Wie siehst du denn aus?: Warum es normal nicht gibt

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Illustrationen von Amelie Persson; Hardcover, 90 Seiten

ISBN: 9783407755643

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Idee
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Idee

Der menschliche Körper ist weit vielfältiger, als uns oft suggeriert wird. Und das ist auch gut so. Höchste Zeit also, sich mit Schönheitsideal und Normvorstellungen auseinanderzusetzen und sie gründlich zu hinterfragen.

Bilder

Amelie Persson zeichnet jedes Körperteil in verschiedenen Ausprägungsformen offen und schnörkellos. Sie veranschaulicht damit hervorragend die beschriebene Vielfalt.

Text

Die kurzen Texte berichten sachlich, informativ und altersgerecht Spannendes und Hintergründiges zu jedem Körperteil.

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Claudia Goldammer
Was ist schon normal?

Buch-Rezension von Claudia Goldammer Aug 2020

Kaum ein Mensch gleicht dem anderen und die Nuancenbreite ist schier unglaublich. Blaue Augen können mit schwarzen Haaren auftreten, ein breiterer Po mit einer schmalen Brust – nichts ist unmöglich. Und doch haben sich im Laufe der Jahrhunderte Schönheitsideale herausgebildet, die vielen Menschen ein Leitbild waren und sind, etwas, wonach sie streben und eine Vorlage, wie sie ihren Körper formen wollen.

Waren es viele Jahrzehnte üppig gerundete Körper, wandelte sich diese Idealvorstellung hin zu sehr schmalen, dünnen Figuren. Allerdings wird dieses Ideal nicht in allen Kulturen gleichermaßen verfolgt, in einigen Ländern sind immer noch Rundungen ganz klar die präferierte Körperform. Doch ist das, was uns von den Titelseiten der Lifestylemagazine entgegenblickt oder über den Bildschirm flackert, was „normal“ ist? Und was bedeutet das für Menschen, die anders aussehen?

Groß oder klein, mit Sommersprossen oder ohne, rote Locken oder schwarze, glatte Haare, dichter Bartwuchs oder nur ein paar Stoppeln, breite oder schmale Füße – die Vielfalt des äußeren Erscheinungsbildes ist beim Menschen nahezu unerschöpflich.

Sonja Eismann und Amelie Persson sind sich da sehr einig, dass Schönheitsideale nicht das Normale und damit das Maß aller Dinge sind. Wunderbar unaufgeregt zeigen sie in Wie siehst du denn aus? die Vielfalt des menschlichen Körpers, der jeder für sich normal ist. Aber ein allumfassendes, übergreifendes „Normal“? – Ganz klar, das gibt es nicht. Denn eigentlich sind beispielsweise Achselhaare völlig normal, da sie aber selten in Magazinen zu sehen sind, werden sie paradoxerweise als unnormal empfunden, wenn wir sie dann doch mal zu sehen bekommen. Denn egal, ob mit Achselhaaren oder ohne, ob kleiner oder großer Po, egal, ob der Bauch hängt oder straff ist, egal, ob die Augenform mandelförmig oder kugelrund ist – jeder Körper ist normal und gut, so wie er ist.

Vom Scheitel bis zur Sohle

Diese Feststellung vermitteln Autorin und Illustratorin in einem klar gegliederten Buch. In zwanzig Kapiteln beschreiben sie kurz den menschlichen Körper: Angefangen bei Haaren und Haut, über Ohren, Augen und Mund bis hin zu Füßen. Selbst dem Bauchnabel ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Eingeleitet werden diese jeweils von einer doppelseitigen Illustration, auf der das Körperteil in unterschiedlichen Ausprägungen (aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zu sehen ist.

Dieser optischen Einführung folgt ein doppelseitiger Text, der sich mit den verschiedenen Erscheinungsformen, gewandelten Schönheitsvorstellungen, verschiedenen kulturellen Perspektiven oder auch Begrifflichkeiten auseinandersetzt. Die Beschreibungen sind prägnant und sachlich und kommen sehr gut ohne einen erhobenen Zeigefinger aus. Zusammen mit den offenen, dabei ebenso sachlichen und schnörkellosen Illustrationen, die verschiedene Penisformen ebenso zeigen wie unterschiedliche Frisuren, ergibt sich ein sehr stimmiges Gesamtbild, dass durchaus zu einem umfassenden entspannten Umgang mit dem Thema „Körper“ animiert.

In einer kurzen Einleitung, die den Kapiteln über die Körperteile vorangestellt ist, erläutert Sonja Eismann, dass es in diesem Buch zwar hauptsächlich um Mädchen und Jungs bzw. Männer und Frauen geht, weist aber auch darauf hin, dass sich nicht alle Menschen einer dieser beiden Kategorien zugehörig fühlen. Sie verwendet die Begriffe zwar stellenweise, um bisherige oder auch immer noch aktuelle Denkweisen vor Augen zu führen, greift aber auch auf das Gendersternchen zurück und spricht damit alle Menschen an. Den Lesefluss stört das jedenfalls nicht.

Fazit

Der menschliche Körper ist nicht nur ein ergiebiges Gesprächsthema, er ist auch superspannend und voller Entdeckungen. Wer sich auf eine augenöffnende Reise jenseits medialer Schönheitsideale begeben möchte, dem sei Wie siehst du denn aus? dringend ans Herz gelegt.

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