Annies Welt

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

 Sandra Knuffinke (Übersetzerin), Jessika Komina (Übersetzerin)

Couch-Wertung:

80%
Idee
Text

Idee

Annies Kindheit ist schlimm und tragisch, es passiert zwar so einiges, aber auch das ändert nicht wirklich etwas.

Text

Annie ist Ich-Erzählerin und ihr etwas altkluger nüchterner Erzählstil passt zu einem Kind, das wie sie mit zehn schon fast erwachsen sein muss.

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Sigrid Tinz
Gewalt, Verwahrlosung, Misshandlung

Buch-Rezension von Sigrid Tinz Nov 2019

Annie ist zehn und die jüngste von neun Geschwistern, einen Bruder und sieben Schwestern hat sie. Am Ende der Hackordnung könnte man auch sagen, auch weil sie eher klein und dünn ist. Annie ist Legasthenikerin und mathematisch hochbegabt, hat ein riesiges Lächeln und auch all ihre Geschwister haben irgendeine spezielle Eigenschaft: zum großen Teil sind sie maximal zickig, maximal gemein; Paul lächelt viel und hat als einziger ein eigenes Zimmer und Miri, die Älteste ist schon ausgezogen. Annie ist Ich-Erzählerin und beschreibt nüchtern und trocken und mit einem Sinn für Sarkasmus, wie es zu Hause so zugeht. Erst ist man versucht, das ganze für eine typisch lustige Chaos-Geschichte über eine kinderreiche Familie zu halten, in der jeder mal mit jedem spielt und und mal streitet, wo sich die Wäsche türmt und am Esstisch turbulente und riesige gemeinsame Mahlzeiten eingenommen werden. Das Cover ist bunt, der Titel „Annies Welt“ klingt nach etwas Besonderem und der Untertitel „3 mal 3 Gründe glücklich zu sein“ danach, wie toll es ist, 3 mal 3 Geschwister zu sein.

Annies Alltag ist schlimm

Schon nach wenigen Seiten steht fest: Annies Familie ist massiv dysfunktional, geprägt von Armut, Verwahrlosung, Gewalt. Die Mutter hortet Müll und Krempel, sie lebt in ihren Gedanken und starrt die Waschmaschine an – auch wenn ein Kind, wie Annie am Anfang der Erzählung, aus dem Hochbett fällt und sich verletzt. Die großen Geschwister drangsalieren die Kleinen und klauen ihnen die Weihnachtsgeschenke. Der Vater ist nicht da, weil er nur arbeitet, in drei Jobs, um seine große Familie durchzubringen, zumindest ist das Annies Erklärung. Ihr macht das scheinbar alles nichts, sie kennt es nur so, und dass es in anderen Familien mit vielen Kindern und wenig Geld anders ist, kommt ihr nicht in den Sinn. Dann wäre alles noch schrecklicher, weil dann klar wäre, auch bei ihr könnte es vielleicht anders sein.

So ist es auch in der Realität

Dann läuft eine ihrer Schwestern von zu Hause weg. Als sie gefunden und zu Hause wieder abgeliefert wird, sehen die Sozialarbeiter die ganze Misere der Kinder und auch der Eltern. Üblicherweise – auch in der Realität – schauen die Nachbarn und Mitmenschen ja gerne weg und die Kinder fördern das oft, unbewusst und aus Loyalität. Nie bringen sie Freunde mit nach Hause, sondern packen mit an und sind damit beschäftigt, irgendwie durchzukommen. Sie wissen nicht, dass sie um Hilfe bitten könnten und würden es auch nicht tun. Aus Scham. Um die Eltern zu schützen, oder sich selbst; denn kommen sie sonst nicht ins Heim und die Eltern ins Gefängnis? Das sagt auch Annie zur Sozialarbeiterin: „Jeder, der unsere Familie von außen sieht, muss denken, dass er uns allen einen Riesengefallen damit tun würde, uns von hier wegzubringen.“ Aber das stimmt nicht, und als das Jugendamt es den Kindern anbietet, lehnen die ab. So schlimm, dass es gesetzlich entschieden würde, ist die Situation wohl nicht. Ein paar Therapiestunden bekommen sie alle, einmal in der Woche, eine Stunde, Gruppentherapie mit der ganzen Familie. Auch das ist leider Realität: Viel Hilfe haben solche Kinder im Alltag nicht zu erwarten, weder von offizieller Seite noch von allen anderen, weder in der Schule, in der Nachbarschaft, in der Verwandtschaft. So endet das Buch.

Fazit

Annies Geschichte ist tragisch. Ein Happy End gibt es nicht. Das ist ein bisschen schade, für Annie, aber auch für alle Leser. Nicht, weil man Kindern keine schonungslose Realität zumuten kann, im Gegenteil: alle, die gut aufwachsen, sollten durchaus wissen, dass viele andere nicht so viel Glück haben; und diese Kinder sollten und müssen wissen, dass sie nicht die einzigen sind, denen es so geht, dass sie nicht schuld sind und es nicht so sein muss, wie es ist.  Ein Happy End wäre deshalb schöner gewesen, weil es Wege und Möglichkeiten zeigen würde, wie jeder und jede helfen könnte, die Welt für all die Annies dieser Welt glücklicher zu machen.

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