Couch-Wertung:

83%
Idee
Bilder
Text

Idee

originelle, überzeugende Hauptfiguren, gute Verbindung von Historie, Mythen und fantastischen Elementen

Bilder

Cover und Kapitelanfänge - der chinesischen Tradition nachempfundene Illustrationen

Text

gut gebaute Entwicklungsgeschichte, interessanter Wechsel zwischen der Umgangssprache Pings und dem gehobenen Stil des gebildeten Drachen, anschauliche Beschreibungen der chinesischen, antiken Lebenswelt

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2005

Die fantastische Abenteuergeschichte, in deren Mittelpunkt das furchtsame Sklavenmädchen Ping und der weise Drachen Long Danzi stehen, spielt im China der Han-Dynastie, 141 v.Chr. Der purpurrote Drachenstein muss unbedingt zum Meer transportiert werden. Das ist die wichtigste Aufgabe des letzten noch lebenden Drachen und seiner Hüterin. Die beschwerliche Reise führt die beiden ungleichen Gefährten quer durch das chinesische Kaiserreich. Ping entdeckt auf ihrem Weg ungeahnte, innere Kräfte, begegnet einem gefährlichen Drachenjäger und genießt sogar die Gastfreundschaft des Kaisers. Das große Ziel jedoch bleibt das Meer - ein weiter und riskanter Weg für ein unerfahrenes Mädchen und einen alten Drachen, der seine Flugkraft erst wiedergewinnen muss....

Am äußersten Rand des chinesischen Kaiserreiches liegt der Huangling-Palast. Lan, der Kaiserliche Drachenhüter, vernachlässigt sträflich seine Pflichten und so vegetieren die selten gewordenen Drachen elendig im Verlies des Herrschers vor sich hin. Auch das ängstliche, weltfremde Sklavenmädchen Ping, das von ihrem Herrn beschimpft und geprügelt wird, hegt keine Sympathie für die unheimlichen Wesen. Da Lan zu faul ist, muss sie die lethargischen Drachen mit Futter versorgen. Aber die zehnjährige Ping hat selbst wenig zu essen und so zweigt sie immer eine Kleinigkeit für sich ab. In ihrer Einsamkeit, die Eltern haben sie früh an Lan verkauft, hat sie sich mit einer Ratte angefreundet, die sie Hua nennt.

Als dann jedoch einer der zwei übriggebliebenen kaiserlichen Drachen stirbt, plagt Ping das schlechte Gewissen, denn sie hält sich für schuldig, da sie ihm die Mahlzeit am Tage zuvor vorenthalten hat. Und dann muss Ping auch noch Lan beim Zerstückeln und Konservieren der Leiche zur Hand gehen, denn einzelne Bestandteile der Drachen, so der Glaube, helfen gegen Krankheiten. Sie fühlt Mitleid mit dem letzten, doch so rätselhaften noch lebenden Tier und kümmert sich um sein Wohlergehen. Diese mutige Tat soll Pings Leben von Grund auf ändern. Im schmutzigen Stroh entdeckt das Mädchen einen rot funkelnden Drachenstein. Als sie ihn berühren will, vernimmt sie eine Stimme in ihrem Kopf, die sie davor warnt, den Stein anzufassen.

Kurz nach dem Tod des Drachen kehrt der amtierende Kaiser überraschend mit dem Drachenjäger Diao nach Huangling zurück, um sein Eigentum zu verkaufen. Mit Entsetzen stellt das Oberhaupt fest, dass nur noch ein Exemplar lebt. Ping belauscht das Gespräch und warnt den Drachen, von dem sie nicht weiß, dass er fliegen kann. Ping landet, ehe sie sich besinnen kann, gemeinsam mit Hua und dem Drachenstein auf dem Rücken des Flugdrachen. Doch im letzten Moment der Flucht wird er von Diao angeschossen. Lan verleumdet Ping vor dem Kaiser als Zauberin. Trotz ihrer Angst vor allem Unbekannten beschließt Ping nicht in ihren Ort zurückzukehren, sondern mit dem grünen Drachen und seinem Stein sich auf den weiten Weg zum Meer, dessen Wasser angeblich heilende Kräfte besitzt, zu begeben. Durch die Verletzung ist der Drache, der sich Long Danzi nennt, flugunfähig. Das Mädchen wird im Verlauf der gemeinsamen Zeit mit Danzi sehr viel mehr über sich erfahren und vor allem von den weisen Sprüchen des Drachen profitieren, die da lauten:

"; Eine tausend Meilen weite Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt.” oder ";Alle Antworten finden sich jenseits der Schwelle der Erfahrung.";



Zu Fuß begibt sich das Paar auf den Weg. Glücklicherweise kann der Drache unter großen Anstrengungen seine Gestalt in einen alten Mann oder in eine Schlange verwandeln. Ping lernt von ihrem Reisegefährten, dass die Drachen gute 2000 Jahre alt werden können, besser sehen als hören und ihre Schuppen magische Kräfte besitzen, die Gutes wie Böses stiften können. Der Drache spricht in der dritten Person von sich und dadurch wirken seine Sätze immer etwas feierlich und distanziert. Ping soll lernen ihre spirituelle Energie, die jedes Lebewesen hat, freizusetzen - ihr Qi. Dabei stellt sie sich ziemlich hilflos an. Ping und Danzi geraten immer wieder in Situationen, in denen sie sich mit dem Drachenjäger Diao konfrontiert sehen und sogar vor einem Zauberer, einem Nekromanten, fliehen müssen.

Nach dramatischen Verfolgungsjagden teilt Danzi dem Mädchen mit, dass sie zur Drachenhüterin berufen ist. Alle Eigenschaften, die zu dieser Funktion gebraucht werden, vereinen sich in ihrem Wesen. Sie ist Linkshänder, sie hört die Drachen sprechen, sie hat gelernt ihr Qi zu benutzen und sie hat das zweite Gesicht. Allerdings ist Ping die erste Drachenhüterin. Als sie jedoch dem jungen Kaiser Lin Che auf seinem Weg zum heiligen Berg Tai Shan begegnet, fällt sie wieder in ihre alte Rolle der Sklavin zurück. Doch Lin Che freundet sich mit Ping an und sucht ihre Gegenwart. Ein völlig neues Leben offenbart sich dem armen Mädchen und beinahe hätte sie ihren Drachen und die gemeinsame Mission aus den Augen verloren. Nach einem erneuten Kampf mit dem Drachenjäger Diao, bei dem er sein Leben lässt und Ping Danzi rettet, erreichen beide das Meer. Das Mädchen stellt fest, dass der sich verändernde Drachenstein ein Drachenei ist, dem ein Drachenbaby entschlüpft. Ping wird die letzte wahre Drachenhüterin sein, so prophezeit Danzi und der frisch geborene Long Kai Duan der erste Drache, der frei in der Obhut eines Menschen leben wird.

Heute schlängelt sich traditionell Mitte Januar ein bunter Stoffdrache als wohltätiges und glücksbringendes Wesen durch die Straßen Chinas. In Carole Wilkinsons Abenteuergeschichte jedoch ist er lebendig und symbolisiert die Autorität der chinesischen Kaiser. Seit Erscheinen der Japan-Trilogie ";Clan der Otori” der australischen Autorin Lian Hearn sind Geschichte und Mythologie Asiens zum Ideenlieferanten für Fantasy-Autoren geworden. Auch die in Melbourne lebende Carole Wilkinson fand wie ihre Landsmännin Gefallen an diesem Stoff und den Weisheitslehren des Taoismus. Sie taucht mit ihren Lesern in das antike, sehr fremde China um 141 v.Chr., die Zeit der Han-Dynastie, ein und verbindet dabei mit großer Imaginationskraft die realen historischen Fakten mit der Existenz eines lebendig agierenden, vermenschlichten Drachen und anderer magischer Wesen.

Mit Sachkenntnis und viel Sinn für kleine, aber bedeutsame Details greift die Autorin z.B. den Mythos auf, dass Drachen in der Lage sind, das Wetter wunschgemäß zu ändern. So beschreibt sie in einer Szene, wie Danzi es regnen lässt und dadurch der Drachenhüterin Ping das Leben rettet. Ping erweitert im Laufe der Geschichte ihren Blick auf die Welt. Aus dem zaghaften und verängstigten Mädchen, dass als Sklavin immer nur gedemütigt wurde, und wie die Drachen in einem geistigen Dämmerzustand lebte, entwickelt sie sich zu einer eigenständig denkenden, solidarischen und mutigen Heldin. Sie geht gestärkt aus all ihren Abenteuern hervor und entdeckt ungeahnte Kräfte in sich selbst. Ping gewinnt an Selbstvertrauen, verliert ihre Unsicherheit und bleibt trotz ihrer Fähigkeiten eine Lernende.

Der Personenkreis in der spannenden Geschichte bleibt für den Leser übersichtlich, denn die Autorin hat, wie so oft in diesem Genre üblich, kein ziegeldickes Buch geschrieben. Bei aller Exotik überfrachtet sie trotz der Weisheiten des Drachen Long Danzi, die von den Sprüchen des Tao Te Kings angeregt sind, eines Werkes, das vor mehr als 2500 Jahren entstand und die Grundlage der chinesischen Philosophie des Taoismus bildet, den Leser nicht mit allzu vielen Einzelheiten. Spannende Actionszenen lösen genaue Beschreibungen der fremden Welt voller Farbenpracht, Glanz und aber auch Armut ab. Carole Wilkinson bedient sich einer lebendigen und dialogreichen Sprache, überfordert ihre Zielgruppe nicht und bleibt doch anspruchsvoll in ihren literarischen Mitteln.

Ein zweiter Band über die Hüterin des Drachen ist in Arbeit.

Fazit:

Carole Wilkinson siedelt ihre spannende Handlung über ein weltfremdes Mädchen, das sich mit einem uralten, philosophierenden Drachen anfreundet, im fernen ";Reich der Mitte"; an. Beide Protagonisten können nicht unterschiedlicher sein und bilden doch am Ende, nach etlichen Abenteuern und dramatischen Verfolgungsjagden auf Leben und Tod, ein gut funktionierendes Team. Ping muss sich ganz unfreiwillig auf die Suche nach ihrer Identität begeben und besteht die gestellten Bewährungsproben. Die australische Autorin verbindet meisterlich historische Fakten mit dem zentralen Mythos um Chinas symbolträchtigster Figur - dem Drachen.

Karin Hahn

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