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Idee

Pauline und Lorenzo stehen stellvertretend für viele Kinder, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Sympathisch und lebensnah zeigen die beiden auf, dass Trennungskinder nicht alleine sind und dass es in Ordnung ist, Emotionen zu zeigen.

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Die Sprache ist sehr leicht verständlich und alltagsnah, das Wechselspiel zwischen den verschiedenen Situationen erfordert allerdings hohe Konzentrationsfähigkeit und Leseerfahrung.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2005

";Pauline und der gelbe Ritter"; ist ein thematisch nicht ganz einfaches Buch, das verschiedene Handlungsstränge zu einer spannenden und emotionalen Geschichte verstrickt.

Pauline hat es nicht leicht. Dauernd streiten sich ihre Eltern und jetzt ist es sogar so weit gekommen, dass Papa ausgezogen ist. Nun wohnt Pauline alleine mit Mama. Und sobald ihre Eltern sich begegnen, kommt es zum Streit zwischen ihnen. Pauline verkriecht sich dann in ihr Zimmer, damit sie dem Krach aus dem Weg gehen kann.

Eines abends, als Pauline wieder einmal allein in ihrem Zimmer sitzt, sieht das Mädchen von ihrem Fenster aus, dass in dem leerstehenden Gebäude auf der anderen Straßenseite Licht brennt. Das Mädchen wird neugierig und beobachtet von jetzt an regelmäßig, was in dem Haus vor sich geht: Ein Wagen fährt auf das Gelände und Pauline kann erkennen, dass mehrere Leute einen zappelnden Jungen aus dem Auto zerren, der sich offensichtlich wehrt.

Neugieriger denn je, beschließt das Mädchen, der Sache auf den Grund zu gehen. Als sie schließlich das Gebäude näher unter die Lupe nimmt, bemerkt sie, dass hinter einem der Fenster ein kleiner Junge gefangen gehalten wird. Dass hier etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugeht merkt Pauline spätestens, als sie einen Papierflieger vor dem Fenster des Jungen findet, auf dem der Name Lorenzo und ein Monster gemalt sind.

Das Schicksal von Lorenzo lässt Pauline nicht mehr los, doch es gibt auch noch andere Dinge mit denen sie sich beschäftigen muss. Da ist zunächst die Schule, in der bald ein Theaterstück aufgeführt werden soll und in dem Pauline eine Hauptrolle spielt. Und natürlich ist da auch noch der ewig dauernde Streit zwischen ihren Eltern, der Pauline zusetzt.

Durch einen Zufall entdeckt das Mädchen nach der Schule, dass es im Fall von Lorenzo auch um streitende Eltern geht, denn sie bekommt mit, dass Lorenzos Mutter nach ihrem Sohn sucht.

Pauline nimmt ihren ganzen Mut zusammen und beschließt irgendwie in das Gebäude zu gelangen. Als es ihr tatsächlich gelingt, merkt sie, dass der Junge ziemlich verzweifelt und durcheinander ist. Aus Rittern, die ihn beschützen sollen, hat er einen Kreis um sich gezogen, redet von sich selbst als ";gelbem Ritter";, denn das seien die besten, und dauernd murmelt er etwas von einer Zauberin...

Pauline versucht von dem Jungen zu erfahren, warum er hier ist und wo seine Eltern sind, doch Lorenzo antwortet nur in unverständlichen Sätzen und das Mädchen sieht ein, dass sie allein Lorenzo nicht helfen kann.

Und dann tritt Lorenzo erst mal in den Hintergrund, denn in der Schule steht die Aufführung des Theaterstückes an. Pauline verpatzt jedoch ihren Auftritt und fällt von der Bühne. Voller Sorge kommen ihre Eltern auf sie zu und... fangen prompt wieder an zu streiten, wer von beiden Pauline nun nach Hause fährt. Jetzt reicht es Pauline endgültig. Voller Verzweiflung und Wut nimmt sie ihr Fahrrad und fährt, so schnell sie kann, davon. Sie fährt durch die Gegend und bemerkt plötzlich Lorenzo, wie er ganz verloren und klein auf einem Parkplatz steht- zwischen seinem Vater und seiner Mutter. Die Eltern des Jungen streiten sich lautstark um ihren Sohn und darüber, wer von beiden besser für ihn sorgen kann.

Da reicht es Pauline. Sie ruft Lorenzos Namen und dieser schwingt sich auf Paulines Gepäckträger. Schnell fliehen die beiden Kinder vor der unerträglichen Szene und verstecken sich. Schließlich werden sie aber doch gefunden. Lorenzo wird von seinem Vater abgeholt und Pauline fährt mit ihren Eltern nach Hause.

Natürlich möchte Pauline Lorenzo noch einmal wiedersehen und so macht sie sich auf den Weg, um ihn in der Kinderklinik zu besuchen, in der er jetzt ist. Als Geschenk hat sie einen gelben Ritter gebastelt, da sie ja genau weiß, wie wichtig Ritter für den Jungen sind. Doch Lorenzo spricht nicht mit ihr. Er spricht mit niemandem. Die Burg, bestehend aus einem Karton, in der er sich verbarrikadiert hat, sei die stärkste Burg, die es gibt, sagt Lorenzo schließlich. Niemand könne zu ihm herein kommen. Und Pauline spürt erneut ihre Ohnmacht, denn sie möchte dem Jungen so gerne helfen. Sie legt den gebastelten Ritter vor dem Jungen auf den Boden und sieht nur noch aus dem Augenwinkel als sie geht, wie Lorenzo sich gerade so weit aus der Kiste streckt, dass er den Ritter erreichen kann.

Jetzt bleibt Pauline noch eine Sorge: Wie lange soll der Streit zwischen Mama und Papa noch dauern?! Doch Mama versichert ihr, dass Streit nicht mehr nötig ist. Sie haben sich, in der Nacht, als Pauline weg war, über das Sorgerecht geeinigt. Weiter fragt Pauline nicht, obwohl ihr natürlich noch eine Frage besonders am Herzen liegt: werden sich Mama und Papa wieder vertragen? Aber solange diese Frage unbeantwortet bleibt, so lange gibt es noch Hoffnung.

";Pauline und der gelbe Ritter"; ist ein Buch, das junge Leser beeindrucken wird. Rudolf Herfurtner gelingt es, die komplexe Geschichte um das Mädchen Pauline spannend und kurzweilig zu gestalten.

Die Thematik dieses Buches ist allerdings keine ";leichte Kost";, geht es doch um ein Thema, welches eine ordentliche Portion Sensibilität erfordert. Pauline steht in diesem Buch stellvertretend für eine Vielzahl von minderjährigen Kindern, die unter der Trennung ihrer Eltern leiden müssen und sich plötzlich einer völlig neuen Lebenssituation gegenüber sehen. Alleine in Deutschland ist mittlerweile jedes vierte Kind von der Trennung seiner Eltern betroffen. Angesichts dieser Tatsache hat dieses Buch eine beunruhigende Aktualität.

Mit Pauline hat der Autor eine Figur geschaffen, in die sich Kinder sehr gut hineinversetzen können. Gerade für Betroffene wird Pauline schnell zur Vertrauten und Sympathieträgerin.

Rudolf Herfurtner richtet sich mit seinem Buch allerdings an erfahrenere Leser. Trotz leicht verständlicher Sprache und dem ständigen Wechsel von Dialog und erzählten Passagen, ist der Inhalt des Buches recht kompakt und der Handlungsverlauf für Leseanfänger eher schwer nachvollziehbar. Der Wechsel zwischen den Passagen, die von Lorenzo erzählen und den Situationen, die Pauline zu Hause erlebt, wird harmonisch in den Erzählfluss eingebaut, erfordert aber von den Lesern ständige Aufmerksamkeit und Konzentration.

Dadurch, dass in diesem Kinderbuch zwei Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind, macht der Autor deutlich, wie verschieden Kinder mit einer solchen Situation umgehen können. So zieht Pauline es zum Beispiel vor, den Streitereien ihrer Eltern den Rücken zu kehren, aber sonst eher alles zu hinterfragen (";Hast du schon mit Papa gesprochen?";, ";Wie lange wollt ihr euch noch streiten?";), Lorenzo hingegen grenzt sich von der Außenwelt ab und baut sich seine eigene, introvertierte Welt auf . Dies geht schließlich sogar so weit, dass Lorenzo autistische Züge aufzeigt und mit niemandem mehr spricht. Dies ist eine deutliche Mahnung, ein Appell an betroffene Eltern, sich vor derartigen Entgleisungen, die im Falle der dargestellten Kindesentführung zudem noch kriminell sind, zu hüten.

Schade, dass der Autor es nicht schafft, Kindern, die sich in einer ähnlichen Situation wie Pauline oder Lorenzo befinden, einen echten Halt zu geben. Die Geschichten der beiden Figuren sind tragisch, wenn auch teilweise realistisch. Pauline, als älteres der beiden Kinder hat das Glück, dass ihre Eltern sich am Ende zumindest arrangieren - auch wenn aus ihnen kein Paar mehr wird.

Lorenzo hingegen ist nicht nur das Opfer einer gescheiterten Beziehung, sondern muss in diesem Buch noch vieles mehr ertragen. So wird zum Beispiel deutlich, dass der Vater des Jungen seinen Sohn entführt hat und dafür nicht einmal zur Verantwortung gezogen wird. Und Pauline, die das Schicksal des Jungen, für den sie sich mitverantwortlich fühlt, muss erleben, dass sie in dieser Situation völlig hilflos ist. Dieser Stoff ist für Kinder sicherlich nicht einfach zu verarbeiten, zumal betroffene Kinder in ähnlichen Situationen sich wohl eher eine Hilfestellung wünschen.

Deutlich wird, da aus der Sicht von Pauline geschrieben, dass Kinder nur Fragmente der ganzen Krise erfassen können- sie verstehen nicht, warum immer wieder Streit ausbricht oder wer ein falsches Verhalten an den Tag legt, das der andere Partner nunmehr unerträglich findet... Sie erfassen das, was ihre Seelen verletzt, sie aus ihrer gewohnten Lebensbahn wirft.

Auf die unterschwellig erzählte Art und Weise von Rudolf Herfurtner können Kinder, aber auch wir erwachsene, erahnen, was in einem Kind wie Pauline vorgeht. Für Kinder ist dies umso bedeutungsvoller, da sie sich in ihrer Wahrnehmung und Gefühlswelt erkannt und aufgenommen fühlen.

Bleibt zu sagen, dass der Autor mit dem Kinderbuch ";Pauline und der gelbe Ritter"; eine Mischung zwischen Krimi und ";Schicksalsbericht"; verfasst hat, sich aber letzten Endes nicht für eines der beiden entscheiden kann. Es wäre, bei aller Realität, wünschenswert gewesen ein ";Happy-End"; zu finden, statt junge Leser mit den Schicksalen der Hauptpersonen allein zu lassen.

Fazit:

Das für viele Kinder aktuelle Thema ";Scheidung"; wird aus der Sicht eines betroffenen Kindes erzählt. ";Pauline und der gelbe Ritter"; zeigt eine Bandbreite von Emotionen auf, mit denen Kinder in einer solchen Situation konfrontiert werden können. Rudolf Herfurtner schafft es, Kindern aufzuzeigen, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind, jedoch misslingt der Versuch, Kindern mit diesem Buch eine echte Hilfestellung zu geben.

Simone Brinkschulte

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