Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
Text

Idee

Die Charaktere sind sehr gefällig, einprägsam und ideenreich .Das macht die Geschichte umso unterhaltsamer. Eine bekannte Idee wurde in einen ganz neuen Kontext gebracht und das macht sie sehr speziell. Leider lässt das Feuerwerk zwischendurch etwas nach.

Bilder

Beeindruckende Illustrationen die aus der Werkstatt eines wahren Zeichentrickkünstlers entstammen.

Text

Sehr bedacht und oft sehr poetisch kommen erzählende Textpassagen zum Tragen, die sich gekonnt mit witzigen Dialogen arrangieren. Diese „flapsige“ Erzählweise mit Tiefgang macht dieses Buch zu etwas besonderem.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2005

[ab 7 Jahren]

Nanu, mag so mancher denken, wenn er das hochwertig gestaltete Bilderbuch vom cbj Verlag in den Händen hält. Da sieht man den Namen eines Autors, der uns als Ex-Beatle wesentlich geläufiger ist ... Die Rede ist natürlich von Paul McCartney. Aber nichtsdestotrotz zieht das Buch unseren Blick und unsere Hände magisch an - wir müssen es betrachten, es durchblättern, seine außergwöhnlichen Illustrationen bewundern, seine irgendwie sehr flapsigen und doch poetischen Texte lesen - und ehe wir uns versehen, sind wir mitten drin in Eichhorn Eichstrichs Welt...

";Eichstrich - das Eichhorn"; lebt im Waldland, einer wahren Idylle, das vor den Toren von Megatropolis liegt - einer verschmutzten, unansehnlichen Stadt und ein unwirtlicher Ort für die Tiere. Zusammen mit seiner Mutter, Dorothee Eichhorn-Zuckerschwanz, und seinen Freunden verlebt Eichstrich im Waldland eine glückliche Zeit. Doch gerade als Dorothee Eichhorn-Zuckerschwanz wieder einmal eine ihrer wunderbaren Geschichten von dem sagenumwobenen Land ";Animalia"; erzählt, bricht über das Waldland ein wildes Getöse herein: Kettensägen, Bagger und Bulldozer zerstören das Waldland. Eichstrich kann sich gerade noch vor den erbarmungslosen Maschinen retten doch für seine Mutter ist es zu spät. Bei ihren letzten Worten fordert Dorothee Eichhorn-Zuckerschwanz ihren Sohn auf, ";Animalia"; zu finden.

Auf der Suche nach Antworten begibt sich Eichstrich in die von Abgasen verschleierte Stadt Megatropolis und lernt dort, in den trostlosen Slums der Stadt, Ratzo, die Ratte, kennen, die Eichstrich das Leben rettet. Desweiteren trifft er auf Wilhalmina, die Eichstrich seinerseits aus einer unangenehmen Situation befreit. Wilhalmina und Eichstrich erfahren im Schnellrestaurant ";Schluxxrunter"; von Ratzo, der Kanalratte, dass er für ";die Gretsch"; arbeitet. Der Gretsch gehören die vielen Fabriken in Megatropolis, in denen sie die Tiere Sklavenarbeit verrichten lässt. Eichstrich hat die hoffnungslosen Gesichter der geschundenen Tiere gesehen und er wünscht sich augenblicklich nichts sehnlicher, als diese Geschöpfe zu befreien und nach Animalia zu bringen, wo sie ein freies und glückliches Leben führen können. Aber die Tore der Fabriken, in denen die Tiere gefangen gehalten werden, sind nicht zu überwinden - jedenfalls nicht ohne das passende Passwort. Ratzo schlägt daher erst einmal vor, Gretschs Haus einen Besuch abzustatten - er kennt den Weg durch die Kanalisation von Megatropolis. Schließlich gelangen sie mit der freundlichen Hilfe einer zahnlosen Krokodildame, die starke Ambitionen zur Opersängerin hat, in das feudale Haus der Fabrikbesitzerin. Sie finden sie laut telefonierend auf ihrem Bett vor; Eichstrich wundert sich sehr über dieses ";Tier";, denn noch nie hat er einen haarlosen Affen gesehen - dazu mit einer riesigen, wogenden Perrücke auf dem Kopf.

Sie hat, so können die Freunde aus dem Telefonat heraushören, bereits von Animalia erfahren und sie will es unbedingt zerstören - derlei Hoffnung unter den Unterdrückten kann sie nicht dulden. Eichstrich erfasst sofort mit Schrecken, dass er im ";Schluxxrunter"; belauscht wurde. Und nur allzu bald werden die Eindringlinge von Gretsch entdeckt, wobei Wilhalmina gefangen genommen wird. Eichstrich kann fliehen und erinnert sich an den Brief, den ";Froscho";, sein ballonfahrender Freund, ihm einst im Waldland gegeben hatte. Er solle ihn verwenden, wenn er dringend Hilfe brauche.

Mit einem beeindruckenden Feuerwerk, das der Brief mitsamt Zündschnur in sich verbarg, wird Froscho, der Frosch, herbeigerufen und ist auch binnen kürzester Zeit mit seinem Heißluftballon zur Stelle. Sie wollen nun so schnell wie möglich Animalia finden, um die Tiere dort vor Gretschs Überfall zu warnen - und stellen fest, dass keiner von ihnen eine Ahnung hat, wo es sich überhaupt befindet. Aber das Glück ist den beiden Aeronauten hold und sie entdecken in der Insel, die ihnen als erste nach einem heftigen Sturm unter die Augen kommt, Animalia.

Schließlich verstehen die fröhlichen und friedfertigen Tiere Animalias - nachdem Froscho und Eichstrich mit einigem Nachdruck auf die Gefahr hinweisen- dass sie ernsthaft bedroht sind und handeln müssen. Aber zunächst wollen sie eine Party für ihre Gäste feiern - eine ihrer berühmten ";Inselsausen";.

Eichstrich hat es aber eilig, denn er will Wilhalmina so schnell es geht aus den Fängen von Gretsch befreien. In einem Gefängnis in den Kellern einer Fabrik findet er sie zusammen mit Froscho schließlich auch. Sie hat bereits Freundschaft mit einem Zirkusfloh namens Alfredo geschlossen, der ihr vergeblich zur Flucht verhelfen wolllte, sich aber bestens mit Computern auskennt.

Während sie gerade noch rechtzeitig zu fliehen können, gelingt es Gretschs Gehilfen, Kwisling, einen Sender an ihren Ballon zu schiessen. Die drei kehren zurück nach Animalia und ahnen nicht, dass sie Gretsch geradewegs die Spur zu der geheimnisvollen Insel der Tiere legen. Gretsch folgt ihnen mit ihrem hochgerüsteten Kanonenboot um die Insel zu vernichten.

Die Tiere von Animalia sind das Kämpfen nicht gewohnt und so sind sie dem schwimmenden Kampfboot zunächst haushoch unterlegen. Doch mit Raffinesse und einiger Hilfe aus dem Meer gelingt ihnen dennoch der Sieg über Gretsch.

Es versteht sich ja wohl von selbst, dass nun eine riesen Inselsause ansteht - doch zunächst müssen alle Tiere aus Megatropolis befreit werden. Der Zirkusfloh Alfredo, der bereits versucht hat, den Code zum Öffnen der Fabriktore zu ";knacken";, ist zur Stelle, als man ihm das richtige Passwort übermittelt.

Alle Tiere -auch alte Bekannte aus dem Waldland - werden mit jeder erdenklichen Art schwimmender Untersätze nach Animalia gebracht. Das Glück ist für Eichstrich nun buchstäblich zum Greifen nahe als er am Strand neben Wilhalmina den Sternenhimmel betrachtet. Wenn doch nur Dorothee Eichhorn-Zuckerschwanz dies alles miterleben könnte, aber wir haben so eine Ahnung, dass sie hoch oben in den Wolken alles mitbekommen hat...

Sehr leicht und humorvoll, mit unverkennbar ";rowohltschem Einschlag";, erleben wir das Abenteuer von Eichstrich & Co. Dabei hat das englische Original mit Sicherheit auch einiges an lockerem Erzählstil zu bieten, der sehr erlebnisreich zu erzählen und zu bemerken weiß - aber die Übersetzung von Harry Rowohlt hat wohl auch das ihrige dazu beigetragen, dass wir hier eine ganz anders geartete Erzählweise vorfinden, wie wir sie vielleicht von einem Kinderbuch nicht erwartet hätten.

Allerlei Wortspielereien und Kapriolen begleiten die Geschichte, die ein wenig an die schon bekannten Klassiker erinnern mag, die den ";tierischen Exodus"; und die Suche nach einer besseren Welt zum Thema haben. Allerdings muss ich gestehen, dass es eine thematische Verwandtschaft durchaus gibt - die Umsetzung aber ist grundlegend verschieden. ";Hoch in den Wolken"; ist moderner, unseren Lebensumständen sehr ähnlich, obwohl der einzige Mensch, der darin vorkommt, ein ";haarloser Affe"; mit Perrücke ist. Wie doppelbödig, dass nur ein Mensch die Tiere so unterdrücken kann und wie bezeichnend, dass die Tiere von Animalia lieber feiern als kämpfen wollen (wovon sie wirklich keine Ahnung haben).

Die Tiere sind- im Gegensatz zur Gretsch - friedfertig und arglos, ja, sogar ahnungslos, denn wie sonst soll es der Unterdrückerin gelungen sein, sie in einer solchen Hoffnungslosigkeit zu bannen?

So erschließt sich uns Erwachsenen einen weitaus tiefere Ebene, als es vielleicht den Kindern gelingen wird. Wir wissen von Paul McCartney, dass er sich bereits seit langer Zeit für den Tierschutz einsetzt. Somit ist sein massgeblicher Beitrag zum Entstehen dieses Werkes meiner Meinung nach mit Sicherheit gegeben. ";Den wahren Charakter eines Menschen kann man daran beurteilen, wie er seine Mit-Tiere behandelt."; Ist ein sehr klares Statement am Ende des Buches, das vermutlich von Paul McCartney selber stammt.

Trotz der tiefer liegenden Botschaft hinter der schönen Fassade, finden wir eine ganze Fülle von besonders gut herausgearbeiteten Charakteren, die wirklich jedem Freude machen werden. Lustig und ideenreich erzählt, lernen wir sehr einprägsame Figuren aus Waldland und Megatropolis kennen - und auch in Animalia ist voll von ihnen. Besonders kreativ waren ihre Erschaffer nicht nur bei ihrer Namensgebung, sondern auch bei deren Eigenheiten und Aktionen. Selbst die Nebenrolle der Krokodildame, Gerda, die zwar keinen einzigen Zahn, dafür aber umso größere Ambitionen für eine Gesangskarriere hat, bleibt im Gedächtnis haften und es macht Freude, sie zum Happy-End hin aus den Kanalrohren schwimmen zu sehen. In der Interaktion der verschiedenen und meist ";schrägen Typen"; finden wir jede Menge Humor und Situationskomik. Es erinnert ein wenig an die Charakterdarstellungen der großen Zeichentrickfilme der letzten Zeit.

Und nicht nur deren sehr gekonnte Inszenierung innerhalb der Story erinnert an dieses Genre. Ganz besonders die wunderbaren Illustrationen wirken wie eingefrorene Bilder aus einem Zeichentrickfilm. Die Dynamik des Zeichenstils, mit raffiniert erzielter Tiefe und die illustratorische Ausgestaltung der Tiere sind derartig anziehend, dass es wohl kaum jemanden gibt, dem die Illustrationen nicht gefallen werden.

So verspielt und lebendig die Darstellungen sind, so flink und behende führt uns auch die Sprache durch die Geschichte. Dabei werden so einige zotige Momente beschrieben, die gerade Kinder aus dem Häuschen bringen werden. Als endlich die Nachtsirene ertönt, das Zeichen, dass Eichstrich sich mit Ratzo im ";Schluxxrunter"; treffen soll, müssen keine Bilder sprechen. Sehr plakativ beschreiben die Autoren, wie außerordentlich laut die Sirene ist. Das ohrenbetäubende Spektakel versetzt augenblicklich alle in anhaltende Schwingungen, so dass sich die ersten Worte danach so anhören: ";D-d-das war die Na-na-nacht-scha-scha-sicht-si-si-rene, scha-scha-scha-timmt´s?";

Und es bleiben noch so einige nette Begebenheiten, die das Trio Paul McCartney, Geoff Dunbar und Harry Rowohlt zum Besten gibt, die Kinder sehr unterhaltsam finden werden. Sehr bedacht und oft sehr poetisch kommen beschreibende Textpassagen zum Tragen, die sich gekonnt mit witzigen Dialogen arrangieren. Das ist den Autoren wirklich gelungen.

Auch grundsätzlich sehr gelungen erscheint mir das Gesamtkonzept des Buches, das uns unversehens gefangen nimmt in diese etwas verrückte Welt von Eichstrich. Diese schnell einsetzende Verzückung wird natürlich massgeblich durch die meisterhaften Illustrationen von Philip Ardagh unterstützt. Die Erwartungen an das Buch steigen mit jeder Seite, die uns tiefer in diese besondere Geschichte zieht.

Aber mit einem Mal heißt es: Hoppla! Gerade erst hat Eichstrich verstanden, wie wichtig Animalia für die Tiere in Megatropolis ist, da wird es auch schon massiv bedroht von dem mächtigsten und merkwürdigsten Tier weit und breit. Man hat den Eindruck, dass jemand, im übertragenen Sinne, auf die Uhr geschaut hat und ordentlich Tempo zugelegt hat, um doch noch rechtzeitig fertig zu werden. Dabei musste ich in meiner Inhaltsangabe ab der Stelle, wo Wilhalmina gefangen genommen wurde, nicht einmal besonders kurzfassen: Froscho und Eichstrich steigen in den Ballon und die nächstbeste Insel, die sie finden, ist es dann auch. Sie fliegen zurück, um Wilhalmina zu retten und finden sie natürlich sofort unter den vielen von Gretschs Fabriken - im Keller. Es hätte dem vernachlässigten Spannungsbogen sehr gut getan, wenn diese Begebenheiten ein wenig mehr Handlung bekommen hätten. Auch wenn derartig plötzliche ";Aleatorische Fortüne"; wirklich sehr geschickt mit einfachem ";unverdienten Dusel"; erklärt wird. Zumindest bleibt uns ";Hoch in den Wolken"; keine Antwort schuldig.

Das Finale ist dagegen dann wieder wesentlich üppiger ausgestattet und versöhnt uns. Als die Tiere auf sehr kluge Weise, ohne jeden direkten Einsatz von Gewalt, Gretsch besiegen und alle Tiere befreien können, erleben wir ein unkompliziertes und phantasievolles Ende, das wir gerne auskosten. Gut geschrieben und schlüssig. So mögen es auch Kinder besonders gern.

Jetzt mag so mancher vermuten, dass bei diesem opulenten Zeichenstil und derartig geglückten Darstellern, ein Einzug in die Kinos nicht lange auf sich warten lassen würde. Dem kann ich nur zustimmen. Nur frage ich mich, wie und ob diese dramaturgische ";Lücke"; gefüllt werden wird. Mir schient, als hätten die Erschaffer von ";Hoch in den Wolken"; noch die ";echte Fassung"; in der Schublade - aber ich könnte mich auch irren...

Fazit:

Ein beeindruckendes Kinderbuch des ";Dream-Teams"; McCartny, Dunbar, Ardagh und auch mit Sicherheit von Harry Rowohlt. Sehr unterhaltsam und angefüllt mit hochwertigen Illustrationen und jeder Menge guter Einfälle, wird es wohl jedem Kind - und das im wahrste Sinne des Worts - Spaß machen. Dass die Geschichte irgendwie doch sehr konstruiert und wohl durchdacht wirkt, mag bei diesen ";Vätern"; nicht überraschen. An einigen Stellen wäre etwas mehr Tiefgang wünschenswert gewesen; aber es ist für Kinder perfekt inszenierte Unterhaltung, die auf der Erfahrung vieler sehr erfolgreicher Macher beruht.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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