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Idee
Bilder
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Idee

originelle Hauptfigur, mit der sich Kinder identifizieren und deren Handlungsweise sie gut nachvollziehen können - einfühlsame, poetische Einfälle, die den doch so realistischen Konflikten der Figur gegenüberstehen

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das Motiv des Apfelbaumes und seiner Nutzer variiert von Kapitel zu Kapitel und symbolisiert die Stimmung des Inhalts

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bildreiche Sprache, hohes literarisches Niveau

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2005

Ida B schmiedet am liebsten Pläne und malt sich deren Umsetzung fantasievoll in allen Variationen aus. Die meiste Zeit verbringt das unbeschwerte Mädchen an ihrem plaudernden Bach, führt gern Dialoge mit den Apfelbäumen und genießt ihre grenzenlos scheinende heile Welt. Wahre Sorge bereitet ihr nur, wie sie es verhindern kann, dass Limabohnen und der entsetzliche Rosenkohl auf ihrem Teller landen.

Auf dem Cover von Eva Schöffmann-Davidov schaukeln die fröhliche Ida B und Katze Lulu unbekümmert kopfüber an einem Apfelbaumast. Der erste Eindruck verspricht eine unkomplizierte Geschichte von einem naturverbundenen Mädchen und ihren Erlebnissen ohne elterliche Zügel und Schulstress. Doch die Idylle täuscht, Ida Bs Mutter erkrankt schwer. Der Lebensalltag der eingeschworenen, kleinen Familiengemeinschaft verändert sich von Grund auf. Ida B weigert sich mit den neuen Umständen konstruktiv umzugehen und entwickelt einen herzlosen Plan..........

Ida B Appelwood ist ein eigenwilliges, fantasievolles Mädchen, dass immer zu tun hat und sich am liebsten ihrer Spass-Liste widmet. Sie lebt mit ihren Eltern, der Katze Lulu und der Speichelfabrik, Hund Rufus, auf der eigenen Obstplantage in Wisconsin. Vor vier Jahren sollte Ida B, so nennt sich das Mädchen, da die Mutter ebenfalls Ida heißt, in die Schule gehen. Aber die engen Räume, die ersten Konflikte mit den strengen Regeln und der gefühllosen Lehrerin Miss Myers verleiden Ida B die Schule. Ihre Eltern, und das ist schon beachtlich, beschließen Ida B selbst zu unterrichten. Das ist für das Mädchen der beste Plan der Welt. Als Ich-Erzählerin berichtet Ida B von ihrem phantastischen Leben, ihren Gesprächen mit den Bäumen Beulah, Charlie oder Heinrich VIII., die alle eine Seele haben und spart auch nicht mit altklugen Belehrungen.

Ida B spricht den Leser direkt an, plaudert von Dingen, die ihr geradeso in den Kopf kommen, stellt die wundersamsten, poetischen Vergleiche an und nimmt den Leser auf ihre Fantasiereisen mit. Durch die Stille in der Natur spürt Ida B sehr schnell, dass ein Unheil naht. Und die schweren Zeiten kommen, denn bei Ida Bs Mutter wird Krebs diagnostiziert.

"Mit dem Krebs war es wie mit den Käfern im Baum: Den einen Tag siehst du sie noch gar nicht, am nächsten ist es, als wären sie bereits überall und fräßen Blätter und Früchte. Aber es bringt nichts, jeden einzelnen zu zerquetschen. Du musst etwas Durchgreifendes tun.”

Die Chemotherapie fordert ihre Opfer. Eine ungewohnte Melancholie und Ruhe legt sich über Ida Bs Zuhause. Der Vater beschließt, um die Arztrechnungen zu zahlen, einen Teil der Obstplantage und Ackerland zu verkaufen. Ida B kann es nicht fassen. Wenn neue Eigentümer das Land in Besitz nehmen, dann werden sie Alice, Harry, Bernice und Jacques Cousteau, ihre Apfelbäume fällen. Aber es kommt noch schlimmer. Ida B muss wieder in die Schule gehen und das lässt ihre perfekte Welt zusammenstürzen.

Das willensstarke, selbstbewusste Mädchen spürt wie der Kummer um das verlorene Paradies ihr Herz verhärtet. Sie zieht sich in sich zurück, lässt niemanden mehr an sich heran, beschließt weder ihre Eltern noch irgendjemanden mehr zu mögen und beginnt allen aus dem Weg zu gehen. Dabei fängt der erste Tag in der Schule ganz hoffnungsvoll an. Ihre neue Lehrerin Miss Washington scheint in ihrer offenen Art sehr sympathisch zu sein, aber Ida B hatte ja beschlossen niemanden mehr an sich heranzulassen und da haben weder Frau Washington noch die freundliche Mitschülerin Claire eine Chance.

Die Lehrerin beschließt, dass Ida B ihrem Mitschüler Ronnie das Rechnen beibringen soll und Ida B kann auf diese Bitte nicht mit ihrem üblichen ";Nein!” antworten. Auch das angebotene Buch der Lehrerin nimmt Ida B an. Auch wenn sie sich dagegen sträubt, eröffnet sich für sie beim Lesen eine neue Welt. Sie liest in der Klasse aus dem Buch vor und fühlt nach langer, langer Zeit wieder ein Glücksgefühl, an dem sie niemanden teilhaben lassen kann, denn sie schaut ja keinem mehr in die Augen und reden will sie auch nicht. Aller Hass, der sich in Ida B angestaut hat, entlädt sich als sie erfährt dass Claires Familie ihr Land gekauft hat. Sie schreit Claire an und fühlt sich jedoch kaum besser danach. Tiefer Kummer bricht empor aber auch eine große Portion Egoismus als die Eltern Ida B ein Stück Land anbieten, auf dem sie neue Apfelbäume pflanzen kann. Doch Ida wirft den Eltern Vertrauensbruch vor und kann einfach nicht über ihren Schatten springen. Zu sehr hat sie sich in ihrem Hass auf alles Neue vergraben.

Doch ab einem bestimmten Punkt kann Ida B einfach nicht mehr. Sie fühlt, dass sie platzen würde, wenn sie nicht endlich über ihren Irrweg reden kann. So schüttet sie der neuen Lehrerin ihr Herz aus. Es gibt immer eine Möglichkeit, rät ihr Miss Washington, um sich aus dem selbstgeschaffenen Teufelskreis zu befreien. Man muss nur sagen: Es tut mir Leid. Und Ida B begibt sich auf den Pfad der Buße und entschuldigt sich bei Claire, den Bäumen und ihren Eltern.

Um dicht an der Beobachtungsgabe ihrer Heldin zu bleiben, an ihren wachen Empfindungen und ihrer raschen Auffassungsgabe, aber auch um die Identifikation mit dieser Heldin zu steigern, hat die Autorin für ihre Figur die Ich-Erzählung gewählt. Ida Bs Geschichte wird ganz vom Kind her empfunden, aus seiner Denkstruktur entwickelt und das macht sie so glaubhaft. Ida B ist die kleine Königin in ihrem Reich, die sich nicht vertreiben lassen möchte. Aber das Leben verändert sich, hält positive wie negative Überraschungen bereit, die Ida B gnadenlos vom hohen Ross herunterholen und sie aus ihrem Paradies vertreiben. Es scheint als wäre Ida B in ihrem magischen Alter stehen geblieben und könnte diese egozentrische Phase einfach nicht ablegen. Ida Bs Eltern versuchen gefühlvoll und auch mit Verständnis, trotz ihrer eigenen schweren Situation, auf den Kummer des Mädchens, das sich nur in der Natur sicher fühlt, einzugehen. Doch sie sind Ida B viel zu nah. Mit etwas Distanz und Geduld hilft die Lehrerin Miss Washington Ida B aus ihrem Gefühlsdebakel hinaus. Katherine Hannigan baut so eine positiv besetzte Figur auf, die fast unmerklich den Handlungsverlauf lenkt.

Aus der Perspektive der Protagonistin betrachtet der Leser die Geschehnisse und kann sich nun auf Ida Bs Seite stellen oder kopfschüttelnd mitverfolgen wie tief das eigensinnige Mädchen sich in seinem Hass verrennt. Schritt für Schritt und immer eng mit Ida Bs Gedankenwelt verbunden, verfolgt der Leser ihre Empfindungen und die Verhärtung ihres perfekten Planes, der ihre alte Welt nicht retten wird. Poetisch fast schon zu schön sind die bildhaft sinnlichen Bilder und Ida Bs Sprache.

Fazit:

Katherine Hannigans erstes Kinderbuch zeichnet sich durch viel Feingefühl, Wärme und auch Leichtigkeit aus. Ihre Heldin Ida B begibt sich auf einen langen Weg der Erkenntnis und findet dabei am Ende wieder zu sich selbst. Es verwundert nicht, dass die bekannte, amerikanische Schriftstellerin Kate DiCamillo für dieses Buchprojekt Pate stand.

Karin Hahn

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