen und einen Hund kann Miesel mittels glücklicherweise zuvor als Proviant für seinen ";Spielaufenthalt"; eingesteckten Karotten wieder ins ";echte Miniaturleben"; zurückholen. Der Grund für die Verwandlung zu Plastikfiguren wird schnell entdeckt. Alle Opfer haben sich von Essensresten ernährt, die Basil bei seinenSpielaufenthalten an der Modelleisenbahn übrig ließ: rosafarbene Limopfützen und Donut-Krümel.

Alle sechs Opfer schmieden nun voll neuer Hoffnung ihre Flucht. Da ist Frank, ein Elektriker, der verkleinert wurde, als er Basil die Rechnung für das Kabel-Verlegen überreicht hatte, Stadträtin Lady Grant, Kitty, das kleine Pfadfindermädchen, William, der Vertreter, der Basil ein teures Lexikon verkaufen wollte, Kip, der Schreiner, die ";Hexologin"; Prudence und natürlich Miesel selber - ach ja und nicht zu vergessen Hund Tinker.

Doch die Flucht gestaltet sich nicht einfach. Denn auf dem Dachboden lauert ";Knuddelmaus";, Basils Fledermaus, die nächtlich auf Beutezug geht und der das frische Treiben gerade recht kommt. Selbstverständlich bleiben die Veränderungen auf der Eisenbahn von Basil nicht unentdeckt und so beschließt er kurzer Hand Miesel noch mehr zu bestrafen und ihn in eine Kakerlake zu verwandeln. Doch Meisel stellt sich mutig seinem Rivalen und wehrt den Zauber erfolgreich ab und kann ihn sogar gegen Basil richten. Doch damit fangen die Probleme erst richtig an. Denn jetzt werden alle von einer Riesenkakerlake gejagt.

Miesel und der Kakerlakenzauber lebt allein von der Spannung, ob es Miesel Stubbs und seinen Mitstreitern gelingen mag, sich gegen ihren Widersacher durchzusetzen. Viel Zeit bleibt da nicht für die Ausgestaltung der Charaktere und so führt Ian Ogilvy seine Protagonisten etwas sehr zielstrebig durch die Erzählung, ohne Ruhepausen, ohne tiefsinnigere Dialoge. Die Hauptdarsteller bleiben ein etwas auswechselbares, loses Geflecht agierender Personen, bedeutungsvollere Hintergründe, Lebensumstände oder Zwischenmenschlichkeiten gibt es nicht. Selbst der mutige Held Miesel bleibt etwas farblos und allein der fiese Basil entwickelt sich zum bunt ausgestalteten Charakter, denn seine Boshaftigkeit wird fast mit jeder Seite aufs Neue bestätigt.

Dem Autor Ian Ogilvy merkt man seine Herkunft an. Eine ordentliche Prise des typischen englischen, etwas schrägen Humors versprüht das Buch durchaus. Hier sei wieder die schwarze Regenwolke erwähnt, die nur über Basil schwebt und quasi das dunkle Markenzeichen des hageren Bösewichtes ist, ohne aber eine wirkliche Bedeutung in der Erzählung zu haben.

Eine Eisenbahn-Anlage als Schauplatz des Abenteuers ist aus kindlicher Perspektive überaus treffend gewählt und hätte meiner Meinung nach noch etwas mehr gestalterisches Potential gehabt. Nur ganz wenige Bereiche der Anlage sind in der Erzählung überhaupt von Bedeutung und dabei öffnet doch eine Buchseitenillustration einen pracht- und erwartungsvollen Blick auf die enorme Anlage. Ohne Zweifel hätte es dann natürlich etwas mehr als die gut 220 Seiten gebraucht, die das im Ravensburger Verlag erschienene Buch umfasst.

Basil wird schließlich besiegt, doch den finalen ";Stoß"; erfährt er nicht von Miesel selber, denn jeder kann sich gut vorstellen, dass ";Knuddelmaus"; die Fledermaus den größten Gefallen an Basils Verwandlung zur Kakerlake gefunden hat.

Und natürlich gibt es auch das erhoffte Happy-End für Miesel. Ein zu Beginn seiner Verwandlung auf der Anlage entdecktes Denkmal mit einem Mann und einer Frau entpuppt sich als die Eltern von Miesel, die Basil ebenfalls verwandelt hat - mit einem mumifizierten Schlangenkopf von Medusas (ja genau der) Haupt. Doch damit noch nicht genug. Zu guter letzt erfahren alle noch, dass Miesels Vater ebenfalls ein Zauberer ist und Miesel bekommt noch seinen richtigen Namen genannt, den er dann aber doch lieber nicht behalten will. Das Happy-End muss man schon fast zweimal lesen, denn die gesamten Informationen bringt Ian Ogilvy auf gerade mal 5-6 Seiten unter.

Chris Mould liefert reichlich Illustrationsmaterial für ";Miesel und der Kakerlakenzauber";, das durchaus mehr als Beiwerk ist und einen schönen Beitrag zur stimmungsvollen Ausgestaltung der Geschichte und des Buches an sich beiträgt.

Fazit:

";Miesel und der Kakerlakenzauber"; - der Auftakt zu Ian Goilvys ";Miesel-Trilogie"; - ist ein Kinderbuch, dessen Schauplatz etwas mehr phantasievolle dramaturgische Ausgestaltung erhoffen ließ und das nicht zuletzt durch den etwas sehr rasant erzählten Handlungsverlauf etwas konstruiert wirkt. Dennoch bleibt ein kurzweiliger, skurriler Gruselroman für Kinder, der vor allem kleine Lesemuffel motivieren könnte, denn viel Pausen zum Weglegen des Buches gönnt einem Ian Ogilvy in seiner spannenden Erzählung wahrlich nicht.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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