Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

 Eva Moldenhauer (Übersetzerin)

Couch-Wertung:

92%
Idee
Bilder
Text

Idee

Ein kleines Leben grandios und beglückend erzählt, macht achtsam für die sinngebenden Werte des persönlichen Daseins.

Bilder

Wunderschöne Bilder, die einfach Freude beim Anschauen machen und zum verweilen, entdecken und nachdenken anregen.

Text

Poetisch, klug, berührend. Gut verständlich, mitunter auch hintergründig werden die wichtigen Dinge des Lebens direkt und indirekt benannt.

Leser-Wertung

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Kirsten Kohlbrei
Geschichte eines erfüllten Lebens

Buch-Rezension von Kirsten Kohlbrei Feb 2020

Ein Stundenbuch ist „eine poetische und raffinierte Art, vom Leben eines Menschen zu erzählen“, das erklärt Autorin und Illustratorin Rébecca Dautremer den Lesern und Betrachtern in einem kurzen Vorwort zu ihrem Buch, in dem sie dann das Leben des Jacominus Gainsborough schildert. Strenggenommen ist Jacominus eigentlich kein Mensch, sondern ein Kaninchen, das aber wie alle anderen tierischen Figuren, die die Geschichte bevölkern, menschliche Züge trägt. Als Jacominus Gainsborough zur Welt kam, wurde er auf Wunsch seiner Großmutter Beatrix nach seinem Großvater benannt. Da war er noch ein klitzekleiner Winzling, von dem noch keiner wissen konnte, was mal aus ihm werden würde. Schnell zeigte sich jedoch, dass Jacominus oft immer etwas abwesend war, als wäre er auf dem Mond und das war vielleicht auch der Grund, warum er an einem Morgen über einen kleinen Holzscheit auf der Veranda stolperte. Danach spielte eines seiner Beine immer etwas verrückt, auch wenn er nie darüber redete.

Ein Winzling, der viel lernen muss

Die Liebe seiner Eltern und seiner Freunde stärkten Jacominus. Er brauchte jedoch etwas, um sich seines Platz im Leben bewusst zu werden und ihn zu finden. Auf dem Weg dorthin lernte er jeden Tag etwas dazu. Er lernte zuzuhören, hinzusehen und nachzudenken, bevor er sprach oder auch sich selbst zu vertrauen, Geduld zu haben und Entscheidungen zu treffen. Jacominus liebte das Große und Weite, aber es gab auch Dinge, die ihn störten. Nicht einmal, dass er selbst klein und nicht so schnell war, sondern, dass er zum Beispiel nicht die ganze Zeit mit seinen Freunden verbringen konnte. Stattdessen sollte er Englisch-Übungen machen und aus Liebe zu seiner zweisprachigen philosophischen Großmutter tat er das auch. Am liebsten mit einem Buch über einen Schwarzen Ritter und so kannte er bald  Ausdrücke wie „Fire und Bramstone“- Feuer und Schwefel. Schließlich sprach er perfekt Englisch und mit der Zeit kamen noch weitere Sprachen dazu. Dass er dadurch so viele Leute verstehen konnte, kam ihm zugute als er dann mit seinem Freund Polikarp und den anderen mit einem Schiff in die Ferne reiste. Dabei verlief nicht immer alles glücklich, aber Jacominus wollte nicht zu den Leuten gehören, die nur die schlechten Dinge sehen. Nur an Tagen, wenn es ihm nicht gut ging und auch die anderen Kummer hatten, dann konnte ihn nichts mehr aufheitern und Jacominus war einfach traurig und fand das Leben gemein.

Ein Familienvater, der sein Glück findet

Sehr traurig war er am Tag der Beerdigung seiner Granny, aber an dem Tag merkte er auch, wie sehr er seine alte Freundin Sweety Vidocq liebte. Auf sie und ihr Ja zu ihm hatte er lange gewartet. Danach wartete Jacominus noch auf Nils, Mona und Jena. Nach der Zeit des Reisens folgte der Familienalltag mit so anstrengenden Tagen, dass zum Träumen nur noch nachts Gelegenheit war. Erst nachdem Jacominus sich darüber aufregen konnte, dass alle immer etwas von ihm wollten, konnte er auch wieder sein Glück sehen und den Tag nutzen. Über die Jahre wurde er langsam älter und älter. Jacominus sagte nun gar nichts mehr und sparte seine Kräfte für das Wichtigste, seine Erinnerungen. Er stellte für sich fest, dass er sein Leben gemocht hatte, ein einfaches gutes Leben, das sich gelohnt hatte, zu leben und in dieser Gewissheit konnte er ruhig gehen.

Poetische Darstellung eines lohneswerten Daseins

Rébecca Dautremer erzählt dieses kleine feine Leben des Jacominus Gainsborough auf ganz wunderbare Weise durch Texte und Bilder voller leiser Poesie.
Die Textpassagen sind gut verständlich und schlicht verfasst, empathisch und zart formuliert. Das verleiht ihnen die Kraft einer sanften Wahrhaftigkeit. All die geschilderten Erlebnisse, Erfahrungen und Einsichten von Jacominus auf seinem Weg vom Winzling zum weisen Familienvater, das Konglomerat der schönen und fröhlichen, aber auch traurigen und schwierigen Momente und Situationen seines Lebenslaufs werden greifbar und damit das Einzigartige und Wertvolle seines Daseins erlebbar. Ohne einen Anflug von Gefühlsduselei sensibilisiert diese Beschreibung den Leser für die wichtigen Dinge des Lebens und lädt ein zum Innehalten und zum Betrachten der eigenen Biografie.
Die Übersetzung des Textes aus dem Französischen erfolgte einfühlsam durch Eva Moldenhauer, einer Grand Dame der Übersetzungsarbeit, die im Erscheinungsjahr des Buches im Alter von fünfundachtzig Jahren verstorben ist. Berührend die Vorstellung, dass sie während ihrer Tätigkeit vielleicht für sich ihr persönliches Stundenbuch erdacht hat und eine Auflistung dazu erstellt hat, ähnlich der von Jacominus mit der Dautremer das Buch enden lässt.

Harmonisches Zusammenspiel von Text und Illustration

Der aussagekräftige, teils hintergründige Text und die Illustration ergänzen sich hervorragend. Zuweilen verraten die Bilder mehr und rücken das Verständnis etwas zurecht. Wenn zum Beispiel Jacominus plötzlich in Uniform auftaucht, wird deutlich, dass seine Schiffsreise kein Urlaub ist, sondern ein Kampfeinsatz. Auf den Bildern erkennt man auch, dass Jacominus Freunde keine Kaninchen sind, sondern andere Tiere. Vor allem beeindrucken die doppel- und ganzseitigen wunderschönen Bilder in satten Farben, glänzend gedruckt, die durch das übergroße Format des Buches besonders gut zur Geltung kommen. Nach Wimmelbildmanier fordern sie zum genauen Hinsehen auf und so lässt sich auch immer Jacominus mit seiner Krücke als Erkennungszeichen entdecken. Zwei der Bilder finden sich im Vorder- und Hintereinband wieder, dann aber - wie man es aus Museen bei berühmten Gemälden kennt - mit den Konturen der Figuren und mit Nummern versehen, denen in einer Legende ihre Namen zugeordnet sind. Auf drei Doppelseiten sind die Bilder wie in einer Galerie an einer Wand angeordnet. Gerahmt sind dort beispielsweise Dinge zu sehen, die Jacominus gelernt hat oder Personen, die ihm begegnet sind. Im Wechsel dazu gibt es Doppelseiten mit längeren Textpassagen auf der einen Seite und einem Bild von Jacominus passend zu seiner aktuellen Lebenssituation. Die Altersvorgabe des Verlages ab 5 Jahre passt, eigentlich eignet sich das Bilderbuch für jedes Alter da jeder beim Lesen und Anschauen das mitnimmt, was er selbst versteht. Bei jüngeren Kindern stehen zunächst sicherlich die beeindruckenden Bilder im Vordergrund, während der tiefere Sinn des Textes sich dann erst beim Heanwachsen erschließt.

Fazit

Ein stilles Buch, das mit seinen verzaubernd schönen Bildern und dem gescheiten Text eine Unmenge an Lebensfreude ausdrückt und ungemein viel Lebensweisheit enthält. Frei von Sentimentalität erinnert die Beschreibung eines ganz normalen, bescheidenen und dabei dennoch sehr glücklichen Daseins an die Kostbarkeit des Geschenks unseres Leben, das viel mehr Dankbarkeit und Demut verdient hat, als wir ihm in der Schnelllebigkeit unseres Alltags zu gestehen.

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