Was verbindet die Welt?

Erschienen: September 2005

Couch-Wertung:

87%
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Ein empfehlenswertes Sachbuch für Kinder über den Themenbereich Ethik, das die wichtigsten Aspekte des menschlichen Zusammenlebens erklärt - die Umsetzung in die kindliche Gefühlswelt ist durchweg gelungen.

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Die vielen lebendigen Cartoons mit ihrer eigenen Situationskomik überzeugen nicht nur ihre Zielgruppe!

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Trotz der teilweise „schweren“ Thematik leicht, humorvoll und lebendig erzählt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2005

[ab 9 Jahren]

Gut, wenn man weiß, warum ein Vulkan ausbrechen kann, warum Autos fahren können oder warum es im Winter kälter ist als im Sommer... auf all´ diese Fragen gibt es klare, wissenschaftlich fundierte Antworten. Aber wie steht es mit der Frage, durch welche Attribute sich genau Schönheit definiert oder was der Unterschied zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht wirklich ausmacht? Woher kommt Gewalt und was können wir dagegen tun? Was ist ungerecht? Und warum führen die Menschen Krieg?

Da wird es schon schwieriger Antworten zu finden, die zum einen erklären und zugleich anregen, darüber nachzudenken, wie Menschen besser miteinander leben können.

Das humorvoll gestaltete Buch vom Loewe Verlag mit den unnachahmlich treffsicheren Cartoons von Jacques Azam ist ebenso eingängig wie humorvoll von Brigitte Labbé und Michel Puech geschrieben - verfügt aber auch an entsprechender Stelle über die notwendige Ernsthaftigkeit. Diese Mischung macht aus sehr theoretischen Fragen eine spannende Exkursion in die Welt der Ethik. Sein bekannter Vorgänger ";Denk´Dir die Welt - Philosophie für Kinder"; wurde 2004 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und die fünf Originalausgaben von ";Was verbindet die Welt? - Ethik für Kinder";, die die jeweiligen Einzelthemen behandelten, erschienen in Frankreich im Jahr 2000. Der Loewe Verlag bringt nun in diesem Jahr einen von Anne Braun übersetzten Gesamtband mit den Themen

Jungen und Mädchen

Schön und hässlich

Gerecht und ungerecht

Gewalt und Gewaltlosigkeit

Krieg und Frieden

heraus.

In dem Kapitel über Jungen und Mädchen wird nicht nur über die biologischen Unterschiede gesprochen, sondern auch über gesellschaftlich festgelegte Unterschiede, die einengend und, wie in heutiger Zeit leider immer noch, diskriminierend von einigen Kulturen durchgesetzt werden.

Warum auch Menschen, die äußerlich eigentlich gar nicht hässlich aussehen, für andere kaum anzusehen sind, wird im Kapitel ";Schön und hässlich"; erklärt. Dass Schönheit mehr ist als Äußerlichkeiten und Liebe mehr sieht, als nur ein schönes Gesicht, erklärt so manches in Punkto Liebe und Zuneigung. Und schließlich - das wissen wir ja eigentlich alle - ist es das Bild, das wir von uns selbst haben, das darüber entscheidet, wie uns die anderen wahrnehmen. Manche von uns befinden sich in einem wahren Teufelskreis, wie zum Beispiel Sina, die, kaum ist sie aus ihrem Schneckenhaus herausgekrochen, plötzlich doch von den anderen wahrgenommen und gemocht wird. Aber auch Dinge, die eigentlich hässlich sind können wir lieben, wenn wir sie nur gut genug kennen und sie unser Herz berühren (wer kennt nicht den ";süßen"; E.T.?) Und Schönheit in unserem Leben ist, dass man sie auch um sich herum wahrnimmt.

Aber ist es wirklich ungerecht, wenn es regnet, obwohl wir ein Picknick im Wald machen wollten? Was empfinden wir nicht alles als ungerecht? Vieles davon ist einfach nur Pech oder hätte besser laufen können. Ungerechtigkeit ist, wenn etwas nicht gerecht verteilt wird, wenn Gesetze andere benachteiligen ... Gerechtigkeit, Menschrechte und Rechte für Kinder stehen für eine bessere Welt, für die es sich lohnt zu kämpfen - und zwar gewaltfrei. In dem Kapitel über Gewalt wird klargestellt, dass erst derjenige wirklich von sich sagen kann er sei gegen Gewalt, wenn er je eine Ungerechtigkeit erfahren hätte, die ihn vor diese schwierige Gewissensfrage gestellt hat. ";Gegen Gewalt zu sein bedeutet nicht, durch die Natur zu gehen und darauf zu achten, dass man keine Blumen zertritt. Es bedeutet auch nicht, gemütlich in seinem Sessel zu sitzen und zu kritisieren, dass im Fernsehen zu viel Gewalt gezeigt wird."; Auch, so das Autorenteam ganz richig, gäbe es keine Entschuldigung für Gewalt: Keine Kündigung des Chefs rechtfertigt die Ohrfeige eines Vaters, die er seinem Kind erteilt... aber auch wie man gewaltfrei und mit moralischem und gesellschaftlichen Druck gegen eine Ungerechtigkeit vorgehen kann, wird an dem Beispiel der Bäckersfrau gezeigt, die Kindern - nicht den Erwachsenen - die alten Croissants vom Vortag verkauft. Eine echte Ungerechtigkeit und die Kinder überlegen, wie sie die Bäckersfrau dazu bringen können, damit endlich aufzuhören - und zwar ganz gewaltfrei.

Manchmal aber können gewaltfreie Mittel auch nicht mehr helfen, nämlich immer dann, wenn es nicht genug Zeit gibt, sie ";wirken"; zu lassen, da unterdessen zu viele Menschen leiden würden. Und schon sind wir beim Kapitel ";Krieg und Frieden"; : Vieles, das auch über die Gewalt gesagt wurde, findet hier seinen Wiederklang. Doch die zentrale Botschaft dieses Kapitels ist, dass die friedlichen Zeiten dieser Tage keine Selbstverständlichkeit sind und dass sehr viele Menschen bereits etwas dafür getan haben - und wir werden weiterhin sehr viel dafür tun müssen, damit es auch so bleibt.

Wie in allen Kapiteln beginnt das Autorenduo erst einmal damit, die Begriffe von Grund auf zu erklären - womit haben wir es bei dieser Frage eigentlich zu tun? Schließlich weiten sich die Fragen immer mehr aus - von der Theorie in die Praxis, von der Gegenwart in die Zukunft, von der Fantasie manchmal auch bis in das - noch - Utopische. Diese ";Gedankenspielerei"; von Brigitte Labbé und Michel Puech birgt eine Menge Lebendigkeit und Humor in sich. Noch dazu, wenn sie so pointiert begleitet wird wie von den Illustrationen von Jacques Azam. Hier wird so mancher Zusammenhang ";situationskomisch"; aufgegriffen - vielfach wie bei den uns allen bekannten Karrikaturen in Tageszeitungen, die die große Weltpolitik auf die Schippe nehmen. Ein geschickt gesetzter Hinweis, dass man das Leben nicht so ernst nehmen sollte - und dieses ";Augenzwinkern"; kommt bei allen an - auch bei uns Erwachsenen.

Dieses Buch hat inhaltlich noch viel mehr zu bieten, als hier kurz ";angerissen"; werden kann. Die Autoren gehen stets von der grundsätzlichen Betrachtung des Themas in die Alltagswelt über - auch und besonders in den Alltag der Kinder- um schließlich zu den wirklich großen Zusamenhängen der Welt zu gelangen. Auf diese Weise erfahren Kinder zunächst, was sich im ";Kleinen"; zwischen den Menschen abspielt, um dann begreifen zu können, dass sich die Staatsmänner, die Mächtigen dieser Welt, auch an dieselben Regeln des Miteinanders halten müssen. Dieser Aufbau ist genau der richtige Ansatz (viele Beispiele aus dem Leben verdeutlichen die Bedeutung einer aufgestellten These), denn die eigentlichen Sachverhalte unterscheiden sich im Prinzip nicht von den Alltagsbegebenheiten.

Das gibt zweifellos sehr viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Mit ";Was verbindet die Welt"; werden die richtigen Fragen gestellt, Antworten gesucht, Richtungen aufgezeigt, aber auch eindeutig Stellung bezogen. ";Ethik für Kinder"; heißt es im Untertitel - aber es ist auch Ethik für uns alle, die konsequent an der Basis ansetzt und uns Erwachsene wieder auf den Boden der Tatsachen bringt - denn Dinge wie Frieden und Gewaltlosigkeit sind für uns, die unter sechzig Jahre alt sind, selbstverständliche Zustände. Wir vergessen oft, wie viel Glück wir haben. Dies mag zunächst einmal sehr ";schwer"; klingen und ebenso im Magen liegen - wenn man erst einmal damit beginnt, über einige Fragen nachzudenken. Und so wird man sich auf jeden Fall zu Recht fragen, ob diese komplizierten Themen in der Kinderliteratur etwas zu suchen haben. Nach der Lektüre dieses Buches vom Loewe Verlag kann ich nur entgegnen: Aber ja! Das sind die Fragen und Antworten, die Kinder stark und umsichtig machen, denn hier werden sie ernst genommen und es werden ihre Sinne für sich und die Umwelt geschärft.

Die beiden Autoren Brigitte Labbé und Michel Puech zeigen, dass Ethik nicht ";nur"; etwas für erwachsene Schöngeister ist: Auch schwierige Fragen über das Miteinander der Menschen sind für Kinder von großem Interesse und man kann sie auch ohne erhobenem Zeigefinger erklären und das noch dazu mit einer guten Portion Humor.

Fazit:

Das ist Ethik pur für uns alle. Sehr lehrreich aber auch unerwartet unterhaltsam versteht es das Autorenduo Brigitte Labbé und Michel Puech uns für die Hintergründe des menschlichen Miteinanders zu begeistern. Sie holen die Kinder - und das im wahrsten Sinne des Wortes- in ihrer eigenen Welt ab und sie verstehen es, auch komplexe Zusammenhänge ";kinderleicht"; darzustellen. Zu einigen Fragen wird es vielleicht nie eine eindeutige Antwort geben - aber die beiden Autoren beziehen eindeutig Stellung und das gefällt mir besonders gut! Das Weltbild, das sie anstreben ist tolerant, frei und friedlich. Wer wollte sich dem entgegensetzen?

Stefanie Eckmann-Schmechta

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