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Idee

Eine fabelhafte Weihnachtsgeschichte über den nahtlosen Übergang von Realität zu Phantasie, über die Natürlichkeit von Leben und Tod und über die Herzenswärme der Familie.

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Eine gelungene Illustration mit ganz eigenständiger Ausstrahlung, durch die die Geschichte hervorragend unterstützt wird und den einzelnen Kapiteln eine besondere, etwas kühle, Atmosphäre verleiht.

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Umgangssprachlich und verständlich erzählt für Jugendliche und Erwachsene. Insbesondere die Erzähltechnik mit eingestreuten Kommentaren der Erzählerin ist interessant gemacht und sehr unterhaltsam. Mal eine etwas andere Art von Weihnachtsgeschichte!

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2005

Weihnachten steht vor der Tür und Anna nervt es, dass alle immer vom Weihnachtsmann sprechen, den es doch gar nicht gibt - oder doch? Eigentlich weiß Anna, dass es keine Zauberer, Feen, Wichte, Engel, Osterhasen, sprechende Tiere und auch keinen Weihnachtsmann gibt. Aber die vorweihnachtlichen Ereignisse bringen ihr Weltbild ins Wanken und durch den Winterzirkus wird plötzlich alles in Frage gestellt. Doch wie für alles andere auch, so gibt es auch für Annas grundlegende Fragen eine befriedigende Antwort.

Anna steht auf der Schwelle zum Erwachsenwerden. Ihr kleiner Bruder Paul glaubt noch an den Weihnachtsmann - Pah! Und dabei ist jeder Weihnachtsmann doch nur ein Student im Kostüm. Die Weihnachtsvorbereitungen sind voll im Gange: Mama backt Plätzchen ohne Ende, Papa ergattert nur noch einen suboptimalen Weihnachtsbaum und Anna schmückt den Baum für den Festtag. Eines Tages hört und sieht sie einen Akkordeon spielenden Hund, der zum Winterzirkus einlädt. Offensichtlich ist sie die Einzige, die diese Musik hört und diesen Hund im Wintermantel sehen kann, denn ihre Eltern glauben ihr nicht. Einige Tage später hört Anna erstaunt, wie sich zwei Raben unterhalten. Und da ist er schon wieder: der Winterzirkus für Tiere! Als sie im Sommer mit ihrer Tante Ruth, der ";ollen Ruth"; wie sie liebevoll von ihrer Familie genannt wird, im Zirkus war, hat auch Ruth von diesem Winterzirkus für Haustiere gesprochen. Anna war sich sicher, dass die olle Ruth sie mal wieder auf den Arm nehmen wollte. Nun ist sie sich nicht mehr sicher, was sie glauben soll und was nicht. Als sie dann auch noch im Keller auf einen sprechenden Igel trifft, ist sie vollkommen irritiert: sie kann die Sprache der Tiere verstehen und sich mit ihnen unterhalten.

Am Weihnachtsabend findet sie zwei Eintrittskarten für den mysteriösen Winterzirkus unter ihrem Kopfkissen. Er findet um 22 Uhr statt. Nach dem Weihnachtsfest verabschiedet sich Anna kurz vorher von ihren Eltern mit der Begründung, sie sei müde und werde zu Bett gehen. Erwartungsvoll steht sie am Fenster im Hausflur und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Für wen wohl die zweite Eintrittskarte sein mag? Wo findet der Winterzirkus nur statt?

Bis hierhin hat der Autor seine Erzählerin Anna vom vergangenen Geschehen berichten lassen. Anna möchte, dass der Leser genauso viel weiß von diesen mysteriösen Vorfällen wie sie. Sie hofft, dass wir Leser den weiteren Weg nun mit ihr gemeinsam gehen - und das tun wir.

Zurück zur Geschichte: plötzlich taucht Tante Ruth auf und schlägt vor, gemeinsam in den Winterzirkus zu gehen. Damit wäre schon mal das Rätsel um die zweite Eintrittskarte gelöst! Anna geht mit ihrer Tante nach Draußen in den Schnee. Sie schließt die Augen und Ruth legt ihren Mantel um sie und als Anna die Augen wieder öffnet, steht sie vor einem Zirkuszelt. Aber - oje - ihre Tante hat sich in eine große Katze verwandelt und sie selbst in eine kleine Maus, denn nur Tiere dürfen in den Winterzirkus. Das muss ein Trick sein, denn so etwas gibt es doch gar nicht. Alle erdenklichen Haustiere finden sich im Zirkus als Zuschauer und als Akrobaten ein: und der Direktor ist ein großer Weihnachtsmann! Und gegen Ende der Vorstellung gibt es Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens. Für Anna ist das die Frage, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt. Der Akkordeon spielende Hund namens Laika gibt ihr die Antwort darauf: ";Ganz egal, an was du glaubst, und ganz gleich, wem es gefällt, sollte es dem Leben dienen, passt es gut in diese Welt!";

Mit dieser rätselhaften Antwort kehrt Anna wieder als Mädchen in ihre Welt zurück. Erst jetzt erfahren wir, als sie alles ihren Eltern erzählt, dass ihre Tante Ruth vor einigen Monaten gestorben ist und es nicht sein kann, dass Anna sie gesehen hat. Aber Anna erinnert sich an das Lied von Laika und ihr Vater sagt ihr, dass jemand, den man sehr geliebt hat, immer bei einem ist, wenn man es nur möchte. Und daher ist diese Geschichte für Anna so wahr wie die Tatsache, dass sie ein wunderschönes Weihnachtsfest mit ihrer Familie hat.

";Der Winterzirkus"; ist eine herzerwärmende Weihnachtsgeschichte von Martin Baltscheit mit markanten Illustrationen von Aljoscha Blau. Das Mädchen Anna führt uns durch ihre Geschichte. Zuerst erzählt sie uns, was in der vergangenen Zeit vorgefallen ist, gespickt mit reichlichen Kommentaren, dann sind wir in der Gegenwart angekommen und begleiten Anna auf ihrem weiteren Weg. Die Sprache und insbesondere die reichhaltig eingestreuten Kommentare sind spitzfindig und witzig und es fällt schwer, sie sich aus dem Mund eines jungen Mädchens vorzustellen. Die Erzähltechnik ist variationsreich und interessant, die Wortwahl einfach und humorvoll - eben umgangssprachlich.

Anna scheint ein sehr kluges und stilles Mädchen voller Ernst und Skepsis zu sein, deren vermeintliche, für dieses Alter eher untypische, Abgeklärtheit erfreulicherweise durch die mysteriösen Geschehnisse ins Wanken gerät. Erfreulich, weil auch sie unerklärliche Dinge in ihrem Leben zulassen muss.

Anna wirkt aber nicht nur ernst, sondern sogar ein wenig traurig. Dies lässt uns erahnen, dass es in der Weihnachtsgeschichte um weitaus ernstere Fragen geht, als die, ob es den Weihnachtsmann nun wirklich gibt oder nicht. Dieser Eindruck deckt sich mit der Stimmung, die in den Illustrationen wiedergegeben wird. Die Illustrationen tragen eindeutig Aljoscha Blaus Handschrift: sie sind geradlinig, klar, manchmal etwas kühl, aber dennoch voller Atmosphäre. Da sie nur das Wesentliche zeigen und nicht ausschmücken, lassen sie Raum für eigene Wahrnehmungen. Aljoscha Blau arbeitet mit gedeckten Farben und vielen Schatten. Dies verleiht dem Ganzen eine gewisse Schwere.

Fazit:

";Der Winterzirkus"; ist nicht nur ein Buch für leseerfahrene Kinder, sondern auch für Erwachsene. Gerade an einem Familienfest wie Weihnachten denkt man viel an Menschen, die verstorben sind und einem viel bedeutet haben. Martin Baltscheit gelingt es fabelhaft, das Thema Tod als etwas Natürliches darzustellen, vor dem man keine Angst haben muss. Die Geschichte ist so leicht erzählt, dass man erst am Schluss bemerkt, dass es in dieser Erzählung um Tod, Trauer und Verlust geht. ";Der Winterzirkus"; erwärmt beim Lesen regelrecht das Herz, das einem vor Liebe schon fast überzulaufen droht, ohne dass die Geschichte ins Kitschige abgleitet. Dieser wärmende Effekt setzt sich letztendlich trotz der etwas schwermütigen Stimmung der Illustrationen durch. Bei diesem Buch kommt jeder auf seine Kosten und daher sollte man sich diesen Lesegenuss in der hektischen Vorweihnachtszeit unbedingt gönnen!

Marijke Lass

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