Der Schneemann

Der Schneemann
Der Schneemann
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Kinderbuch Couch
77%

Kinderbuch-Couch Rezension vonNov 2005

Idee

Etwas traurig lässt uns Günther Kaip mit dem geschmolzenen Schneemann zurück. Die positive Botschaft erschließt sich letztlich aber doch noch. Es ist ein Buch mit besonderem Charme und weckt die Freude daran, immer wieder Neues zu schaffen.

Bilder

Collagen, die eine eigene Handschrift tragen überzeugen auf ganzer Breite, unterstützt durch die Schreibschrift als stylistisches Mittel.

Text

Kindgerechte Sprache mit einer altersangemessenen Textmenge. Inhaltlich nicht immer ganz leicht zu vermitteln.

Das ist eine kurzweilige Geschichte über den Spaß im Schnee und die phantastischen Gedanken daran, dass der vermeintlich leblose Schneemann in unserer Abwesenheit zum Leben erwacht. Eine durch Angelika Kaufmann gefühlvoll illustrierte Erzählung von Günther Kaip.

Susi, Erich und Georg sind auf den Hügel vor der Stadt gelaufen, um dort einen Schneemann zu bauen. Im Gepäck haben sie Kohlen, eine Möhre und alles was man zum Bauen eines Schneemanns braucht. Am Abend, nachdem die drei Freunde nach Hause gegangen sind, fühlt sich der Schneemann einsam. Er muss an die Kinder denken, als er plötzlich im Schnee die vielen Sachen entdeckt, die die Drei vergessen haben. Kurzerhand beschließt er sie alle zurück zu bringen. So macht er sich auf den Weg in die Stadt , vorbei an den hastenden Menschen. Unterwegs trifft er einen Mann, der sich einen Scherz mit ihm erlaubt. Als er mit ihm sprechen will, bemerkt er, dass er keine Stimme hat.

Tapfer setzt er seinen Weg fort und erreicht eine offene Tür, hinter der er die Kinder vermutet. Als er aber das Haus betritt, beginnt er sofort zu schmelzen. Deswegen entscheidet er sich draußen zu warten. Hier winkt ihm ein anderer Schneemann, auf der anderen Seite der Straße zu. Er läuft zu ihm, bleibt aber durch eine Schaufensterscheibe von ihm getrennt. Er macht auf sich aufmerksam, doch der fremde Schneemann reagiert nicht auf ihn. Obwohl es ihm durch einen Luftschacht, auf dem er steht, zunehmend wärmer wird, bleibt er an Ort und Stelle stehen. Er wird langsam kleiner und kleiner, bis nur noch die Sachen der Kinder, das Kohlenstück, die Rosinen und die Karotte liegen bleiben. Am nächsten Tag finden die Kinder alle Sachen und freuen sich sehr. Sie nehmen die ";Schneemannreste"; und gehen zurück auf den Hügel, wo sie erstaunt darüber sind, dass ihr Schneemann verschwunden ist. Frohen Mutes beschließen sie, einen neuen zu bauen, der genau so aussehen soll wie der erste.

Sie erzeugt zwiespältige Gefühle, diese Geschichte vom Schneemann, der so vergänglich ist. Wir werden entführt in eine phantastische Welt , in der es möglich ist, dass ein lebloser Schneemann zum Leben erwacht und menschliche Gefühle zeigt. Aber eben das macht ihn zu einer traurigen Gestalt. Er fühlt und denkt wie ein Mensch, aber er fühlt sich auch einsam, draußen vor der Stadt ohne die Kinder. Er kann sich dem Mann nicht verbal verständlich machen und erkennt nicht, dass die vermeindlich ";verwandte Seele";, der Schneemann in der Stadt, nur eine Schaufensterdekoration ist. Und letztlich schmilzt er über einem Lüftungsschacht, obwohl ihn noch kurz zuvor die Wärme in dem Haus, dazu veranlasst hat, lieber draußen zu warten. So ";stirbt"; er und hinterlässt bei jedem kleinem Leser ein großes Fragezeichen. Dass die Kinder sich am nächsten Morgen sehr freuen und beschließen einen neuen Schneemann zu bauen, der genau so aussieht, wie der erste, hellt die Stimmung des Zuhörers zwar auf, kann aber das betroffene Gefühl nicht gänzlich vergessen lassen.

Darüber hinaus vertrösten uns auch die überzeugenden und aufwändigen Collagen aus Hutpapier von Angelika Kaufmann, die den ihr 2005 verliehenen Österreichischen Würdigungspreis für Kinder- und Jungendliteratur verdient erhalten hat. Die Bilder ziehen in ihren Bann und verstehen es, zu berühren, seien es die traurigen Augen des Schneemanns oder die sichtbare Freude der drei Freunde beim Toben im Schnee. Besonders erwähnt sei auch der Schrifttyp. Der Text ist in Schreibschrift geschrieben, was dem Buch zusätzlichen Charme verleiht.

Am Ende bleibt eine fragwürdige Stimmung zurück, die den Lesespaß aber nicht schmälern muss. Vor allem wegen seiner intensiven Illustrationen sollte man nicht auf diese Wintererzählung verzichten.

Fazit:

Lebt er oder lebt er nicht? Das ist die über allem schwebende Frage. Dass der gute alte Schneemann vergänglich ist, steht jedenfalls fest. Deswegen kann es nur eine Botschaft für die kleinen ";Erbauer"; frostiger Wintertage geben: Seid nicht traurig, denn wenn ihr dem Schneemann eine neue Gestalt gebt, kehrt er immer wieder zu euch zurück.

Anke Bergen-Mens

Der Schneemann

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