Émile in Berlin: Mäusejagd im Warenhaus

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 40 Seiten

ISBN: 9783836960779

Couch-Wertung:

88%
Idee
Bilder
Text

Idee

Die Warenhäuser Anfang des 20. Jahrhunderts als zentrales Element gesellschaftlichen Lebens – die Geschichte ist hierfür gut gewählt.

Bilder

Farbgebung, Zeichenstil, Perspektive – hier stimmt tatsächlich alles und lädt zum langen Verweilen ein.

Text

Der Kontrast ist zu stark: Die Weichheit der Bilder passt nicht ganz zu den starren, anspruchsvollen Texten.

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Julian Hübecker
Beeindruckender Einblick in eine sorglose Zeit

Buch-Rezension von Julian Hübecker Mär 2021

Émile und seine Mutter sind zu Besuch in Berlin. Was liegt da näher als das größte Warenhaus Europas, das Warenhaus Wertheim, zu besuchen? Doch drinnen passiert Émile ein Malheur und er entlässt unfreiwillig eine Maus aus der Zooabteilung. Schnell entwickelt sich das Einfangen der Maus zu einer anstrengenden Jagd durch das gesamte Gebäude…

„Da liegt das riesige Warenhaus auch schon vor ihnen. Seine Fassade mit ihren vielen schlanken Pfeilern scheint geradezu aus dem Boden zu wachsen.“

1904 ticken die Uhren noch anders: Die größten Städte Europas konkurrieren miteinander um das prächtigste und bestausgestattete Warenhaus – und damit auch um zahlungskräftige Kunden. Besonders beeindruckend ist das Warenhaus Wertheim in Berlin, in dessen prunkvollen Hallen alles von Tieren über Kleidung, feinsten Glasskulpturen bis hin zu leckeren Gebäcken zu finden sind.

Auch Émile und seine Mutter sind beeindruckt von der Ausstattung und wollen sich die verschiedenen Abteilungen ansehen. Émile landet bald in der Zooabteilung und lernt die Verkäuferin Marie kennen. Sie verdient nicht viel in ihrem Job und hat daher Angst, gekündigt zu werden, als Émile versehentlich eine Maus entkommen lässt. Gemeinsam versuchen sie das entwischte Tier wieder einzufangen und haben dadurch bald das gesamte Warenhaus hinter sich gelassen.

Das Einfangen einer anderen Zeit

Warenhäuser (und auch Kaufhäuser) sind heute nur noch eine Nebenerscheinung, und meist laufen sie nicht mehr sonderlich gut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war dies ganz anders: Pomp und Prunksucht der Häuser suchte ihresgleichen. Um davon einen Eindruck zu bekommen, braucht es authentische, detailversessene Bilder – diese stammen von Thilo Krapp selbst und sind großflächig auf allen Seiten gegeben. Durch die quer- und großformatige Ansicht ist genügend Spielraum vorhanden, um der Opulenz Rechnung zu tragen.

Krapps Illustrationen sind sehr gelungen, indem sie geometrisch und geradlinig gezeichnet wurden, coloriert jedoch leicht verwaschen und dabei trotzdem von akkurater Detailtreue. Die vielen Ornamente, Strukturen und Beschaffenheiten zeugen von einer Menge Arbeit, die sich aber bezahlt macht. Es reicht nicht, die Seiten zu überfliegen – man muss sie aufmerksam betrachten, um jede Kleinigkeit aufzunehmen, die sich zu betrachten lohnt.

Die Geschichte ist eine gute Möglichkeit, das Warenhaus von oben bis unten kennenzulernen. Émile wird da schnell zur Nebensächlichkeit, ist aber ein sympathischer junger Mann ohne Ecken und Kanten.

Gelungen ist auch die Kombination aus Geschichte und Sachwissen: Wer hätte gedacht, dass es spannend sein kann, in die Welt der Warenhäuser einzutauchen und zu lernen, wie diese sich geschichtlich entwickelt haben, wie andere ausgesehen haben und wann die Zeit der Warenhäuser dem Untergang geweiht war.

Fazit

Es ist schon eine ungewöhnliche Thematik, in die hier eingetaucht wird; aber es ist ein Charakteristikum der Goldenen Ära des frühen 20. Jahrhunderts. Thilo Krapp hat die Opulenz jener Zeit hervorragend eingefangen, die bald durch zwei Weltkriege in den Hintergrund geraten wird.

Émile in Berlin: Mäusejagd im Warenhaus

Émile in Berlin: Mäusejagd im Warenhaus

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