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Idee
Bilder
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Idee

Eine liebenswerte Geschichte, die sich das moderne Problem der Kommunikation zu Herzen nimmt, mithilfe eines wunderbaren Protagonisten, der auf kluge Weise agiert, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben.

Bilder

Das Buch ist durchgehend farbig illustriert, originell und künstlerisch anspruchsvoll gestaltet, die Ausdrucksstärke der Bilder machen das Buch und die Geschichte aus.

Text

Wegen des Mangels an wörtlicher Rede ist der Text etwas trocken, an anderen Stellen dann wieder sprachlich sehr witzig.

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Anjes Lämmermann
Aus dem Wolkenheim ins Miteinander

Buch-Rezension von Anjes Lämmermann Mai 2019

Die Wolkenheimer haben ihre Wohnungen auf Stelzen gebaut. Sie wohnen jeder für sich und genießen den tollen Ausblick, die Nähe zu den Sternen und vor allem die Distanz zu ihren Nachbarn. Anstrengend finden sie ihr Leben dann, wenn sie mit anderen zu tun haben müssen: Treppen und Leitern müssen hinunter-, hinauf- und wieder hinuntergelaufen werden, was natürlich sehr anstrengend ist. Das alles erzählt uns Matti, das einzige Kind unter den Wolkenheimern. Er sieht seine Chance für Spaß und bietet sich an, die Nachrichten von Wolkenheimer zu Wolkenheimer zu bringen. Das Postbotendasein eröffnet ihm einen Spielplatz, auf dem er klettern, tanzen, Stufen zählen kann. Doch weil er eben spielt und nicht nur das Ziel vor Augen hat, bringt er bald die Nachrichten durcheinander. Die Folge sind Missverständnisse und Ärger zwischen den Wolkenheimern. Somit hat Mattis Postbotendasein schnell wieder ein Ende und er langweilt sich. Irgendwann aber reicht es ihm und er schüttelt die Wolkenheimer aus ihren Häusern auf den Boden. Von Angesicht zu Angesicht gehen sie sofort alle aufeinander los, streiten und prügeln sich. Bis sie keine Kraft mehr haben.

Ein Kind wie ein kleiner Eulenspiegel

Hier bringt sich Matti, der als ehemaliger Postbote die Wolkenheimer am besten kennt, wieder ins Spiel und er erzählt Besonderheiten eines jeden einzelnen. So entpuppen sich die vorgestellten Marotten als liebenswerte Eigenschaften. Sich näher gekommen, stimmen die Wolkenheimer darin überein, ihre Häuser wieder auf den Boden zu stellen. So entsteht eine freundliche Gemeinschaft, die nicht zuletzt auch Matti sehr genießt, der zwar mit seinem unnötig gewordenen Postbotendasein seine Unersetzlichkeit verloren hat, sich aber dafür sehr über die neu entstandene Gemeinschaft freut.

Wie Till Eulenspiegel erkennt Matti Missstände und ist mit ihnen unzufrieden. Doch im Gegensatz zu ihm fehlt Matti die leicht boshafte Schadenfreude, er hält keinen Spiegel vor, sondern öffnet das Fenster zur Welt, zu den anderen Menschen. Er stellt nicht bloß, sondern sensibilisiert die Menschen füreinander, indem er Besonderes und Schönes von jedem einzelnen erzählt.

Das Thema Kommunikation auf leichte Weise zur Sprache gebracht

Mit ihrem Buch ermuntert Popy Matigot die Leser herzlich dazu, einander zu begegnen, ein offenes Ohr für einander zu haben und den Vorteil einer konfliktfreien Einsamkeit zugunsten einer fröhlichen Gemeinschaft aufzugeben. Eindeutig ist dabei mehr zu gewinnen, als zu verlieren, auch wenn es mal knallt und wie im Buch „ein schöner dicker Streit“ entbrennt.

Die naiv und stellenweise etwas sperrig erzählte Geschichte zeigt auf abstrakte Weise eine Schwierigkeit unserer modernen Gesellschaft. Kommunikation ist heutzutage ebenso einfach, wie echte Begegnung schwierig ist. Jeder ist erreichbar, aber ebenso leicht zu blockieren. Und echte Gefühle werden unter der Maske der Smilys versteckt.

Luftige Bildersprache, die den Leser ins Geschehen zieht

Popy Matigot ist Grafikerin und dementsprechend ist dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite graphisch durchdesignt. Die Illustrationen sind in luftigen Pastelltönen gehalten und die Menschen, Natur und Gegenstände wirken wie aus Kartonpapier ausgeschnitten und hingeklebt. Der Text fügt sich optisch in die Bilderwelt ein, er erschwert das Lesen dort, wo auch die Kommunikation schwierig ist: Ebenso wie die Menschen die Leitern hoch und runterklettern müssen, müssen die Augen des Lesers die gewohnten Lesepfade verlassen. Die unzähligen Nachrichten, die Matti schließlich durcheinander bringt, sind schwer zu fassen. Dem Leser wird ein ziemlicher Wörterkuddelmuddel zugemutet, dort, wo Matti Botschaften annimmt, sich merken muss und schließlich überbringt. Wellenförmig gehaltene Wörter unterstreichen die Spannung auflösende Streiterei und Prügelei der Wolkenheimer, nachdem Matti sie aus ihren Häusern geschüttelt hat. Die gelesenen Worte gehören zur Illustration und ziehen den Leser in die Geschichte hinein, sie fordern von der ersten bis zur letzten Seite die Augen heraus und bestimmen den Redefluss und die Lautstärke. Das Vorlesen wird dadurch auf jeden Fall lebendig und wird die Kinder in den Bann ziehen.

Fazit

Ein Buch für Große und für Kleine, und eines, das man wohl sein ganzes Leben lang immer mal wieder hervorholen und lesen kann. Denn zum einen wird das Thema „Miteinander reden“ uns ein Leben lang begleiten und zum anderen wird dieses Buch auch optisch nicht langweilig. Es ist eine turbulente, herzliche Geschichte, die in Matti einen wunderbaren Charakter entfaltet. Er ist das naiv-kluge Pendant zu Harlekin und Eulenspiegel, der uns auf liebevolle Weise an der Nase packt und vielleicht das eine oder andere Kind dazu ermutigt, manche Erwachsene seiner Umgebung aus dem Wolkenheim zu schütteln.

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