Couch-Wertung:

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Idee

Ein Buch über Angst, über Pubertät und Fantasie, ein Buch mit sehr viel Tiefgang, das zum Mit –und Weiterdenken anregt und die Fantasie beflügelt. Auf jeden Fall ein spannendes Buch von der ersten bis zur letzten Seite!

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Die Illustrationen in s/w Strichtechnik haben ihren eigenen Charakter und unterstützen die Geschichte.

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Der Autorin ist es gelungen durch den Einsatz verschiedener Stilmittel einen Spannungsbogen aufzubauen. Die lebensnahe Sprache bringt die Emotionen des Hauptcharakters nahe und erzeugt eine starke Identifikation.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2005

Ein Junge am Anfang der Pubertät verstrickt sich in einer kleinen Lügengeschichte rund um einen prähistorischen Dinosaurier. In der von der ersten bis zur letzten Seite spannend erzählten Geschichte von Ester Rotar Gasperoni, erschienen bei Carlsen, überwindet der Junge durch eine abenteuerliche Geschichte seine Ängste. Er gibt seinem bis dahin eher ";stinknormalem, langweiligen"; Leben einen Kick, macht sich und andere glücklich und gewinnt ein enormes Selbstbewusstsein. Dank der Illustrationen von Philip Wächter kann sich der Leser ";ein Bild"; von der Suche nach einem prähistorischen Dinosaurier machen.

Versi, der in Wirklichkeit Vercingetorix Römer heißt, erfindet eines morgens aus dem Nichts heraus eine kleine Lügengeschichte. Der Tag fing schon blöd an, die Sommerferien sind vorbei, sein Bruder war sitzen geblieben, Papa wurde bei der Beförderung übersehen, Mama hatte schlecht geschlafen und Versi, ein etwas unglücklicher kleiner Junge, kommt auf eine neue Schule. Schlechte Noten, ein ";symbolisch, historischer"; Name und ein Vater der ausgerechnet ";Kloschüsselverkäufer"; ist, sind gute Startvoraussetzungen, um eine tolle Lachnummer in der neuen Schule zu werden.

Die Geschichte um den ";Pistosaurier"; entwickelt sich quasi von selbst, denn Versi erwähnt ja eigentlich nur 3 Löcher im Garten. Das jedoch fordert eine Familiendiskussion am Frühstückstisch heraus, die Versi einfach nur verhindern möchte und schon ist er mitten drin, in seiner kleinen Lügengeschichte rund um den prähistorischen Dinosaurier im eigenen Garten. Eigentlich glaubt ihm keiner, bis er den Nachbarn, Lester Livingwater, einen anerkannten australischen Paläontologen, als Augenzeugen in die Geschichte einbindet. Plötzlich kann Versi selbst kaum glauben, was da alles so aus ihm heraussprudelt und plötzlich ist der Pistosaurier ";das fehlende Bindeglied in der Entwicklungskette zwischen Flugsaurier und den Vögeln";.

In der neuen Schule setzt sich die Geschichte einfach fort, als Versi, mehr aus Versehen, die Entdeckung des Pistosauriers erwähnt. Plötzlich ist er keine Lachnummer mehr, sondern der Entdecker eines prähistorischen Dinos, denn er kann seine Geschichte mit fundiertem Wissen über Dinosaurier untermauern. Wenn er auch schlechte Noten hat, hier macht ihm so schnell keiner was vor. Auf dem Gebiet kennt er sich sogar so gut aus, dass selbst sein neuer Lehrer, Herr Delpech, selbst ein Hobby-Paläontologe, die Geschichte nach anfänglicher Skepsis glaubt. Jetzt fühlt sich Versi wie ein König und trotzdem wäre es ihm lieber, der Dino würde einfach in Vergessenheit geraten, aber dafür ist es zu spät.

Die Geschichte um den Pistosaurier von Esta Rota Gasperoni hat sich bereits zum Selbstläufer entwickelt. Alle haben die Geschichte weitererzählt und sogar ihre kleinen Erfolge damit erzielt: der Bruder hat endlich die volle Aufmerksamkeit seines Schwarms, die Mama ist gut gelaunt und konnte im Gärtnerverein mit einer tollen Geschichte glänzen und Papa, der sich extra Urlaub genommen hat, um Nachforschungen anzustellen, ist überzeugt und konnte endlich seinen Chef zum Essen einladen. ";Papa´s Hand war so schwer wie Blei"; auf Versi´s Schulter. Die ganze Verantwortung für die neu gewonnene Harmonie in der Familie lag auf seinen Schultern. Wie konnte er da noch mit der Wahrheit herauskommen? Es was schon zu spät! Er wünscht sich der Pistosaurier wäre echt, denn durch diesen Dino nennt ihn der Papa zärtlich Versi, lobt ihn der Lehrer, findet er schnell neue Freunde und sein Bruder ist ein echter Kumpel. Versi ist verzweifelt.

Der klägliche Versuch, der Geschichte ein Ende zu bereiten, scheitert, denn plötzlich gibt es eine echte Augenzeugin. Sie will den Pistosaurier gesehen haben, mit Federn und Zähnen und einem goldenen Ei im Schnabel. Fast schon glaubt Versi selbst an den Pistosaurier. Die Geschichte gipfelt, als der Chef zum Essen kommt und den vermeintlichen Dino bereits als Werbeträger für seine Firma sieht ";seine Geschäfte, ob klein oder groß, erledigt der Pistosaurier auf unseren Klos!";. Und dann kündigt auch noch Lester, der australische Paläontologe, seine Rückkehr von seiner Forschungsreise an. Versi hofft, dass sich nun endlich alles aufklären wird und gleichzeitig fürchtet er die Auswirkungen: keine Beförderung für Papa, selbst als Lügner bloßgestellt und keine Freunde mehr. Da nimmt die Geschichte plötzlich eine völlig unerwartete Wende: Papa wollte den Pistosaurier fangen und hat ihn dabei verjagt - Gott sein Dank gerade noch zur rechten Zeit. Darüber ist Versi zum Ende der Geschichte überglücklich.

Mit der Geschichte ";Mein kleiner Pistosaurier"; ist der Autorin eine Geschichte gelungen, die sich fast tatsächlich abgespielt haben könnte, wenn nicht die Dinosaurier schon längst ausgestorben wären. Aber ist das tatsächlich bewiesen? Jedenfalls erzählt die Autorin so spannend, von der ersten bis zur letzten Seite, dass man sich fast schon fragt, ob es nicht doch ein Pistosaurier war. Gerade in der o.g. Alterskategorie trifft die Autorin mit einer Geschichte rund um einen Dinosaurier sicherlich ins Schwarze, denn diese Giganten sind ein spannendes Thema. Das letztlich doch ungewisse Ende der Giganten wirft nach wie vor Fragen auf und weckt den Forschergeist der jungen Leser. Und dazu passend ist das offene, fast abrupte Ende dieser Geschichte: man hört ja quasi die Steine von den Herzen der jungen Leser plumpsen, denn Versi hat großes Glück gehabt und seine Lügengeschichte ist nicht aufgeflogen und es bleibt ein Geheimnis, ob es den Pistosaurier tatsächlich gibt oder nicht!

Der Ich-Erzähler, Versi, erzählt von Anfang an locker, frech und dabei sympathisch in einer bildhaften Sprache und spricht den Leser direkt an, dadurch wird ein hoher Grad der Identifikation mit der Hauptfigur der Geschichte erzielt. Aber die Geschichte erzählt nicht nur von einem kleinen prähistorischen Tier, sondern ist vielschichtiger. Wichtigste Themen sind vor allem die Pubertät, die Angst vor Neuem, das fehlende Selbstwertgefühl und die fehlende Harmonie, Wärme und Geborgenheit in der Familie. Im Grunde erfindet der pubertäre Versi diese Geschichte rund um den Dino ja nur um die schlechte Stimmung innerhalb der Familie zu heben. Verstrickt in seinen phantasievollen Notlügen gelingt ihm genau dies ja auch auf ganz wunderbare Weise. Aber es ist eine ewige Gradwanderung. Was passiert, wenn die Geschichte aufliegt. Ist die Angst, die er vor der neuen Schule empfindet tatsächlich größer, als die Angst beim Lügen erwischt zu werden oder vor den neuen Freunden als Lügner dazustehen?

Die Angst bzw. die Gefühlswelt in der Pubertät ist auch das eigentliche Thema dieses Buches von Ester Rota Gasperoni, erschienen in der Reihe Lesezauber im Carlsen Verlag. Die Angst, den eigenen ";doofen"; Namen zu nennen und gleich wieder für einen Brüller zu sorgen, die Angst vor der Schule, die Angst in den Augen der Eltern als Versager dazustehen, die Angst, ob es gelingt, neue Freunde kennen zu lernen, die Angst in den Augen anderer nicht gut genug zu sein, denn schließlich ist der Vater nur Kloschüsselverkäufer. Dabei gibt es für all das keinen Grund, denn Versi ist absolut nicht dumm, er verfügt über ein enormes Fachwissen über Dinosaurier, denn das ist ein Thema, das ihn wirklich interessiert. Und diese kleine, erfundene Geschichte über den Pistosaurier gibt Versi die Gelegenheit über sich und sein Thema zu sprechen. Das erste Mal ist er keine Lachnummer, sondern wird ernst genommen, von allen, die ihm wichtig sind: die Familie, der Bruder, der Lehrer, die neuen Freunde. Er fühlt sich selbstsicher und unschlagbar, ist begeistert von sich selbst und fühlt sich ";wie ein König";. Durch die schöne, einfache und bildhafte Sprache, die Ich-Erzählform, die wörtliche Rede, die direkte Ansprache des Lesers und vor allem durch die schönen Metaphern ";plötzlich verstand ich, wie sich eine Maus fühlt mit der gerade eine Katze spielt"; wird der Text sehr lebendig und es wird eine hohe Identifizierung mit dem Ich-Erzähler erreicht. Die kleine Lügengeschichte regt gleichzeitig zum Mit- und vor allem Weiterdenken an ";was passiert, wenn?";. Die Fantasie des Lesers wird herausgefordert:

was passiert, mit mir und mit anderen, wenn ich mich durch eine kleine Notlüge aus der Affäre ziehen will und sich im Nu daraus eine solche haarsträubende Lügengeschichte entwickelt und auf die man selbst gar keinen Einfluss mehr hat?

Die Illustrationen von Philip Waechter, insgesamt 26 Bilder, davon auch 10 ganzseitige, unterstützen den Text und der Leser kann sich ";ein Bild"; von der Suche nach dem Pistosaurier machen. Die Bilder sind s/w Strichtechniken und haben ihren ganz eigenen Charakter (die Menschen haben alle sehr große Nasen) und erinnern ein bisschen an den Comic ";Tim und Struppi";.

Fazit:

Ein sehr viel tiefgründigeres Buch als man es auf den ersten Blick vermuten würde. Durch die gelungene starke Identifikation mit dem Hauptcharakter wird man sich über all die Emotionen und Themen klar, die einen kleinen Jungen neben der Dinosauriersuche noch beschäftigen: die Pubertät, die Suche nach dem eigenen ICH und all die Angst, die im Verborgenen steckt.

Rufina Wieners

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